Bad Aibling – Das Geläut der Sebastianikirche im Herzen von Bad Aibling könnte bald wieder vollständig erklingen. Die Rückkehr der rund 500 Jahre alten Glocke, die wegen eines Schadens an der Aufhängung repariert werden musste, steht bevor.
Im Rahmen einer aufwendigen Aktion wurde sie am 14. März des Vorjahres mit- hilfe eines Spezialkrans aus dem Turm geholt. Auf 41,6 Meter musste der Kranfahrer den Ausleger seines Gefährts ausfahren, damit das rund drei Zentner schwere Bronzegebilde auf den Boden gebracht werden konnte.
Millimeterarbeit
über den Dächern
Das Vorhaben, bei dem Pfarrgemeinderat Xaver Gartmeier tatkräftig half, erwies sich als Millimeterarbeit über den Dächern der benachbarten Bebauung. Damit die Glocke überhaupt aus dem Turm gehievt werden konnte, musste zuvor dessen Schallluke etwas ausgestemmt werden.
Seit ein Sachverständiger einen Bruch des Henkels festgestellt hatte, der ihre Befestigung am Glockenstuhl sicherstellt, durfte die Glocke aus Sicherheitsgründen nicht mehr geläutet werden. Bei der Firma Lachenmeyer in Nördlingen, die deutschlandweit als einzige eine solche Dienstleistung anbietet, wurde der defekte Henkel nach Auskunft von Verbundkirchenpfleger Ludger Goedecke von der Stadtkirche Bad Aibling mittlerweile geschweißt. Er ist jetzt wieder uneingeschränkt tragfähig.
Mittlerweile befindet sich der Bronzeguss bei einer Passauer Fachfirma, die noch erforderliche Restarbeiten durchführt. Die Glocke wird beim Läuten künftig von einer neuen Elektronik gesteuert. „Die ist schonender als die bisherige und trägt hoffentlich dazu bei, dass das historische Stück möglichst lange vor weiteren Schäden verschont bleibt“, sagt der Kirchenpfleger.
Wie hoch die für die Reparatur anfallenden Kosten sein werden, dazu kann Goedecke noch keine Angaben machen. Im Vorjahr hatte eine erste Grobschätzung einen Finanzbedarf von rund 10000 Euro ergeben.
Einen Wunschtermin für die Komplettierung des Geläuts hat Goedecke bereits, wenngleich er dessen Einhaltung als „sehr unwahrscheinlich“ einstuft. „Am 25. Juli feiern wir mit einem Festgottesdienst den Abschluss des ersten Bauabschnitts der Innenrenovierung von Sankt Sebastian. Es wäre natürlich schön, wenn an diesem Tag bereits wieder alle Glocken läuten könnten“, sagt der Kirchenpfleger.
Während der mehrmonatigen Bauphase wurde das morsche Dachgebälk über der Sakristei erneuert. Aus Sicherheitsgründen fanden in dieser Zeit die üblichen Gottesdienste in der Kirche nicht statt. Eine Regelung, die jetzt wieder aufgehoben wird.
180000 Euro waren für diesen Teil der Renovierungsmaßnahmen veranschlagt. Eine Summe, die aufgrund von Preissteigerungen nicht ausreichend ist. Mit etwa zehn Prozent an Mehrkosten rechnet Goedecke und ist dennoch zufrieden. „Das liegt im üblichen Rahmen, wir sind wirklich gut weggekommen.“
Heuer keine
Baumaßnahmen mehr
Weitere Baumaßnahmen sind in diesem Jahr nicht mehr vorgesehen. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass im November eine neue Kirchenverwaltung gewählt wird und Goedecke aus Altersgründen seinen Platz räumt. „Das neue Gremium muss sich erst einmal einarbeiten. Wir wollen es da nicht gleich mit Planungen für einen zweiten Bauabschnitt belasten“, sagt der Kirchenpfleger.
Aufgrund dessen sieht sich auch der Förderverein zum Erhalt der Sebastianikirche, an dessen Spitze Altbürgermeister Felix Schwaller steht, im Moment nicht gefordert, über eine zweite Finanzspritze nachzudenken. „Da tut sich derzeit nichts“, sagt Schwaller. Für den ersten Bauabschnitt stellte der Verein eine Summe von 25000 Euro bereit.