Das JUZ setzt auf Wertevermittlung

von Redaktion

Als „wichtige Säule“ der Jugendarbeit hat sich das Jugendzentrum (JUZ) in Bad Aibling etabliert. Manchmal müssen die Mitarbeiter dort auch knifflige Situationen lösen. Warum das so ist und wie sich die Jugend aus ihrer Sicht in den vergangenen Jahren verändert hat.

Bad Aibling – Als eine von drei „wichtigen Säulen“ hat es Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) zuletzt beschrieben. Neben den vielen Vereinen sowie dem selbst verwalteten Jugendtreff „Bergwerk“ der Jugendinitiative Mangfalltal (JiM) leistet das Jugendzentrum Bad Aibling (vormals „Mosaik“) einen wichtigen Beitrag in der Jugendarbeit. Die Verantwortlichen sprachen nun über ihr breites Angebot und gelungene Aktionen, aber auch darüber, dass manche Jugendliche derzeit „destruktives Handeln“ aufweisen.

Seit vier Jahren ist das Bayerische Rote Kreuz (BRK) – Kreisverband Rosenheim – als Träger der offenen Jugendarbeit in der Stadt Bad Aibling und damit einhergehend auch als Träger für das Jugendzentrum in der Westendstraße 8 tätig. Amelie Guggenberger, Abteilungsleiterin Soziale Arbeit beim BRK, sprach während einer Vorstellung im Aiblinger Sozialausschuss von einem „sehr bunten Jahr“ 2023 im JUZ, in dem sich sehr viel verändert habe. Die Arbeit mit jungen Menschen habe sich, nicht zuletzt durch die einschneidende Corona-Pandemie, extrem gewandelt. Bei den JUZ-Besuchern erlebe sie unter anderem eine „unglaubliche Verjüngung“.

2023 gab es neben dem regulären „Offenen Betrieb“ diverse Angebote, Veranstaltungen und Projekte. Pro Tag nutzen durchschnittlich 20 Jugendliche die Angebote und Räumlichkeiten der Einrichtung. In diesem Jahr kamen von Januar bis März insgesamt 883 junge Menschen. Wie Carolin Muhr, pädagogische Fachkraft im ehemaligen „Mosaik“, erläutert, ist unter den Besuchern ein männlicher Anteil von etwa 70, ein weiblicher von 30 Prozent. Die meisten besuchten die Mittelschule in Bad Aibling und eine Mehrheit hat Migrations- und Fluchterfahrungen.

Vom Atelier-Chaos
‚bis zur Zukunftsfabrik

Neben dem täglichen offenen Betrieb gibt es dort wechselnde Angebote und Projekte, die gemäß dem partizipativen Ansatz aus den Wünschen der jungen Menschen heraus entstehen. Muhr nennt diverse Projekte, etwa die Zukunftsfabrik (Nachhaltigkeitsprojekt), das Atelier-Chaos (Kreativprojekt), Kochangebote und Rollenspielgruppe sowie Sportangebote oder die JUZ-Bib. Zu den Angeboten zählt aber auch das sogenannte „JUZ-Bewährungs-Programm“. Laut der pädagogischen Fachkraft habe es „aktuelle Vorfälle“ gegeben, die diese Maßnahme notwendig machen. Dabei gehe es etwa um zweifachen Einbruch mit Diebstahl, so Muhr. „Wir erleben derzeit auch ein destruktives Handeln gegenüber dem Haus“, sagt sie. So stelle vor allem das „entgrenzende Verhalten und der Mangel an grundlegenden Sozialkompetenzen“ das Team vor zusätzliche Herausforderungen.

Das Verhalten der betroffenen Jugendlichen werde unter anderem zum Frustabbau genutzt. Das Team werde daher in den nächsten Monaten in einen intensiven Austausch- und Aushandlungsprozess gehen, um auch diesen Jugendlichen einen Besuch im JUZ weiterhin möglich zu machen. Hierzu müssten aber zunächst grundlegende Dinge wie Respekt, Achtsamkeit und Disziplin im gegenseitigen Umgang wieder eingeübt und gepflegt werden.

Workshop zum
Thema Respekt

Genau dafür habe man das „JUZ-Bewährungs-Programm“ als pädagogische Maßnahme ins Leben gerufen. In dem Programm geht es darum, die Jugendlichen dabei anzuleiten, der JUZ-Gemeinschaft etwas zurückzugeben. So werden im Rahmen des Programms beispielsweise der Garten weiter ausgebaut, die Fenster geputzt sowie verschiedene Workshops zum Thema Respekt und zwischenmenschlicher Umgang durchgeführt.

In einer Abschlussveranstaltung sollen die Jugendlichen dann eine Präsentation über die Angebote, Regeln, Aufgaben und Personen im BRK-Jugendzentrum erarbeiten und gemeinsam präsentieren.

Um die komplexe Jugendarbeit weiterhin anbieten zu können, sei die finanzielle Unterstützung (36000 Euro) der Stadt Bad Aibling immens wichtig, bedankte sich Amelie Guggenberger. Denn auch während einer angespannten Haushaltslage sei die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen in Bad Aibling nach wie vor ein entscheidender Bestandteil bei der Gestaltung eines gesamtstädtischen Miteinanders.

Im Sozialausschuss wollte Stadträtin Anna Maria Kirsch (ÖDP) wissen, ob im Jugendzentrum die Jugendlichen auch an demokratische Prozesse herangeführt werden, „im Sinne der politischen Bildung“, wie sie es nannte. Bezogen auf die zuvor geschilderten Herausforderungen sprach Carolin Muhr zwar von „wichtigen Herausforderungen“. Jedoch liege der Bedarf im Haus derzeit ganz wo anders.

Grundlegende Verhaltensweisen

„Hier geht es gerade eher um grundlegende Verhaltensweisen wie ‚hier wird nicht geklaut‘, ‚hier wird nichts zerstört‘ oder ‚ich sage zur Begrüßung hallo‘“. Natürlich müsse das Ziel auch die politische Bildung sein, jedoch fehle hier oftmals noch die nötige Basis der Sozialkompetenz.

Auf Dieter Bräunlichs (ÜWG) Frage, ob trotz tausender Jugendlicher immer nur das gleiche kleine Grüppchen im Jugendzentrum aufzufinden wäre, verwies Muhr auf die besagten Bewährungs-Maßnahmen. „Dadurch sind gerade einige nicht im Haus und so kommen wieder neue zu uns.“ Wenngleich ein Kern von Jugendlichen, die regelmäßig kommen, durchaus vorhanden sei. Martina Thalmayr (Grüne) lobte indes die Arbeit des Teams und zeigte sich begeistert ob des „flexiblen Handelns und der tollen Ideen.“

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