„Loifei & Wadlstrümpf“ beim Müllner Peter

von Redaktion

Ausstellung zur Tradition des Strickens ist bis zum 31. Oktober zu sehen

Aschau-Sachrang – „Loifei & Wadlstrümpf“ heißt die diesjährige Sonderausstellung im Müllner Peter Museum im Alten Schulhaus von Sachrang. „Wir wollten eine große Ausstellung über Handarbeiten machen, haben dann aber bald gemerkt, dass das Thema viel zu umfangreich für unsere beschränkten Raumverhältnisse gewesen wäre“, erklärt Vereinsvorsitzende Cäcilie von Feilitzsch-Rauch, die Vorsitzende des Müllner-Peter-Museumsvereins. „So haben wir uns auf das Stricken beschränkt, und je länger die Vorbereitungen dauerten, umso mehr Material hatten wir zur Auswahl.“ Sie bedankte sich bei allen Leihgebern und allen, die den Verein bei den Ausstellungsvorbereitungen unterstützt hatten. Martina Glatt vom Sachranger Museumsteam erzählt begeistert von den vielen Anregungen, die es für das Vorhaben gab. „Nachdem die ersten Vorbereitungen angelaufen waren, und wir uns festgelegt hatten, brachten die Leute alles, was irgendwie zum Thema passt – sei es Wolle, sei es Werkzeug oder seien es fertige Stricksachen aller Art.“

Lediglich beim eigentlichen Thema „Loifei und Wadlstrümpfe“ lief es mit den Leihgaben etwas zäh an, weil diese natürlich alle beim großen Gaufest des Chiemgau-Alpenverbands in Hohenaschau zum Einsatz kommen und nicht im Museum übersommern können.“ Die beiden Vorsitzenden der Trachtenvereine Hohenaschau und Sachrang, Claus Reiter und Bernhard Bauer, zeigten im Original die Wadlstrümpfe, die sich im Chiemgau von Verein zu Verein unterscheiden und an denen ein Kundiger die Herkunft des Trägers ableiten kann.

Die stellvertretende Vorsitzende Brigitte Peters und Martina Glatt brachten den Zuhörern einiges Interessante zum Thema Stricken und Handwerkskunst. Beide erklärten, dass das Stricken mit zu den ältesten Möglichkeiten der Bekleidungsherstellung zählt, aber nur wenige Belege im Original vorliegen.

Stricken als Handwerk ist seit hunderten von Jahren belegt, Stricker waren in eigenen Gilden zusammengefasst. Da aber keine Originale aus dieser Zeit überliefert sind, weiß man nur wenig über die Technik. „Wir versuchen mit unserer Ausstellung, diese Handwerkstechnik zu beleuchten und zu zeigen, welche praktische, soziale, kulturelle und manchmal auch politische Bedeutung das Stricken hatte und hat.“

Bekannt ist, dass das Stricken keineswegs auf Frauen als „Weibakram“ beschränkt war, sondern seit den Anfängen von Männern betrieben wurde. Bekannt sind auch die Verordnungen Friedrich des Großen, dass die Soldaten und die Invaliden zum Stricken herangezogen werden sollen. Auch politisch trat Stricken als Zeichen einer Weltanschauung in Erscheinung, sei es bei den Blaustrümpfen im viktorianischen England, sei es während der Französischen Revolution oder während des Ersten Weltkriegs, als im Deutschen Reich Strümpfe, Socken und warme Sachen für die Front gestrickt wurden. Letztes Beispiel für Stricken als politische Äußerung waren die ersten Grünen, die 1983 mit Strickzeug und grob gestrickten Pullovern in den Bundestag einzogen.

In der Trachtenecke zeigte Martina Glatt die Bücher mit den Strickmustern von Lisl Fanderl, die Originale der Strickanleitungen liegen mit dem gesamten Nachlass in München.

Alle Exponate sind in die bestehende Müllner-Peter- Ausstellung eingebaut und bis zum Herbst zu sehen. Das Museum ist bis zum 31. Oktober jeden Freitag, Samstag und Sonntag sowie feiertags von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Als Beiprogramm veranstaltet der Museumsverein mehrere Hoagascht-Veranstaltungen mit Fanny Ostermann und Christa Hertle sowie das Strickcafè mit Ria Hamberger. Am Freitag, 17. Mai, kommt der Leiter des Trachtenzentrums für Trachtengwand Bezirk Oberbayern, Alexander Wandinger, um 19 Uhr zu einem Podiumsgespräch mit den Vorsitzenden der drei Aschauer Trachtenvereine in die Sachranger Alte Schule. reh

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