„Es sieht zum Heulen aus“

von Redaktion

Angehörige schockiert von verwilderten Bereichen auf dem Aiblinger Friedhof

Bad Aibling – Jüngst gab es sogar Lob für den Zustand, in dem sich der Aiblinger Friedhof jetzt befinde. Im Zuge der Diskussion über die Erhöhung der Friedhofsgebühren ab dem 1. Juli dieses Jahres. So hatte unter anderem ÜWG-Rat Rudi Gebhart angemerkt, es sei in der Vergangenheit viel geschimpft worden über den Zustand des Friedhofs, speziell, was das Unkraut angehe. Doch er sei der Meinung, dass Bad Aibling einen sehr schönen Friedhof habe, um den die Gärtner sich sehr bemühten.

„Von Grabpflege
keine Spur“

Doch wendeten sich nun Leser an das OVB, die das für den hinteren Bereich der Anlage nicht bestätigen können. Für Wolfram Müller aus Berlin war es sogar ein regelrechter Schock, als er auf dem Friedhof Bad Aibling die beiden Gräber seiner Eltern – wie alljährlich einmal – besuchen wollte, die sich auf einem Gräberfeld des Seniorenheims Haus Wittelsbach im hinteren Teil des Friedhofs befinden: „Die Gräber und alle vier ähnlich angelegten Gräberfelder waren total verwildert. Von Grabpflege keine Spur, das Gras circa einen Meter hoch. Es sieht zum Heulen aus.“

Mehrere hundert
Gräber betroffen

Objektiv betrachtet handle es sich um mehrere Hundert betroffene Gräber. „Ein derart großes verwildertes Gräberareal kann doch nicht im Sinne einer ordnungsgemäßen Friedhofskultur sein. Es ist eine sehr peinliche Situation“, sagt Wolfram Müller. Für ihn sei es „ein mieses Gefühl, meine Eltern in einem derart würdelosen Milieu in ihrer letzten Ruhe zu wissen.“ Und er ist nicht der Einzige. Auch die Familie von Markus Bergmann aus Bad Aibling hat seit gut einem halben Jahrhundert ein Familiengrab im hinteren Teil des Aiblinger Friedhofs.

„Seit vielen Jahren versuche ich durch Anrufe beim Friedhofsamt zu erreichen, dass der  Friedhof insbesondere in den hinteren Teilen besser gepflegt wird. Im vorderen Teil geht es ja offensichtlich.“

Bergmann betont, ihm sei es ausdrücklich wichtig zu erwähnen, „dass die Friedhofswärter/-pfleger ihr Möglichstes machen, aber offensichtlich nicht genug Unterstützung von der Stadt erhalten“. Er habe den Eindruck, es gebe auf dem Friedhof eine Zweiklassengesellschaft. „Ich sehe es schon in gewisser Weise als würdelos an, wie es im hinteren Teil aussieht.“ Auch der Bürgermeister habe sich in einem Gespräch für den Zustand entschuldigt und darauf verwiesen, dass man Glyphosat zur Bekämpfung von Unkraut nicht mehr verwenden dürfe.

Wunsch nach mehr
Würde im Andenken

Nun seien die Friedhofsgebühren um teilweise über 50 Prozent erhöht worden. „Ich hoffe für alle Familien, die ihre Gräber in den besagten Bereichen haben, dass endlich etwas mehr getan wird und das Andenken an die Verstorbenen würdevoller stattfindet“, sagt Bergmann. Allein daran, dass Glyphosat nicht mehr verwendet werden darf, liegt es seiner Meinung nach nicht, denn der vordere alte Teil sehe schließlich gepflegt aus. Sein Wunsch: „Auch im hinteren Teil des Friedhofs sollten endlich zum Beispiel Bäume gepflanzt, Kies aufgeschüttet, Unkraut regelmäßig entfernt, Heckenpflanzen neu gepflanzt und gepflegt werden.“

Auf Anfrage des OVB erklärt die Stadtverwaltung, dass die Pflege der Sektionen, in denen die Gräber von Wolfram Müllers Eltern liegen, leider aufgrund des Ablebens des langjährig damit Beauftragten längerfristig ausgefallen sei. Es wird aber versichert: „Dieser Zustand wird in Kürze behoben.“

Zu der von Bergmann genannten Erhöhung der Friedhofsgebühren zum 1. Juli heißt es, dass deren Kalkulation „auf vielen verschiedenen Faktoren“ beruhe, „sodass die Gebührenerhöhung nun nicht mit dem aktuellen gärtnerischen Zustand in den östlichen Sektionen moniert werden kann“.

Verwaltung sucht
nach „Optimierung“

Die Verwaltung betont, dass die Stadt Bad Aibling den Friedhof insbesondere den verstorbenen Gemeindemitgliedern „als würdige Ruhestätte und der Pflege ihres Andenkens“ biete. Die Pflege des Friedhofs nehme sehr viel Zeit in Anspruch und werde „von unseren Kollegen unerschöpflich vorgenommen“. Diese seien sehr bemüht, den Friedhof in einem gepflegten Zustand zu halten und auch weitere Gestaltungsmöglichkeiten auszuschöpfen. Ohne konkreter auf Maßnahmen einzugehen, heißt es auf OVB-Anfrage: „Auftretende Missstände und Unwohlsein von Bürgern bezüglich des städtischen Friedhofs bedauern wir zutiefst und wir versichern, stets an Optimierungsmöglichkeiten zu feilen.“

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