Ostermünchen – Es begann mit ein paar Tierfreunden, die sich zusammenschlossen, um das Elend der Tiere zu mindern und sich für deren Schutz einzusetzen. Das war im April 1984: Sie gründeten die Interessengemeinschaft Mensch und Tier. Was daraus entstand, ist mit dem Tierheim in Ostermünchen nicht nur ein tolles Bauwerk, sondern eine Heimat für viele Tiere.
In den vergangenen vier Jahrzehnten hat der Verein durch den engagierten Einsatz vieler Menschen ein wunderbares Werk geschaffen. Entscheidend dafür ist neben dem Engagement vieler Tierfreunde auch die Konstanz in der Vorstandschaft. In den 40 Jahren gab es lediglich drei Erste Vorsitzende.
Grundstein legte
Hildegard Wimmer
Den Grundstein legte die unvergessene Hildegard Wimmer, die zusammen mit dem Zweiten Vorsitzenden Raimund Rauner den Verein anfangs leitete und das Grundstück in Ostermünchen erwarb. Durch Zuwendungen und Nachlässe konnten im Laufe der Zeit das Haupthaus und das Katzenhaus (2000) fertiggestellt werden. Aus Altersgründen trat Hildegard Wimmer 2010 zurück. In Wimmers Phase, als der Tierschutz noch nicht in aller Munde war, lag ein Schwerpunkt auch in der politischen Arbeit mit dem Ziel, den Tieren mehr Rechte zu geben.
Auf Wimmer folgte Sylvia König als Vorsitzende, unter deren Regie der noch unbebaute Teil des Grundstücks in Ostermünchen dank mehrerer Nachlässe mit einem Kleintierhaus, einer Kranken- und Quarantänestation und einem Hundehaus vervollständigt wurden. Verantwortungsvoll brachte sie Planung und Finanzierung über die Bühne.
Seit 2018 leitet nun Tilman Rieger die Geschicke des Tierheims. Er ist bereits seit Beginn der Planung und dem Bau der zusätzlichen Tierhäuser im Jahr 2010 intensiv am Vereinsgeschehen beteiligt und so kein Unbekannter. Als Bauleiter führte er durch die Bauphase und trug mit extrem viel eigenem Handwerk maßgeblich zum Gelingen bei. Nun agiert Rieger mit seinem Wissen und seiner Erfahrung als „Primus inter pares“ im Verein.
Absolute Tierliebe
als Voraussetzung
Seit 2018 stehen ihm zudem Hans Pringal (Dritter Vorsitzender) und Klaus Estner (Schatzmeister) zur Seite. Auch diese beiden haben während der Bauphase erhebliche Arbeitsleistungen erbracht. Am konstantesten aber war das Amt der Zweiten Vorsitzenden besetzt: Josefa Estner ist bereits seit 2004 im Amt.
Außer den Vereinsoberen hat sich über all die Jahre zusätzlich eine erfreulich große Zahl an Ehrenamtlichen in den Verein eingebracht und Hilfe geleistet. „Eine der Hauptvoraussetzungen der Mitarbeit ist absolute Tierliebe und die Bereitschaft, auch über die normalen Arbeitszeiten hinaus Dienst zu leisten“, betont Tilman Rieger. Nicht nur die Unterbringung an sich ist aus seiner Sicht von Wichtigkeit, auch die Betreuung der einzelnen Tiere. Gassigeher und Katzenstreichler sind so zu einem wichtigen Teil der Arbeit am Tier geworden. Denn nicht zuletzt steht auch der Mensch in Ostermünchen an vorderer Stelle. Der Grund: Tierschutz ist ohne Menschen nicht möglich, deshalb auch der Vereinsname „Interessengemeinschaft Mensch und Tier“.
Katzenhaus bis auf
letzten Platz belegt
Das Tierheim Ostermünchen ist im Laufe der Zeit zu einem Treffpunkt für Tierliebhaber geworden. So sieht der Verein auch positiv in die Zukunft. Seit Einführung des elektronischen Verwahrbuches für Tiere im Jahr 2009 wurden in Ostermünchen mehr als 4600 Tiere betreut. Die Basis bilden dabei 1100 Mitglieder und Unterstützer.
Aber natürlich ist auch im Tierheim in Ostermünchen nicht alles eitel Sonnenschein. Das Tierheim kämpft mit einer wahren Flut von Katzenwelpen. „Das ist kaum mehr zu bewältigen“, beklagt sich Rieger. Das Katzenhaus ist aktuell bis auf den letzten Platz belegt. „Ein dringend hilfsbedürftiges Tier nicht aufzunehmen, weil es an Platz oder Finanzen fehlt, kommt für uns aber nicht infrage“, betonte der rührige Vorsitzende der Interessengemeinschaft dennoch.
Deshalb drängt der engagierte Tierhelfer auf Unterstützung durch den Gesetzgeber. „Nur an den Symptomen zu arbeiten ändert nichts, die Ursache muss beseitigt werden“, fordert er. Und dazu brauche es eine Katzenschutzverordnung, wie es sie in anderen Bundesländern und Kommunen gebe. Rieger: „Die Realität muss endlich auch im Landkreis Rosenheim ankommen.“