Hobbygartler vor Herausforderungen

von Redaktion

Kreisfachberater Markus Breier gibt angesichts der Wetterkapriolen wertvolle Tipps

Traunstein – Gartenfreunde jubeln: Zurzeit herrscht richtiges „Wachswetter“. Der Boden ist nach den Regenfällen in der vergangenen Woche gut durchfeuchtet; die warmen Temperaturen fördern das Pflanzenwachstum. Dennoch ist auch bei diesen vermeintlich idealen Wetterbedingungen nicht alles Gold, was glänzt. Hobbygärtner sehen sich vor einige Herausforderungen gestellt, wie Markus Breier feststellt. Er ist Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Traunstein und rät Gartenfreunden, sich besonders um die Obstbäume intensiv zu kümmern.

Wechselhafte
Bedingungen

Grund für die Probleme ist das wechselhafte Wetter im Frühling, sagt Breier. Im Februar und März sei es im langjährigen Vergleich viel zu warm gewesen, sodass die Pflanzen so früh wie noch nie austrieben. Schon Ende Februar blühten mancherorts die Aprikosenbäume, Ende März die Kirsch- und Zwetschgenbäume, Anfang April die Birnen und Mitte April die Äpfel. Dann aber herrschte zwei Wochen nasskaltes Wetter mit Nachtfrösten. Viele Birnen und Äpfel wurden in voller Blüte „erwischt“. Nur gut, dass der meist wolkenbedeckte Himmel noch stärkeren Frost verhinderte.

Dennoch: Das Wetter hatte deutliche Auswirkungen auf Äpfel, Birnen, Zwetschgen und alle anderen Obstarten in den Gärten und Obstangern. Deutlich sichtbare Schäden haben vor allem Wein, Walnuss und Feigen erlitten. Triebspitzen oder Blätter sind braun und vertrocknet. Diese drei Fruchtarten vertragen Spätfröste ausgesprochen schlecht.

Größere Schäden gebe es heuer beim Kernobst, mancherorts tragen Birnbäume überhaupt keine Früchte. Das gelte an vielen Standorten – auch für die frühblühenden Apfelsorten. Hier sei das nasskalte Wetter mit leichtem Nachtfrost die Ursache.

Besser schaut es bei den später blühenden Apfelsorten und bei den Quitten aus. Bei denen hängen viele Früchte an den Bäumen. Aber wie heißt es so schön: Erst bei der Ernte weiß man, was man in der Hand hat.

Jeder Obstbaum kann mit seiner Blattmenge nur eine bestimmte Zahl an Früchten ernähren. Sind es mehr, bleiben sie klein und haben wenig Aroma; sind es wenige Früchte, dann werden sie meist übergroß. Die goldene Mitte ist gefragt. Deshalb sollte man den Fruchtbehang in guten Jahren reduzieren. Bei großen Obstbäumen ist das aussichtslos, bei den kleineren Spindel- und bei Spalierbäumen geht es gut. Fast immer hängen zu viele Früchte an den Zweigen. Das merkt auch der Baum und wirft einen Teil ab, meist aber viel zu wenig. Bei Äpfeln und Birnen sollte man pro Blütenbüschel nur die größte oder zwei kleinere Früchte hängen lassen.

Bei Zwetschgen verbleiben etwa 40 Stück pro laufendem Meter. Bei Mirabellen bis zu 80 Früchte. Auch Aprikosen und Pfirsiche sollt man ausdünnen. Entfernen sollte man kleingebliebenes, im Schatten hängendes und beschädigtes Obst, auch solches an zu schwachen Zweigen. Das Ausdünnen reduziert die jährlichen Schwankungen beim Ertrag, die sogenannte Alternanz. Die Fruchtausdünnung sollte spätestens jetzt erfolgen.

Die üblichen Krankheiten, welche die Obstbäume bei uns im Voralpenland befallen, sind auch heuer vielerorts anzutreffen. Spitzendürre (Monilia) tritt stellenweise und sortenbedingt auf bei Zwetschgen und Äpfeln. Und an den Kirschen sieht man schon wieder deutlich die Folgen der Schrotschusskrankheit. Der Fruchtbehang dürfte je nach Standort geringer ausfallen als in früheren Jahren oder ganz ausbleiben. Bei Birnen und Äpfeln sind die Schäden am größten, weil die Bäume in Vollblüte standen, als es fror. Offene Blüten sind sehr empfindlich und vertragen nur um die null Grad. Stellenweise gibt es bei Birnen einen Totalausfall.

Nicht genug mit den geschilderten Problemen, sind wie jedes Jahr auch die tierischen „Mitesser“ beteiligt, wenn es darum geht, Gartenfreunden das Leben schwer zu machen. Markus Breier: „Durch das anschließend warme Wetter sind einige Obstbäume heuer besonders voll mit Läusen. Jungbäume, die sehr gut mit Stickstoff versorgt sind und Bäume mit starkem Austrieb sind am anfälligsten. Sofern mit den Fingern (bei Jungbäumen) den Läusen nicht Abhilfe geschaffen werden kann, hilft ein harter Wasserstrahl.

Brennnesselbrühe
hilft gegen Läuse

Darüber hinaus hilft auch frisch angesetzte Brennnesselbrühe (einen Tag ziehen lassen) mehrfach im Abstand einiger Tage, bis die Läuse weg sind. Eine Bekämpfung ist nur bei jungen Bäumen sinnvoll, um ein Verdrehen der für den Kronenaufbau wichtigen Zweige zu verhindern. Meist übernehmen aber Nützlinge die Beseitigung. Beste Vorbeugung ist das Aufhängen von Nistkästen für Meisen, betont Breier.

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