Hilfe beim Schnüren des Mieders leistet Lisi Ranner (rechts) ihrer Tochter Elisabeth.
Kematen – Mädchen und Frauen hinterlassen in traditionellen Trachten wie Dirndlgwand, Schalk oder Spenzer prägende Eindrücke bei Umzügen. Mit ihrem „scheena Gwand“ setzen sie bei besonderen kirchlichen und weltlichen Anlässen, Hochzeiten, Gau- und Trachtenfesten ein Zeichen ihrer Verbundenheit zu Heimat, Tracht und Brauchtum. Ein wichtiger Bestandteil der Tracht ist „a steifes Miada“, wie Annamirl Raab, Leiterin eines speziellen Nähkurses, betont.
Immer mehr Interessenten
Die Trachtenausstatterin und Schneiderin folgte einer Einladung von Irmi Impler, Gautrachtenpflegerin im Gauverband 1 und aktives Mitglied des Trachtenvereins GTEV „Edelweiß“ Dettendorf-Kematen. Für Raab war es der dritte gau- und landkreisübergreifende Nähkurs dieser Art. Sie beobachtet mit Stolz und Freude die steigende Resonanz an Trachtenliebhaberinnen, die die Technik erlernen wollen.
Aktuell finden drei bis vier Kurse pro Jahr statt, an denen jeweils zwischen acht und zehn Frauen teilnehmen. Einige von ihnen haben sogar ohne vorherige Fachkenntnisse in Schneiderei und Näherei ein lukratives Hobby entdeckt.
Seit Ende Dezember vergangenen Jahres trafen sich im Pfarrheim St. Martin in Kematen Frauen aus verschiedenen Berufen und Orten, um Kenntnisse in der Herstellung des Kleidungsstücks zu erwerben. Bei sechs Treffen erweiterten sie ihr Wissen zu Schnitten mittels Mustervorlagen und Kopien für ein passendes Mieder. Die Stoffe dazu hatten sich die Teilnehmerinnen selbst besorgt und Annamirl Raab geliefert. Ein „Steifes Mieder“ besteht aus Oberstoff, Zwischenfutter, grobem Steifleinen sowie Stoff zum Kleben mit Schreiner- oder Holzleim, um die gewünschte Festigkeit zu erreichen. Kunstvolle Muster entstanden durch das Einkleben von passend zugeschnittenem „Peddigrohr“ zwischen den Stofflagen. Ein Mieder selbst anzufertigen, erfordert Geduld und Zeit, so Raab. Ein Anfänger benötigt vom Muster, Schnitt, Anpassen und den genannten Arbeitsschritten bis zum Einnähen der Haken zwischen 80 und 100 Stunden. Entsprechend widmeten sich die Hobby- und Freizeitnäherinnen neben den Kursstunden auch an Abenden oder Wochenenden dem kunstvollen Kleidungsstück.
Individuelle Kreationen
So entstanden individuelle Kreationen, die zu einer Tracht oder auch festlichem Dirndlkleid zur eigenen Verwendung passen oder als Geschenk von hohem und unschätzbarem Wert. Über ein solches Mieder, auf die entsprechende Größe angepasst, freuten sich unter anderem Lisi Ranners Tochter Elisabeth, Kathi Bielmeiers Tochter Anna sowie das Patenkind von Agnes Staber, Vroni Schlemmer. Alle drei Mädchen wollen ihr edles Mieder bei verschiedenen passenden Anlässen tragen. Allerdings ist beim Anziehen und Schnüren Hilfe durch die Mutter oder Schwester nötig. Der Vorgang vom Ankleiden bis zur fertigen Frisur kann durchaus eine Stunde dauern, aber der Aufwand lohnt sich für ein ordentliches Erscheinungsbild, so die Mütter und ihre Töchter.
Um als Nichtschneiderin an ein handgefertigtes Mieder zu gelangen, bieten sich Trachtenmärkte oder Tauschbörsen über Trachtenvereine an. Alternativ vermitteln auch Trachtenpfleger, wie Annamirl Raab und Irmi Impler abschließend erklärten.