Kolbermoor – Ab jetzt ist sie für alle im Obergeschoss des Rathauses zu sehen: die Ausstellung „Geschmiedete Märchen, Sagen und Mythen“. „Erzählte Märchen kennt man natürlich“, sagte Bürgermeister Peter Kloo bei der offiziellen Eröffnung am Sonntagabend, „und seit Langem auch verfilmte. Aber Märchen, die von Hand aus einem Stück Stahl zum Leben erweckt wurden, sind schon noch einmal etwas ganz Besonderes.“ Zumal es sich um absolute Unikate handelt, alle erstellt von den Schweizer Teilnehmern der Kolbermoorer Schmiede-Biennale seit 2002.
Neugier bei Groß
und Klein wecken
Wer die Ausstellung mit Genuss und Gewinn anschauen will, sollte entweder ein gewisses Interesse an der Schmiedekunst mitbringen. „Oder aber Kinder und Enkel“, wie Peter Kloo meinte. Und das mit Recht, denn die Märchendarstellungen erwecken ganz sicher Neugier bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen: Welches Märchen verbirgt sich hinter den einzelnen Ausstellungsstücken, was ist dargestellt und warum?
Aufschluss darüber geben hervorragend aufbereitete Begleittexte zu jeder Schmiedearbeit. Über diese Texte ist auch zu erfahren, warum bei „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ alle Beteiligten aussehen, als hätten sie sich zu einem Kaffeekränzchen getroffen – von Mord und Auffressen weit und breit keine Spur. In anderen Ländern, etwa in Japan, wird die Geschichte viel fröhlicher erzählt und der Fuchs als sehr sympathischer Zeitgenosse geschildert.
Großes Interesse fand bei der Ausstellungseröffnung auch die Märchendarstellung von „Kasper, die Prinzessin und das kunterbunte Krokodil“. Denn hier wird besonders deutlich, wie filigran Schmiedekunst sein kann. Wenn man etwas länger davorsteht und sich überlegt, welche Schritte und wie viel vorausschauende Überlegungen notwendig waren, um aus einem Stück Stahlblech so viel zierliche Feinheit hervorzubringen, dann wird auch dem Laien klar: Schmieden ist ein Handwerk nicht nur der Kraft, sondern vor allem auch des Köpfchens. Auch bei dieser Arbeit lohnt es sich, den Begleittext zu lesen, der die Handlung des ursprünglichen Handpuppenspiels erklärt. Da wird nämlich deutlich, warum zu Prinzessin Marzipans Geburtstag am Ende auch noch ein kunterbuntes Krokodil willkommen war – dem Kasperl und den zuschauenden Kindern sei Dank. Es gilt zweifellos: Allen, die die Ausstellung besuchen, wird sie Lust machen auf die Biennale vom 1. bis 4. August. Denn hier wird auch dieses Jahr für die ganze Familie etwas geboten sein, nicht nur zum Zuschauen und Lernen rund ums Schmieden, sondern für die Kleinen auch zum selbst „Hand an den Hammer legen“.
Und natürlich werden die Schweizer Schmiede, die überdies in diesem Jahr das Gastland der Biennale sind, eine weitere sagenhafte Geschichte in Schmiedekunst verwandeln.