Bruckmühl – „Verein sucht Führungskräfte – der Bezirksraucher-Sterbekassen-Vereinigung droht das Aus“ – diese Schlagzeile leitete vor Kurzem im „Mangfall-Boten“ den Bericht über die Generalversammlung der Bezirksraucher-Sterbekassen-Vereinigung Bad Aibling ein. Ein zentrales Thema dabei war, dass nach dem Rauchclub- und Sterbekassen-Unterstützungsverein Bruckmühl, der im Oktober 2022 aufgelöst wurde, auch dem Aiblinger „Pendant“ das „Aus“ droht – ein Jahr vor seinem 150-jährigen Bestehen.
„Es herrscht „Fachkräftemangel“
Grund für das Vereinssterben ist eine ganz besondere Art von „Fachkräftemangel“: Es stellt sich niemand für den Posten des Vorsitzenden zur Verfügung und das führt dazu, dass der Verein nicht mehr fortbestehen kann. Dabei leiden die beiden Vereine – im Gegensatz zu den „aussterbenden“ Landsmannschaften der Sudetendeutschen und Schlesier – keineswegs an Mitgliedermangel. Dem Bruckmühler Verein gehörten zum Schluss 572 Mitglieder an und der Rauchklub und Sterbekassen-Unterstützungsverein Bad Aibling zählt aktuell 369. Was freilich nicht unerwähnt bleiben darf: Es gibt seit Jahren so gut wie keine Neuzugänge mehr. Die Gründe dafür schildert das Bruckmühler Urgestein Karl Heinz Thaller. Er war seit 1974 Vorsitzender des Rauchclub- und Sterbekassen-Unterstützungsvereins Bruckmühl und leitete zudem 20 Jahre lang die Bezirksraucher-Sterbekassen-Vereinigung Bad Aibling, die ihn 2005 zu ihrem Ehrenvorsitzenden ernannte. „Die Keimzellen dieser Vereine sind Rauchclubs, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im Mangfalltal zur Pflege der Geselligkeit, aber auch zur Unterstützung in Not geratener Familien ins Leben gerufen wurden“, erläutert der 85-Jährige und führt weiter aus: „In dieser Zeit war das staatliche Sozialsystem unter Reichskanzler Bismarck erst im Aufbau. Viele Familien gerieten damals durch Invalidität oder Tod des Ernährers in bitterste Armut.“
Den Anfang machte der 1875 gegründete „Pfeifen-Club Aibling“ als erster Pfeifen-Club im unteren Mangfalltal. Eine Satzung, genehmigt vom „Königlich Bayerischen Bezirksamt“ in Rosenheim (heute: Landratsamt), regelte das Vereinsleben. Die Aufnahme weiblicher Personen schloss die Vereinssatzung grundsätzlich (bis 1928) aus. Das Aufnahmealter war auf das vollendete 40. Lebensjahr beschränkt. Es folgten die „Rauchclubs“ Unterheufeld“ (1891), Kolbermoor (1893), Pullach (1907) und der „Rauchclub der Gemütlichkeit Bruckmühl“ (1923). Alle fünf Vereine wurden später in „Rauchclub und Sterbekassenvereine“ umbenannt. Grund hierfür war der 1926 erfolgte Zusammenschluss in die „Bezirksraucher-Sterbekassen-Vereinigung“ als kleinem Versicherungsverein. Es wurde unter anderem ein Umlageverfahren eingeführt, sodass im Sterbefall das Sterbegeld schnell und unbürokratisch an die Hinterbliebenen ausbezahlt werden konnte.
Der Zusammenschluss betraf nur die Sterbegeld-Regelung, ansonsten blieben die genannten Vereine weiterhin völlig selbstständig. Am Beispiel des Bruckmühler Vereins beschreibt Karl Heinz Thaller die negative Entwicklung: „Noch in den 2000er-Jahren hatten wir über 2000 Mitglieder, was auch durch den Wegfall des bis 2004 von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlten Sterbegeldes begünstigt wurde. In den letzten 20 Jahren ist jedoch das Interesse am Sterbegeld, das früher einen hohen Stellenwert besaß, allgemein kontinuierlich gesunken.“
Persönlicher Kontakt ist weggefallen
Dazu habe zum einen das abgeschaffte persönliche Kassieren der Mitgliedsbeiträge beigetragen. „Die Kassierer haben den persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern gehalten, sie beraten und aus ihrem Familienkreis immer wieder neue angeworben“, berichtet er. Zum anderen habe sich bei den jungen Leuten inzwischen aber auch eine andere Einstellung zum Sterbegeld entwickelt und erheblich zum Rückgang beigetragen. Während die Mitglieder das „Aus“ des Vereins bedauern, bleiben ihre Sterbegeld-Ansprüche jedoch in vollem Umfang erhalten. „Wir sind dankbar, dass sich die „Bezirksraucher-Sterbekassen-Vereinigung“ 2022 bereit erklärt hat, den Bruckmühler Verein „vollinhaltlich mit seinen 572 Mitgliedern zu übernehmen“. Was mit dem Bad Aiblinger Verein geschieht, ist derzeit noch offen.