Bruckmühl – Sind die Planungen für ein neues Rathaus für die Marktgemeinde Bruckmühl, deren Verwaltung nach dem Abriss des alten Rathauses seit einigen Jahren in Räumlichkeiten der alten Wolldeckenfabrik untergebracht ist, nun endgültig Geschichte? Das könnte man zumindest aus einem Newsletter des Kolbermoorer Unternehmens „Werndl & Partner“ schließen, der jüngst per E-Mail verschickt worden ist.
Das Unternehmen, das die Räumlichkeiten an die Marktverwaltung vermietet hat, berichtet darin nämlich vom Abschluss eines neuen Mietvertrags, davon, dass damit eine „Zwischenlösung“ zur „endgültigen Lösung“ wird und zeigt sich erfreut über „das neue Rathaus“ in der „Oidn Woideckn“. Ob damit ein Rathaus-Neubau wirklich aus dem Spiel ist, ob sich das Einmieten für die Kommune auszahlt und wieso dennoch bald Baufirmen anrücken müssen, darüber hat Bruckmühls Bürgermeister mit dem Mangfall-Boten gesprochen.
Das Unternehmen „Werndl & Partner“ hat jüngst darüber informiert, dass die Marktgemeinde für die Räumlichkeiten in der „Wolldecke“ einen Mietvertrag über zehn Jahre unterzeichnet hat. Das Unternehmen spricht davon, dass eine „Zwischenlösung“ zur „endgültigen Lösung“ werde. Ist der Neubau, der im Rahmen eines Integrierten Städtebaulichen Konzepts (ISEK) geplant werden sollte, damit Geschichte?
Es besteht eine eindeutige Beschlusslage: Der Mietvertrag darf für zehn Jahre geschlossen werden. Gleichzeitig ist ein klares Votum des Marktgemeinderates vorhanden, am Standort Rathausplatz 4 wieder ein Rathaus zu erstellen. Der Rathaus-Neubau ist zwar im Gebiet des ISEK, hat aber mit der Städtebauförderung nur indirekt zu tun.
Kritiker könnten argumentieren, dass mieten in Hinblick auf eine jahrzehntelange Nutzung deutlich teurer kommt, als zu bauen. Was können Sie bei derartigen Einwänden erwidern?
Bei einem Blick in die freie Wirtschaft sieht man, dass beide Wege wirtschaftlich betrachtet werden können. Wir haben Betriebe und Unternehmen am Ort, die auf eigene Gebäude vertrauen, gleichzeitig gibt es namhafte Betriebe, die sich nicht mit dem Bau und Unterhalt von Immobilien auseinandersetzen wollen. Durch eine Planung und Vorarbeit ohne Zeitdruck und Zwänge ist eine bedarfsgerechte, auf die Zukunft ausgerichtete und wirtschaftliche Umsetzung des Rathaus-Neubaus ökonomischer, denn in Summe wird es wohl nicht teurer, als wenn wir in der Hochpreis-Situation unter Zeitdruck zu bauen begonnen hätten. Sollten wir das Rathaus schneller realisieren können, ist zudem eine Aufhebung des Mietverhältnisses binnen der zehn Jahre per Sonderkündigungsrecht vertraglich geregelt. Der Marktgemeinderat beabsichtigt nicht, dass eine Anmietung über „mehrere Jahrzehnte“ erfolgt. Insbesondere die jetzt vorhandene Zeit für Grundlagenermittlung, für die Auswahl vernünftiger Planer und Partner sowie für einen ausreichend bemessenen Bauzeitenplan werden uns Einsparungen generieren. Innerhalb der Verwaltung wird hier mit Nachdruck gearbeitet.
Können Sie Einblicke in die finanziellen Bedingungen des Mietvertrags gewähren?
Verträge setzen Vertraulichkeit voraus. Ich bitte dafür um Verständnis, kann aber versichern, dass wir uns in allen Belangen im Bereich des Ortsüblichen bewegen. Die Vertragspartnerschaft zwischen Markt Bruckmühl und „Werndl & Partner“ ist vorbildlich und zur Zufriedenheit beider Seiten.
Das Unternehmen „Werndl & Partner“ spricht über Umbauten, damit Rathaus und Bürgerbüro, die derzeit auf dem Areal noch in unterschiedlichen Gebäudekomplexen untergebracht sind, künftig „unter einem Dach“ zu finden sind. Was können Sie darüber verraten, wann soll es so weit sein?
Es gibt einen straffen Zeitplan für die Umbaumaßnahmen, die bereits begonnen haben. Umbauten sind jedoch etwas unkalkulierbarer als Neubauten. Ich persönlich gehe davon aus, dass wir vor der Sommerpause 2025 wieder die notwendige und jetzt schmerzlich vermisste räumliche Nähe aller Fachbereiche und der Mitarbeitenden haben werden.
Was sind die Nachteile der „Wolldecke“ gegenüber einem richtigen Rathaus, was die Vorteile?
Die derzeitige räumliche Trennung ist für Bürger und Mitarbeitende gleichermaßen ungünstig. Diese wird jedoch bald durch den Umzug behoben sein. Von daher ist der einzige Nachteil der Punkt „Eigentumsverhältnisse“. Die Verwaltung – und das ist das Wichtigste – ist gewohnt einsatzfähig und bereit, die Dienste für die Bürger effektiv zu erledigen. Auch die Lage ist verkehrsgünstig und damit das Rathaus für die Bürger gut erreichbar.
Wie definieren Sie persönlich ein „Rathaus“ und wieso ist die „Wolldecke“ daher genau das Richtige für Bruckmühl?
Ich halte ein Gebäude, in dem sämtliche Angebote der kommunalen Dienstleistungsverwaltung erreichbar sind, für absolut vorteilhaft. Gleich, ob zur Miete oder im eigenen Rathaus. Die Räume in der Wolldecke sind – bis zur Fertigstellung eines Rathaus-Neubaus – genau richtig für uns. Die zentrale Lage in der geografischen Mitte des Marktes, mit guter Verkehrsanbindung, beispielsweise per Rad, Kfz und Bahn, und in historischen Räumen mit entsprechendem Flair bieten gute Bedingungen. Außerdem ist es positiv, in ein aktives und lebendiges Gebiet als Teil eingebunden zu sein.
Ein Verbleib im Rathaus am Rathausplatz wäre kaum vertretbar gewesen: zu viele Kompromisse – insbesondere bei der Barrierefreiheit und dem gebotenen Datenschutz. Durch die in den Jahrzehnten notwendigen An- und Umbauten sowie die Personalmehrung – bedingt durch neue und zusätzliche Aufgaben – sind wir, als wir 2021 umgezogen sind, bereits aus allen Nähten geplatzt. Teilweise mussten sich mehrfach drei Mitarbeitende ein Büro teilen, das mit zwei Personen schon überbelegt war. Die Umsetzung der Baumaßnahme am Gebäude im laufenden Dienstbetrieb oder in daneben platzierten Büro-Pavillons hätte massive Belastungen und Abstriche im Bereich der Bürgerfreundlichkeit und der Mitarbeiterfürsorge bedeutet. Die Räume in der Wolldecke bieten die Qualitäten in Hinblick auf Bürgerfreundlichkeit und moderne, attraktive Arbeitsplätze. Daher der richtige Ort für die richtige Übergangszeit.
Die meisten Kommunen haben ein eigenes Rathaus. Werden Sie von Kollegen auch mal aufgezogen? Ist es in der Bruckmühler Bevölkerung noch ein Thema?
Selbstverständlich gibt es hier die üblichen Flachsereien. Erst, wenn wir Bürgermeister untereinander nicht mehr scherzen können, wird es für die Kommunen bedenklich. Einige Mitbürgerinnen und Mitbürger wünschen sich ein eigenes Rathaus, die meisten davon auch an der gewohnten Stelle am Rathausplatz. Dies wird mir gegenüber immer geäußert. Verschweigen will ich aber nicht, dass es auch etliche Stimmen gibt, die empfehlen, in der Wolldecke zu bleiben. So oder so: Das Rathaus ist noch in den Gedanken der Bürgerinnen und Bürger.
Angenommen, Sie müssten sich keine Gedanken über die Finanzen machen und könnten alleine über ein neues Rathaus für die Marktgemeinde entscheiden: Wo würde es stehen und wie würde es dann aussehen? Was wären die wichtigsten Punkte für einen Neubau?
Diese Frage stellt sich nicht. In der Kommunalpolitik macht man sich – im Gegensatz zu anderen Bereichen – immer Gedanken über die Finanzierbarkeit aller Maßnahmen. Effektivität und Effizienz sind die Leitlinien. Alle Entscheidungen in puncto Rathaus werden von und im Markgemeinderat beraten und nach sorgsamer Abwägung beschlossen. Die bisherigen Beschlüsse sind von einer breiten Mehrheit im Gremium getragen worden. Damit stehen 25 gewählte Mandatsträger gemeinsam in der Verantwortung – im besten Sinne für den Bürger agierend. Wichtige Punkte sind: Zentralität, Erreichbarkeit, Barrierefreiheit, Bürgerfreundlichkeit und ergonomische und attraktive Arbeitsplätze. Zusätzlich braucht es ausreichend Flächen, um auf die wachsenden Anforderungen der Kommune und die sich ständig ändernden Aufgabenstellungen angemessen und flexibel reagieren zu können.
Interview: Mathias Weinzierl