Bad Aibling/Willing – 155 Mitglieder weist die Willinger Feuerwehr auf, die heuer 150 Jahre alt wird. Das Jubiläum feiert die Wehr mit einem fünftägigen Fest.
Es war Bürgermeister Andreas Widhammer, der 1874 in der damals noch selbstständigen Gemeinde Willing, die heute zu Bad Aibling gehört, den Brandschutz forcierte. 27 Gründungsmitglieder schlossen sich laut Protokoll bei der Gründungsversammlung am 8. September dieses Jahres zur Willinger Feuerwehr zusammen. Nach einem Aufruf in der Bevölkerung wuchs der Verein schon wenig später um 68 weitere Mitglieder im Alter von 18 bis 60 Jahren.
Erstes Gerätehaus
kostete 1300 Mark
Das technische Gerät, welches dem Ersten Kommandanten Josef Stigloher und seiner Truppe zur Verfügung stand, war bescheiden und beschränkte sich auf ein paar Handspritzen und eine Löschmaschine. Schon 1876 errichtete die Gemeinde das erste Feuerwehrhaus am Kriegerdenkmal. Kosten: 1300 Mark. 1922 und 1923 waren bedeutende Jahre in der langen Geschichte der Wehr, ergänzte sie doch ihre Ausrüstung zunächst um den Ankauf einer fahrbaren Schubleiter von der Feuerwehr Bad Aibling und konnte ein Jahr später in ein neues Gerätehaus einziehen. Einen düsteren Schatten warfen die beiden Weltkriege auf die Wehr. Sie verlor mehr als zwei Dutzend Kameraden.
Besonders prekär stand es während des Zweiten Weltkriegs um das Löschwesen in dem Dorf. Die Nazis hatten den Verein verboten, er musste deshalb zwischenzeitlich als Feuerschutzpolizei fungieren. Da sich viele Floriansjünger damals im Fronteinsatz befanden, war die Einsatzstärke der Wehr stark vermindert. 28 junge Frauen ergänzten deshalb während der Kriegsjahre die Reihen der Aktiven.
Nach Ende des Krieges erwarb die Feuerwehr 1945 ihr erstes Löschfahrzeug von der Wehrmacht – heute verfügt sie über drei Einsatzfahrzeuge – und konnte am 22. März 1949 die Wiedergründung des Vereins feiern. 1991 kam das zweite Löschfahrzeug hinzu, 2012 erhielt die Wehr zudem ein mobiles Hochwasserschutzsystem. 2018 wurde der Anbau an das Gerätehaus fertiggestellt.
Nur ein paar Eckdaten einer langen Tradition, auf die der aktuelle Vereinsvorsitzende Michael Krimplstötter mit Stolz zurückblickt. „150 Jahre Willinger Feuerwehr, das sind sechs Generationen Dienst am Nächsten“, sagt er. Es sei schon „etwas Besonderes“, dass der Solidaritätsgedanke, der mit der Gründung der Feuerwehr verbunden sei, so lange Zeit Bestand habe. Dass sich heute acht Frauen und 14 Jungfeuerwehrler im Alter ab 13 Jahren in den Reihen der Aktiven befinden, freut den Vorsitzenden besonders. Als „unbeschreiblich gut“ bezeichnet Krimplstötter das Miteinander bei den Einsätzen.
Zudem sei es schön, zu sehen, welch großen Zusammenhalt ein Team von Menschen im Alter von 13 bis über 90 Jahren in Willing pflege. Der Vorsitzende hat keinen Zweifel, dass dieser Zusammenhalt auch ein wesentlicher Erfolgsgarant für einen guten Verlauf der anstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten sein wird.
Ein erfolgreiches Fest wünscht auch Bürgermeister Stephan Schlier, der als Schirmherr fungiert, den Willinger Floriansjüngern. Zum Gottesdienst mit anschließendem Festzug durch den Ort werden Kameraden von insgesamt 36 Feuerwehren und Vertreter von elf Ortsvereinen erwartet. Sie bilden den Höhepunkt der Feierlichkeiten. Das Stadtoberhaupt hebt in seinem Grußwort zum Jubiläum vor allem auch den sehr guten Ausbildungsstand der Wehr hervor. Sie leiste „einen wertvollen und unermüdlichen Einsatz für die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Bürger.“ Darüber hinaus bewältige sie nicht nur ihre Kernaufgaben, sondern habe in Willing auch „eine keinesfalls zu unterschätzende gesellschaftliche Funktion als Dorfverein“, so Schlier.