Lebensretter per „Klick-Algorithmus“

von Redaktion

Herzdruckmassage für Laien per Telefon – Bayernweites Projekt stammt aus der Region

Traunstein – Das Herz steht still und die Zeit läuft ab. „Ab drei Minuten beginnen die ersten Gehirnschäden“, sagt Joaquin Kersting, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) für Traunstein. Um die Lücke zwischen Notfall und dem Eintreffen des Rettungsdienstes zu schließen, „dafür gibt es die Telefonreanimation“, sagt Kersting. Seit über zehn Jahren wird dieses Verfahren angewendet, und es fand seinen Ursprung in Traunstein.

Projektarbeit der
Leitstelle Traunstein

„Das ist damals als Projektarbeit mit der Leitstelle Traunstein entstanden“, führt Kersting aus, „dann ist es eine bayernweite Arbeitsgruppe geworden, bei der dann auch die Traunsteiner noch maßgeblich beteiligt waren.“ Aus dieser Projektarbeit sei dann letztendlich die bayernweite Telefonreanimation entstanden. Setzt man einen Notruf ab, werde im Zuge der Telefonabfrage oder der Notrufbearbeitung jetzt „ein wissenschaftlicher Algorithmus zur angeleiteten Reanimation angewendet“, sagt Josef Gschwendner, Geschäftsführer der Integrierten Leitstelle (ILS) Traunstein.

Im Notfall komme ein „Klick-Algorithmus“ zum Einsatz, sagt Joaquin Kersting. „Die Basis ist eine animierte Power-Point-Präsentation, bei der der Disponent in der integrierten Leitstelle jeden einzelnen Schritt durchklickt.“

Zunächst werde am Telefon festgestellt, ob der Patient einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten habe. „Das sind die Grundvoraussetzungen.“ Am Telefon sei dies schwerer festzustellen als vor Ort, „aber wenn der Patient bewusstlos ist und nicht mehr atmet, dann geht man von einem Herz-Kreislauf-Stillstand aus“, sagt Kersting. Im zweiten Schritt werde der Anrufer angeleitet, wie er eine Herzdruckmassage durchzuführen habe, „also wie man den Patienten lagert, wo der Druckpunkt ist, wo die Drucktiefe ist, wie die Druckfrequenz ist.“ Die Telefonreanimation sei laut Kersting eine wortwörtliche Anleitung, die der Disponent nutzen könne, um sowohl den Herz-Kreislauf-Stillstand abzufragen als auch die Telefonreanimation durchzuführen. „Das hat sich bewährt“, sagt der ärztliche Leiter. „Hier geht es tatsächlich um eine komplette Laien-Reanimation, die von uns angeleitet wird“, sagt Josef Gschwendner. „Wenn ein Feuerwehrlehrer mit einem frischen Erste-Hilfe-Kurs vor Ort ist, der ist natürlich insofern befähigt, die Herz-Kreislauf-Reanimation durchzuführen.“

Im Schnitt würde durch die Telefonreanimation laut Kersting das „therapiefreie Intervall“ um sechs Minuten überbrückt werden. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes habe so ein Ersthelfer bereits Herzdruckmassage geleistet.

Verteilung auf
die Krankenhäuser

Durch das Online-Tool „Ivena eHealth“ werde seit März auch die Zuteilung auf die Krankenhäuser in der Region vereinfacht. Der Rettungsdienst könne die Zuweisung und die Anmeldung von Patienten in den Krankenhäusern übernehmen – wieder über „Klick-Algorithmus“. Nachdem Infos über den Patienten eingegeben werden, „wird dann das Krankenhaus oder werden die Krankenhäuser, die im Moment aufnahmebereit sind und die auch die Fähigkeiten haben, das Krankheitsbild zu behandeln, angezeigt“, sagt Kersting.

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