Projektwoche gegen Rechtsextremismus

von Redaktion

Achtklässler der Wilhelm-Leibl-Realschule inszenieren Theaterstück

Bad Aibling – „Bildungsarbeit gegen Rechtsextremismus“ steht aktuell auf dem Stundenplan der fünf achten Klassen in der Wilhelm-Leibl-Realschule. Die rund 140 Schüler beschäftigen sich in einer Projektwoche mit diesem konfliktgeladenen Thema. In einem Schreiben der Schule an die Eltern wurde das Präventionsprojekt mit dem Titel „Kunstdünger – acht acht“ angekündigt.

Wie kontert
man Parolen?

In der Nachricht steht unter anderem: „Als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage steht die Wilhelm-Leibl-Realschule Bad Aibling in besonderem Maße für Demokratie und Toleranz. Wir sind davon überzeugt, dass die demokratische Bildungsarbeit den besten Schutz vor Extremismus bietet. Wir freuen uns daher sehr, dass wir die Projektwoche in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit durchführen können. Sie ist Teil des Handlungskonzepts gegen Rechtsextremismus der Bayerischen Staatsregierung.“

In diesem Handlungskonzept heißt es unter anderem: „Ohne Streit funktionieren weder private Beziehungen noch die Demokratie. Nur wer streitet, findet Lösungen und Auswege. Das gilt auch für die politische Auseinandersetzung.

Phänomene wie „Hate Speech“ gegenseitige Beschimpfungen in den Kommentar-Spalten und eine oft unversöhnliche Haltung in Diskussionen zeigen aber, dass es in der Auseinandersetzung um die richtige und beste Position Probleme gibt. Aber: Wie lässt sich ins Gespräch kommen, wenn die Positionen verhärtet sind? Womit kann man Parolen und falsche Behauptungen kontern?“

Die pädagogische Federführung für die Projektwoche hat Studienrätin Elisabeth Müller übernommen, die der erweiterten Schulleitung angehört. „Das Thema passt gut in unser Schulprofil. Wir wollen die Jugendlichen für das Thema fit machen und sensibilisieren, beispielsweise wie man jemandem entgegentritt und seine Meinung mit den richtigen Worten äußert“, erklärt sie und ergänzt: „Dazu gehört auch die Frage: Wie geraten die Jugendlichen in die Fänge dieser Extremisten?“ Eingebettet in die Projektwoche ist eine Theaterinszenierung, die sich mit diesem brisanten Thema beschäftigt. Unter der Anleitung des freischaffenden Theatermachers Jean-Francois Drozak arbeitet ein achtköpfiges Ensemble das Thema „Rechtsextremismus“ szenisch auf.

Ausgangspunkt der Handlung ist der Kontakt eines Schülers über Internetforen zu einer rechten Clique. Er darf zu ihren Unternehmungen mit, findet hier Freunde und fasst Vertrauen. Die Unterhaltungen werden zunehmend rassistischer, die Gruppenaktivitäten fordern von ihm Gewaltbereitschaft. Das junge Ensemble zeigt auf, wie Rechtsextreme stufenweise und mit subversiven Methoden Jugendliche für ihre Zwecke ideologisieren können.

Thema ist
aktueller denn je

Was am Anfang nach Freizeitspaß klingt, wird zunehmend politischer. Dies geschieht zumeist im Privaten, in cliquenähnlichen Gebilden oder online. In dem Schreiben der Schule heißt es: „Die Neue Rechte hat sich trotz der Aufarbeitung des NSU nicht zurückgezogen und findet mehr Anhänger als zuvor. Sie agiert heute erfolgreicher, differenziert und zielgruppenorientiert. Prävention gegen Rechtsextremismus ist aktueller denn je.“

In ganztägigen intensiven Proben mit oft mehrfacher Wiederholung der Szenen bereiten sich die drei Buben und vier Mädchen auf die Aufführung ihres Stückes vor, die am morgigen Freitag schulintern für die Achtklässler sowie für geladene Gäste in der Aula stattfindet.

Artikel 9 von 11