Tuntenhausen – Die Bürgerversammlung in Tuntenhausen zeigte die positive Entwicklung der Gemeinde auf, führte aber auch die Sorgen wie fehlendes Kindergartenpersonal und die für die Betroffenen nahende Katastrophe einer Brenner-Baustelle vor Augen.
Im fast vollen Wirtssaal vom Gasthaus Schmid ging Bürgermeister Georg Weigl zunächst auf die Kassenlage ein, die sehr gut sei. Immerhin zählt Tuntenhausen zu den wenigen schuldenfreien Gemeinden im Landkreis. „Und wir haben keinen Investitionsstau“, merkte Weigl an. Die vorsichtige Haushaltspolitik half der Kommune zum Ansparen beträchtlicher Rücklagen (11,64 Millionen Euro per 31. Dezember 2023). So komme auch die mittelfristige Finanzplanung bis 2027 ohne Kreditaufnahmen aus.
Schulen mit
Inklusionsprofil
Stolz ist der Bürgermeister darauf, dass beide Schulen in der Gemeinde Inklusionsprofil haben und ein offenes Ganztagsschulangebot für insgesamt 413 Kinder bereitstellen. Seit 2019 habe man sich dort mit der Digitalisierung auseinandergesetzt und viel Geld in Whiteboards, Tablets und WLAN investiert. Zudem verfüge man über fünf Kindergärten, eine Kindertagespflegeeinrichtung und zwei Spielgruppen. Weigl: „Wir haben aktuell Räume in Reserve, aber leider findet sich kaum Personal.“ Die Seniorenpolitik der Gemeinde setze sich mit dem Projekt Wohnen im Alter auseinander. Verwirklichung finde dies im Städteplanerischen Konzept „Ostermünchen-Mitte“, von dem Weigl sehr überzeugt ist. Der Bebauungsplan ist fast fertig: Baubeginn ist für 2025 geplant, die Fertigstellung 2027. Es entstehen eine Tagespflege, Arztpraxis und Apotheke sowie eine Mobilitätsstation (Pilotprojekt) und ein Dorfladen als reines Bürgerprojekt.
Lob zollte Weigl den sechs Feuerwehren der Gemeinde, bei denen 411 aktive Feuerwehrkameraden stets parat stehen. „Von 305 Einsätzen im letzten Jahr waren nur noch 31 Brandeinsätze, der Rest technische Hilfeleistung.“ Bei den First Respondern sammelten sich weitere 102 Einsätze an.
Die Wasserversorgung wird in Tuntenhausen zu 56 Prozent von der Gemeinde abgedeckt, der Rest über Verbände. Zuletzt sei der Verbrauch etwas zurückgegangen, was auf einen sensiblen Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser schließen lasse.
Weigl sprach auch die Energiewende an. Hier laufe die kommunale Wärmeplanung. Man beschäftige sich mit PV-Freiflächenanlagen, einer Agri-PV-Anlage und einem Standort für Windenergie (westlich von Biberg). Erheblich zurückgegangen seien in den letzten beiden Jahren die Bauanträge (von 94 in 2022 auf 55 in 2023).
Natürlich durfte das Thema Brenner-Nordzulauf nicht fehlen. Für die Bundestagsentscheidung 2025 habe der Gemeinderat Kernforderungen eingereicht. Optimistisch, dass diese umgesetzt werden, ist Weigl aber nicht.
Auch wenn er bei dem „Wahnsinnsprojekt“ erst mit einem Baubeginn 2030/ 2031 rechnet, sieht er vor allem die Baustelleneinrichtung als reine Katastrophe an. „Das betrifft dann die ganze Gemeinde, und das über zehn Jahre.“
Als erfreulich dagegen sah er den Beitritt zum MVV: „Abgestimmter Fahrplan und ein Ticket – das ist gut“.
Die anschließende Aussprache hielt sich in Grenzen. Katharina Murnauer fragte, ob die Wasserversorgung im Neubaugebiet Ostermünchen-Mitte gesichert sei und die Kläranlage die Belastung vertrage. Laut Weigl ist genügend Wasser vorhanden und auch die Kapazität der Kläranlage sei ausreichend. Hier sei ohnehin ein Neubau geplant.
Glasfaserausbau
noch in diesem Jahr
Eine weitere Frage bezog sich auf den Glasfaserausbau. Nach den Worten des Bürgermeisters wird dieser im Laufe des Jahres erfolgen und die Telekom in Kürze die Bürger anschreiben. Auch das Asylthema kam zur Sprache. Einziger Standort für eine Containerlösung wäre das Gewerbegebiet Oberrainer Feld. Es werde derzeit aber noch geprüft. Eine Unterbringung in freien Wohnungen wäre jedoch die beste Lösung.