Kolbermoor – Ins Rathaus eingeladen zu werden, um sich gründlich über ein Thema informieren zu können, ist gut. Viel besser ist es aber, wenn das Rathaus gewissermaßen zu einem kommt. Nicht direkt ins eigene Wohnzimmer, aber doch in das Quartier, in dem man wohnt.
Erster Besuch
des Jahres
Das ist die Idee, die hinter dem Format „Mobil vor Ort“ steckt, das es nun seit drei Jahren gibt. Der erste Besuch in diesem Jahr galt dem Bereich zwischen Schwimmbad und dem Seniorenheim in der Sepp-Straßberger-Straße. In diesem Areal wird nämlich der südliche Teil der sogenannten Fahrradhauptroute 1 verwirklicht werden, die insgesamt von der Wilhelm-Zerr-Straße zur oberen Mangfallstraße verlaufen wird.
Diese Fahrradhauptroute 1 ist ein Teil des Radverkehrskonzeptes der Stadt, das nach großer Bürgerbeteiligung im Jahr 2019 beschlossen wurde. So ein Beschluss ist eines, die Verwirklichung etwas anderes, denn im urbanen Raum eine neue „Mobilitätsart“ zu etablieren, ist nicht einfach, weshalb die Umsetzung nur Schritt für Schritt erfolgen kann: Die dafür notwendigen Grundstücke müssen erworben sein, das Ganze muss mit Auto- und Fußgängerverkehr harmonieren und – vor allem von den unmittelbaren Anwohnern akzeptiert werden.
Dass es dabei auch Kritik und Widerstände gibt, ist verständlich, meint Veronika Winkler, Mobilitätsmanagerin der Stadt. Allerdings zeige die Friedrich-Ebert-Straße – gewissermaßen das Pilotprojekt in Sachen Fahrradrouten – dass die meisten vorab geäußerten Befürchtungen sich nach der Verwirklichung schnell als unbegründet erweisen: Bei der Friedrich-Ebert-Straße sei die Resonanz aller – Anwohner wie Fahrradfahrer – eigentlich durchweg positiv.
Das liegt sicher auch an dem Bemühen der Stadt um eine gründliche Bürgerinformation in Sachen Fahrradrouten. Deshalb gab es bei der Fahrradroute 1 auch für alle Anlieger eine Bürgerinformation im Mareis-Saal. Und es handelte sich dabei nicht nur um eine „Pro-Forma-Anhörung“ der Bürger. Denn der dort geäußerte Vorschlag, einen Routenabschnitt, nämlich den auf der Heubergstraße, in die Breitensteinstraße zu verlegen, führte in der Folge zu einer weiteren Planungsarbeit, die derzeit kurz vor dem Abschluss steht. Ziel ist es, die Vor- und Nachteile einer Routenführung in der Breitensteinstraße zu ermitteln. Das Ergebnis wird den Bürgern in einer erneuten Bürgerversammlung vorgestellt werden.
Die jetzige Veranstaltung des Bürgerdialogs sollte aber schon vorab den Bürgern Gelegenheit geben, sich vor Ort ein Bild von den beiden Alternativrouten zu machen, dazu auch von einer Routenführung durch die Vdk-Siedlung. Diese war anfangs nicht mehr Gegenstand der Planung: zu aufwendig und damit zu teuer wäre die Anbindung an den Mangfalldamm und damit an die zukünftige Kanalbrücke. Jetzt, im Zuge der Suche nach Alternativstrecken zur Heubergstraße, wird auch sie wieder unter die Lupe genommen. Die Version in der Breitensteinstraße wiederum, das zeigte bei der Exkursion nicht nur Veronika Winkler auf, hätte durchaus Vorteile.
Auch Thomas Rothmayer vom Ordnungsamt wie auch Benjamin Nabel vom Bauamt befürworteten die Variante: der Verlust von Parkplätzen ist hier in der Tat, wie von den Bürgern angegeben, weniger folgenreich als in der Heubergstraße: In der Breitensteinstraße finden sich nämlich vorwiegend „kleinere“ Häuser, bei denen häufiger die Möglichkeit besteht, das Auto auf dem eigenen Grundstück unterzubringen. Ein weiteres Plus wäre, dass diese Strecke ein wichtiger Schulweg für die Adolph-Rasp-Schule wäre.
Suche nach
der Ideallinie
Warum die ursprüngliche Planung sich dennoch auf die Heubergstraße konzentrierte, kann Veronika Winkler ganz einfach beantworten: Weil man aufpassen muss, dass man nicht viel Aufwand und viel Geld in eine Fahrradroute steckt, um dann doch hinterher festzustellen, dass diese Schwierigkeiten mit der Akzeptanz der Fahrradfahrer hat. Die suchen immer nach dem schnellsten Weg, der Ideallinie, um von A nach B zu kommen. „Und um genau diesem Bedürfnis gerecht zu werden, hat man sich bei der Planung zunächst für die Heubergstraße entschieden“, so Mobilitätsmanagerin Veronika Winkler.