Bad Aibling – Zum Abschluss der Projektwoche gegen Rechtsextremismus „Kunstdünger – acht acht“ der 8. Klassen der Wilhelm-Leibl-Realschule (wir berichteten) stand die Theateraufführung. „Wir werden heute im Rahmen des Theaterstücks eine kraftvolle Auseinandersetzung mit einem ernsten und leider aktuellen Thema erleben: Dem Rechtsradikalismus“, mit diesen Worten eröffnete Realschuldirektor Matthias Wabner die Veranstaltung. Er führte weiter aus: „Wir möchten mit dem Theaterstück sensibilisieren und auf die Gefahren aufmerksam machen, die wir tagtäglich in sozialen Netzwerken, aber auch in alltäglichen Gesprächen beobachten können.“ Bad Aiblings Zweite Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz warnte mit Hinweis auf das vor 75 Jahren entstandene Grundgesetz vor den Gefahren und betonte: „Es ist wichtig, uns bewusst zu machen, was wir haben und was verloren gehen kann.“
Jean-Francois Drozak machte dem aus rund 140 Achtklässlern sowie Sozialpädagogen von verschiedenen Schulen des Landkreises bestehenden Publikum klar: „Sie werden bei der Aufführung strafrechtlich relevante Dinge erleben wie den Hitlergruß oder bestimmte Ausdrücke. Es handelt sich um ein Bühnenprojekt und das dient zur Warnung für euch.“
In einer Aneinanderreihung von Szenen, die auf dem Schulhof, im Fußballstadion, in einem Boxstudio und in einer Kneipe spielten, wurde auf beklemmende Weise vermittelt, wie eine rechte Clique den Schüler Franz zunehmend beeinflusst. Besonders das Boxtraining ließ die Strategie der Gruppe für die Radikalisierung erkennen: „Deckung, Tänzeln, Angriff.“ In der Kneipenszene werden die Töne und Attribute unter anderem mit dem Hitlergruß, der Beschimpfung als „Zeck“ und „rote Drecksau“ sowie „Ausländer raus“-Rufen dann rauer. Vergeblich redet Paul seinem Kindheitsfreund Franz ins Gewissen, doch der wurde längst von der Clique vereinnahmt. Erschüttert wendet Paul sich von seinem Freund ab, kann jedoch eine Mitschülerin noch rechtzeitig und erfolgreich warnen. Das aus Alyssa, Emilia, Luisa, Meryem, Noah, Simon, Zalan und Zoe bestehende Ensemble zeigte trotz der kurzen Probenzeit eine überzeugende Leistung und vermittelte in ergreifender und eindrucksvoller Weise die Stufen einer Radikalisierung. Das Publikum dankte den Bühnenakteuren mit kräftigem Beifall für die beeindruckende Aufführung. Lob und Anerkennung gab es vom Schulleiter Matthias Wabner und auch von Sozialpädagogin Eileen Hüsgen vom „Fachdienst Schule“ des Kreisjugendamtes. Sie würdigte: „Wir sind stolz auf euch und bewundern euren Mut, dieses Stück zu spielen. Das ist euch unglaublich gut gelungen.“
Einige Ensemblemitglieder schilderten ihre Eindrücke. Zoe bekannte: „Es hat uns Spaß gemacht, obwohl es uns schwergefallen ist, die Ausdrücke der rechten Szene zu verwenden. Wir möchten damit aber unsere Mitschüler sensibilisieren.“ Zalan erklärte: „Es war schwer, sich mit einem solch kritischen Thema auseinanderzusetzen. Aber es hat Spaß gemacht, mit der Gruppe das Stück aufzuführen.“ Emilia gestand: „Es war anstrengend, mit diesem schwierigen Thema klarzukommen. Das Gruppengefühl war aber toll.“