Ostermünchen – „95 Jahre ist ein stolzes Alter“, meinte Bürgermeister Georg Weigl, als er Elisabeth Hölzl einen Tag nach ihrem Geburtstag in der Heubergstraße besuchte. Sogleich berichtete die Jubilarin stolz, dass sie am Tag zuvor mit Kindern, Enkel und Urenkel ihren Jubeltag gefeiert hatte.
Elisabeth Hölzl wurde am 4. August 1929 als drittes von sieben Kindern im ehemaligen Jugoslawien (Beschanija bei Semlin), einem Vorort von Belgrad, geboren. Es war eine glückliche Kindheit, die sie dort verbrachte, trotz Armut und viel Arbeit. Bis der Krieg sie zur Flucht zwang.
Mit dem Planwagen schaffte ihre Mutter mit sechs Kindern – das jüngste noch keine zwei Jahre alt, der Mann und der älteste Sohn waren im Krieg – die Flucht über Österreich nach Deutschland. „Ein einschneidendes Erlebnis“, fügte der Bürgermeister hinzu. Und leider auch heute noch ein Trauma.
Die Integration in Feichten an der Alz gelang ihnen gut. Im Jahre 1953 heiratete sie. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder, sieben Enkel und stolze zehn Urenkel hervor. Ihr Mann arbeitete seinerzeit als Krankenpfleger und verdiente nur wenig. Deshalb nähte Elisabeth Hölzl zu Hause für eine Modeschneiderei Dirndlkleider, damit sie ihr Eigenheim abzahlen konnten.
Als ihr Mann dann an Alzheimer erkrankte, pflegte sie ihn aufopferungsvoll bis zu seinem Tod im April 2020. Seit 2022 lebt sie nun in Ostermünchen bei ihrer Tochter. Bürgermeister Weigl fand es bewundernswert, dass sie es geschafft hat, bis ins hohe Alter im eigenen Haushalt zu leben. Mittlerweile hat die Jubilarin allerdings mit den Gebrechen des Alters zu kämpfen. Alleine in diesem Jahr hatte sie schon drei Stürze mit Knochenbrüchen. Daher ist das Leben ohne Hilfe nicht mehr einfach und auch die Vergesslichkeit erschwert das Ganze an manchen Tagen noch mehr.
Aber ihre Urenkel, vor allem die kleinsten, bereiten ihr täglich eine große Freude. Hinzu kommt, dass ihr jüngster Bruder, der einzige ihrer Geschwister, der noch lebt, keine 200 Kilometer von ihr entfernt wohnt. Das bedeutet Elisabeth Hölzl sehr viel.
Auch im hohen Alter von 95 Jahren will sie immer noch arbeiten. „Sonst ist mir langweilig“, bemerkte sie schmunzelnd. Deshalb macht sie täglich ihr Bett, bügelt im Sitzen und holt die Post ins Haus. Am liebsten aber beschäftigt sie sich mit den Urenkeln. Bei Sommerwetter dann meistens auch im Garten. Beim Abschied bemerkte Weigl: „Wir sehen uns dann beim 100. Geburtstag wieder“. ws