Wohnen und Leben an der Therme

von Redaktion

Die Aiblinger nutzen die Möglichkeit, bei der Entwicklung des neuen Quartiers an der Therme mitzuwirken: Rund 200 Ideen kamen allein am ersten Tag der Bürgerbeteiligung zusammen. Eingebracht von Schülern, Senioren, Behinderten, Hoteliers und Klinikbetreibern.

Bad Aibling – Es ist eine große Ideensammlung, zusammengetragen über einen ganzen Tag, festgehalten auf vielen bunten Karten. Alle wurden fotografiert und werden laut Dr. Max von Bredow mit in die nächste Beratungsstufe genommen. Für den geschäftsführenden Gesellschafter der „Max von Bredow Baukultur“ (MvB) sowie Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier, Architekt Florian von Hayek (Behnisch Architekten) und Korbinian Kroiss von der „nonconform Ideenwerkstatt“ gab dieser erste Austausch schon einmal einen ersten Überblick über die Themen, die die Bürger bewegen.

Wunsch nach
Aufenthaltsqualität

Deutlich wurde dabei vor allem der Wunsch nach einer guten Aufenthaltsqualität in dem neuen Quartier. Denn neben dem Thermenhotel ist auf dem 16000 Quadratmeter großen Areal Wohnbebauung vorgesehen, für die im Zuge der Bürgerbeteiligung die Vorstellungen und Bedarfe abgeklopft werden sollen.

Ein Anliegen, das von verschiedensten Seiten immer wieder aufkam: ein Angebot von kleineren Wohnungen beziehungsweise Apartments. Nicht nur Hotel- und Klinikbetreiber haben großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für ihre Angestellten. Auch bei Berufsschülern ist das Interesse groß, was beispielsweise Wohnraum für Azubis angeht. Die dortigen Inklusionsschüler sprachen überdies die Möglichkeit von Wohngemeinschaften für Gehandicapte an und stießen damit auf offene Ohren: Er wisse um die große Aktualität und Nachfrage diesbezüglich und sei dem inklusiven Gedanken für dieses Quartier gegenüber sehr aufgeschlossen, versicherte von Bredow.

Konkrete Anfragen gab es am Abend bei der Ideenwerkstatt unter anderem von älteren Aiblinger Bürgern, die beispielsweise ihr Einfamilienhaus zugunsten einer kleineren, seniorengerechten Wohnung in einem Quartier mit sozialem Anschluss und Gemeinschaftsangeboten aufgeben würden. Das Thema Barrierefreiheit nannte hier nicht nur Seniorenbeauftragter Dieter Bräunlich. Diese soll über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehen. Auch eine Kombination mit Betreuungs- und Pflegeleistungen sei wünschenswert.

Die teilnehmenden Grundschulkinder wünschten sich bei der Beratung im Rathaus Bäume, Rutschen oder Spielplätze, während die Jugendlichen – ebenso wie die Erwachsenen – auf dem Gelände gerne einen Ort der Begegnung hätten. Die Zehntklässler der nahe gelegenen St.-Georg-Mittelschule beeindruckten Bauherr und Planer mit einer konkreten Präsentation, in der ökologische Gesichtspunkte einen Schwerpunkt einnahmen – von CO2 -neutraler Beheizung und CO2-speichernder Begrünung über nachhaltige Holzbauweise bis hin zu Straßenlampen mit Bewegungsmeldern. „Der Oberhammer“, meinte von Bredow, der auch den Wunsch vernahm, dass sich die Jugendlichen selbst in dem Quartier engagieren möchten, gerne einen Begegnungs- und Aufenthaltsort für die Zeit nach der Schule hätten, anstatt sich am Bahnhof oder im Kurpark zu treffen.

Das Thema Holzbau lag naturgemäß auch der Zimmererklasse der Berufsschule am Herzen. „Bei diesen Gesprächen hat man zum einen den Stolz auf das Handwerk richtig gemerkt, und zum anderen, wie wichtig den jungen Männern die Regionalität ist“, stellten die Verantwortlichen fest.

Zur abendlichen Ideenwerkstatt im Kurhaus waren auch zahlreiche Anwohner gekommen, deren Impulse, Sorgen, Wünsche und Anliegen ebenfalls dokumentiert wurden. Ihr Interesse galt vorwiegend der Erschließung des Geländes – auch der Aspekt „autofreies Quartier“ spielte hier eine Rolle –, der Höhe der Bebauung und der Rücksichtnahme auf die bestehenden Häuser. „Vielfach kam auch die Frage nach der Beheizung des Quartiers auf, die in jedem Fall regenerativ und CO2-frei erfolgen wird. Hierzu sind wir schon in Gesprächen mit den Stadtwerken. Eine ganze Reihe von Nachbarn hat schon Interesse an einem Anschluss bekundet“, fasst von Bredow zusammen.

Auf der Agenda standen außerdem Themen wie die Ansiedlung einer Bäckerei, eines Nahversorgers oder eines Skaterparks. Auch die Errichtung eines Hallenbades oder Lehrschwimmbeckens war von mehreren Seiten eingebracht worden. „Es gibt auch diese größeren Fragestellungen, die auf diesem Quartier nicht alle beantwortet werden können“, so Korbinian Kroiss. Es sei jedoch ein positiver Nebeneffekt einer Bürgerbeteiligung, dass dabei auch Themen der Stadtentwicklung allgemein mit beleuchtet werden. „Es bleibt immer auch eine Liste der unerfüllten Wünsche für das konkrete Projekt, die die Verwaltung am Ende aber mitnimmt .“

Positiv beeindruckt zeigten sich die Verantwortlichen von der Offenheit und Sachlichkeit der Diskussion, auch was die Dichte der Bebauung angeht. Um Preise sei es in der ersten Runde noch gar nicht gegangen. Klar sei, dass sich der Grundstückspreis bei höherer Dichte auf mehr Wohnungen verteile. Wertige Fassaden, gute Wärmeversorgung und -dämmung, Barrierefreiheit, all das koste natürlich Geld. „Wir kochen auch nur mit Wasser und können Kosten nicht wegzaubern“, räumt von Bredow ein.

Aber: Gutes Bauen müsse nicht automatisch teuer sein, man müsse versuchen, die Balance zu finden – keinen Luxus, aber gut und ordentlich zu bauen und darauf zu achten, welche Strukturen funktionieren, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das bedeute, die Quadratmeterzahl einer Wohnung klein zu halten. „Das funktioniert, wenn die Wohnungen gut geschnitten sind.“ Nichtsdestotrotz sehe man durchaus auch Raum für Familien auf dem Gelände.

Von Bredow spricht von der „Mission Mischen“, was auch dem Wunsch nach Mehrgenerationenwohnen entspricht, von dem in der Ideenwerkstatt ebenfalls die Rede war. Man strebe eben nicht das klassische Altersheim, Studentenheim oder Reihenhaus an. Und: „Man kann auf 60 Quadratmetern wohnen und zugleich auf 120 Quadratmetern leben, indem man eben auch Gemeinschaftsräume wie Werkstatt, Gemeinschaftsgarten oder Begegnungsstätten nutzt“, betonen die Planer. Sie verweisen darauf, dass sich Aiblinger Bürger hier vor allen anderen Interessenten für einen Kauf oder zur Miete bewerben können. Bei anderen MvB-Projekten wie etwa dem Feilnbacher Tannenhof liege die Einheimischenquote zwischen 60 und 70 Prozent.

Thermenhotel
unter der Lupe

Das Thema Thermenhotel selbst stand hauptsächlich in der Runde mit den örtlichen Hotelbetreibern im Fokus, darunter natürlich die Frage, ob es wirklich noch ein weiteres Hotel in Bad Aibling brauche. „Wir befinden uns noch in der ,Phase null‘, in der es noch fast keinen Strich auf dem Papier gibt. Deswegen wollen wir auch jetzt miteinander darüber sprechen, was auf dem Gelände passiert, wie man sich ergänzen und zusammenarbeiten kann“, so von Bredow.

Die Ideenwerkstatt sei der Startschuss für weitere Gespräche gewesen. Fortgesetzt werden diese mit der großen Planungswerkstatt morgen, Dienstag, 19. März, ab 19 Uhr im Kurhaus. Dort können die Bürger dann bereits an einem Modell im Maßstab 1:200 arbeiten.

Stimmen aus der Ideenwerkstatt

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