Feldkirchen-Westerham – Im Rahmen der Festwoche anlässlich des 125-jährigen Gründungsjubiläums des Trachtenvereins „D’Mangfalltaler“ Westerham fand das traditionelle Kesselfleischessen mit Haberfeldtreiben statt. Das Zelt war sehr gut besucht und die Vagener Musik sorgte für beste Unterhaltung.
Plötzlich, mit Einbruch der Dunkelheit, wurden die Gäste von über 50 Männern in dunklen Lodenumhängen, mit langen Flachsbärten und Stopselhüten überrascht. Es waren die „Haberer“, die mit traditionellen Gerätschaften wie Sensen und Ratschn stumm durch das Zelt zur Bühne schritten. Plötzlich herrschte Stille im Zelt und eine gewisse Spannung und Erwartung lag in der Luft. Der Haberermeister grüßte zunächst alle Anwesenden und erklärte den Grund ihres Kommens, dann begann er die Aufzählung mit den Verfehlungen in der Gemeinde.
Einiges an Baumaßnahmen der Gemeinde wurde kritisiert, so zum Beispiel die optisch fragwürdige Wasserspeicher-„Wellblech-hütte“ in Aschbach. Der Haberermeister stellte die Frage, wie man einen der schönsten Plätze der Gemeinde so verschandeln konnte. Auch das endgültige Aus des Gasthofs Schäffler in Vagen wurde thematisiert. In dem geplanten Ersatzbau soll unter anderem ein Platz für die Dorfvereine entstehen. Die Haberer schlugen auch vor, einen Bereich für Apres-Ski-Partys zu reservieren, die durch den zukünftigen Skilift an der Wallner Alm dort stattfinden könnten. In ähnlichem Stil wurden noch einige weitere Fehltritte aus dem Gemeindebereich und der Umgebung vorgetragen.
Nach jedem genannten Vergehen bestätigten die Haberer den Haberermeister auf seine Frage: „Is wahr?“ mit einem lauten „Ja, wahr is“. Daraufhin entstand ein ohrenbetäubender Lärm, der jedes Mal durch Handzeichen des Haberermeisters und mit zwei Gewehrschüssen beendet wurde. Danach verschwanden die Haberer wieder genauso in der Dunkelheit, wie sie gekommen waren. Der ein oder andere mutmaßte noch beim Hinausgehen der Männer, ob er anhand der Größe oder Statur jemanden erkennen konnte, aber wer sich hinter den Haberern verbirgt ist ein gut gehütetes Geheimnis, und jeder ist zum Stillschweigen verpflichtet.
Der eindrucksvolle Auftritt begeisterte alle Anwesenden und die Haberer wurden bis zum letzten Mann aus dem Zelt geklatscht. Dieses Kesselfleischessen war zweifellos ein unvergessliches Erlebnis für alle Besucher.