Zum Abschied ein leises Oabling Gloré

von Redaktion

Horst Glaß, Senator der Bad Aiblinger Faschingsgilde, stirbt mit 84 Jahren

Bad Aibling – Er war beruflich und im Ehrenamt zeitlebens gerne unter Menschen, nun ist Horst Glaß im Alter von 84 Jahren verstorben. Den von Dekanats-Kantor Andreas Helfritsch musikalisch gestalteten Gottesdienst in der evangelischen Christuskirche feierte Pfarrer Markus Merz mit der Familie, Angehörigen, ehemaligen Mitarbeitern und Freunden des Verstorbenen. Vor dem Presbyterium stand zudem die Standarte der Bad Aiblinger Faschingsgilde.

Liebe zu Kunst,
Musik und Gesang

Pfarrer Merz stellte seine Ansprache unter den Leitsatz „Alles hat seine Zeit“ und ging damit nicht nur auf den Lebensweg, sondern auch auf das Wesen von Horst Glaß ein. „Er war ein Mensch, der mit einer Leichtigkeit durch das Leben ging“, so der Pfarrer, der auch wusste, dass Glaß die Musen liebte. Kunst, Musik und Gesang begleiteten ihn, wo immer er anzutreffen war. Er war Feingeist und guter Unterhalter zugleich.

Horst Glaß wurde in Spiegelau im Bayerischen Wald geboren und kam in jungen Jahren nach Bad Aibling. Durch Fleiß und Einsatz baute er sich eine selbstständige Versicherungsagentur auf. Seine Kunden und Mitarbeiter schätzten ihn für seine Fürsorge und Verlässlichkeit. Dieses berufliche Wirken wurde auch am Grab gewürdigt, wohin der Urne des Verstorbenen auf dem Bad Aiblinger Friedhof eine große Trauergemeinde gefolgt war. Seiner Gattin Sue, den Kindern Eva und Michael sowie den Enkelkindern war er ein fürsorglicher Ehemann, Vater, Schwiegervater und Opa. Zuletzt hatten die körperlichen und geistigen Kräfte nachgelassen, aber wenn er seine Enkelkinder auf den Arm nahm, konnte man ihm die Freude darüber nicht nur ansehen, sondern auch spüren.

Schon früh wurde Horst Glaß mit dem Bad Aiblinger „Faschingsgen“ infiziert, maßgeblich wohl durch die damaligen Präsidenten Stefan Riedl und Rolf Beyler, die ebenfalls Liebhaber der feinen Kunst waren. „Horst war uns nicht als exzessiver Faschingsmensch bekannt, er bereicherte uns vielmehr durch leisen Witz und feine Gesten“, erinnerte Walter Kunze als Senatspräsident stellvertretend für die Faschingsgilde an Glaß, der 1968 in die Gilde eingetreten war und ihr 56 Jahre die Treue hielt. Er war nicht nur als Hofmarschall aktiv, sondern später im Präsidium als Innenminister tätig und lange Jahre für die Organisation der Faschingszüge verantwortlich. Zusammen mit den jeweiligen Präsidenten initiierte er zudem geraume Zeit die feinen und künstlerisch hochstehenden Mottos der Gilde und wirkte bei der Choreografie mit. So kam etwa 1976 das Männerballett aus Tschaikowskys „Sterbendem Schwan“ zur Aufführung, 1989 tanzte die „Puppe Olympia“ aus Hofmanns Erzählungen durch den Fasching.

Unverzichtbares
Organisationstalent

Sein organisatorisches Talent sowie seine Verbindung zu Sponsoren waren für die Gilde lange Jahre unverzichtbar. Gründe genug, ihn 1991 in den Senat als Ehrengremium der Faschingsgilde zu berufen. Hier gehörte er zum inneren Führungszirkel als Schriftführer und seinem Naturell entsprechend sorgte Glaß für eine reibungslose interne Kommunikation. Seine herausragenden Verdienste würdigten Gilde und Senat mit dem Orden „Pour le Gloré“, mit dem er 2005 ausgezeichnet wurde.

Mit den Worten „Lieber Horst, wir werden Dich nicht vergessen. Deine und die mit Deiner Hilfe erschaffenen Mottos leben in der Geschichte des Aiblinger Faschings weiter“ und einem „leisen, traurigen Oabling Gloré“, zu dem sich die Standarte über dem Grab senkte, beendete Kunze seine Ansprache. Ein nicht enden wollendes Defilee zog anschließend zum letzten Gruß am Grab von Horst Glaß vorbei.

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