Bad Aibling – Man sieht ihr das Alter überhaupt nicht an, aber die „städtische Datenbank lügt nicht“: Heidi Benda feierte ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin zählt zweifellos zu den kommunalpolitischen Urgesteinen von Bad Aibling.
Sie erblickte im Hückelhovener Stadtteil Baal im nordrhein-westfälischen Landkreis Heinsberg, nahe der Grenze zu den Niederlanden, das Licht der Welt. Als ihr Vater – ein gebürtiger Aiblinger – 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam, kehrte die Familie in die Kurstadt zurück.
Nach ihrer Schulzeit in Bad Aibling und Rosenheim arbeitete sie zunächst als Verwaltungsangestellte im seinerzeitigen Landratsamt Bad Aibling. Danach besuchte sie die damalige „Städtische höhere Frauenfachschule“ in München und wurde dort zur Fachlehrerin für Hauswirtschaft ausgebildet.
Kurz nach ihrer Eheschließung mit ihrem Mann Peter 1970 wurde dieser zu seiner erstmaligen Festanstellung als Lehrer ins niederbayerische Griesbach versetzt. Nach ihrer Rückkehr nach Bad Aibling widmete sie sich der Familie, denn zum bereits geborenen Sohn kam noch eine Tochter hinzu, später zudem vier Enkelkinder. Von 1981 bis 1989 war sie als ehrenamtliche Geschäftsführerin der Volkshochschule Bad Aibling tätig. „Ich habe damals schon im Homeoffice gearbeitet, lange bevor es diesen Begriff gab – es gab damals schlichtweg kein Büro für diese Funktion“, erinnert sie sich schmunzelnd.
Schon in ihrer Kindheit begeisterte sie sich für das Lesen und mit ihrem Mann unternahm sie viele Reisen, unter anderem durch Europa und auch nach Südostasien. „Inzwischen beschränke ich mich mehr auf Städtereisen“, verrät sie im Gespräch mit dem Mangfall-Boten. Ein harter Schicksalsschlag ereilte sie dann im Jahr 2020 durch den Tod ihres Mannes.
Ihr ganz besonderes Hobby und eine Herzensangelegenheit war jahrzehntelang die Kommunalpolitik. 1990 wurde sie für die frühere „Grüne Offene Liste“ (GOL, heute Bündnis 90/Die Grünen) erstmals in den Aiblinger Stadtrat gewählt, dem sie sage und schreibe 30 Jahre lang ununterbrochen angehörte. Zur letzten Kommunalwahl 2020 trat sie nicht mehr an, sondern zog sich aus der aktiven Kommunalpolitik zurück.
Von 2008 bis 2014 übte sie das Amt der Zweiten Bürgermeisterin aus und vertrat den damaligen Bürgermeister, Felix Schwaller, bei vielen Terminen. Im Stadtrat gehörte sie dem Hauptverwaltungs- und dem Bauausschuss sowie weiteren Ausschüssen an und war von 2002 bis 2008 Referentin für Umweltschutz. „Schon von Jugend an habe ich mich für Politik interessiert. Meine Tätigkeit im Stadtrat war eine wahnsinnig interessante Zeit und ich habe Aibling auf eine Weise kennengelernt, die einem sonst nicht ermöglicht wird“, schildert sie. „Ich konnte an vielen Entscheidungen mitwirken und möchte die Zeit nicht missen.“
Ganz besonders hob sie die Neugestaltung der Innenstadt einschließlich des Rathauses und des Marienplatzes, das Verkehrskonzept mit der Beruhigung der Rosenheimer Straße und das Beleuchtungskonzept hervor. Sie erwähnt auch die im Jahr 2000 fertiggestellte Umgehungsstraße und gesteht: „Gegen dieses Projekt habe ich gekämpft, aber inzwischen muss ich zugeben: Was wären wir heute ohne sie.“ Im Stadtrat habe sie die Devise vertreten: „Man muss miteinander reden, nur gemeinsam kann man Lösungen finden.“
Eine Sache ist ihr in spezieller, wenngleich negativer Erinnerung geblieben: „Ich habe mich für die 1996 erfolgte Umbenennung der früheren General-Dietl-Straße eingesetzt und bekam neben positiven Resonanzen auch böse Anrufe und Drohbriefe.“ Sie hat sich damals nicht beirren lassen und ist bis heute der Meinung: „Bad Aibling ist eine Stadt, in der man sehr gut leben kann.“
Die Glückwünsche der Stadt zusammen mit Blumen und einem Restaurantgutschein überbrachte Bürgermeister Stephan Schlier, er wünschte dem Geburtstagskind „viel Glück, Gesundheit und Gottes Segen“ und fügte hinzu: „Frau Benda fehlt uns im Stadtrat, sie war immer aufgeschlossen für alle Themen.“
Auch ohne Stadtratsmandat wird der Jubilarin aber nicht langweilig: Sie ist Vorsitzende des Stadtbücherei-Fördervereins und in verschiedenen Vereinsfunktionen tätig, unter anderem als Mitglied der Fördervereine des EHC und der Rupert-Egenberger-Schule, des Musikfördervereins, des Historischen Vereins und seit über 40 Jahren des Kunstvereins.