Bruckmühl – „So ein dimensioniertes Projekt kann man sich in der Landeshauptstadt München an der Dachauer Straße vorstellen, nicht aber bei uns in der Marktgemeinde“, diese plakative Sichtweise von SPD/PU-Rat Josef Staudt spiegelte die Gesamtstimmungslage des Bruckmühler Marktausschusses zum Tagesordnungspunkt „Tekturantrag für den Neubau von vier Mehrfamilienhäusern mit Tief- und einer Einzelgarage an der Pettenkoferstraße im Ortsteil Heufeld“ wider. Nach dem Austausch aller Pro- und Kontra-Argumente lehnte das Kommunalplenum den Antrag schließlich mit einem 11:0-Ergebnis ab.
Bisherige Planungen wurden erweitert
Markus Schwinghammer von der Bauverwaltung wies die Mandatsträger eingangs der Beratung noch einmal in Kurzform in die aktuelle Sachlage ein: Aus den bis dato genehmigten drei Mehrfamilienhäusern und einem Doppelhaus samt Tiefgarage und Parkplätzen (Juni 2022) sollen durch den vorliegenden Antrag vier Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage und Parkplätzen entstehen. Aus bisher genehmigten 17 Wohnungen sollen 28 werden, und der First soll von bisher 9,28 Meter um einen knappen Meter auf 10,1 Meter erhöht werden.
Ein Auto-Aufzug
für 43 Parkplätze
Damit ist auch eine Aufstockung der notwendigen Parkplätze von 34 auf 53 verbunden. Die Zu- und Ausfahrt zur Tiefgarage mit geplanten 43 Stellplätzen soll über einen Auto-Aufzug zur und von der Pettenkoferstraße erfolgen. Die restlichen zehn Stellplätze werden oberirdisch nachgewiesen. Nach Bewertung der unteren Bauaufsichtsbehörde des Landratsamtes Rosenheim fügt sich das geplante Bauvorhaben auch mit dieser neuen Planung in die Umgebung ein. Zudem kann das Thema Lärmgrenzwerte durch bauliche Maßnahmen an den Häusern gelöst werden.
Anna Wallner wollte an den alten Planungen festhalten. Sie sah massive Parkprobleme bei 28 Wohnungen mit über 40 Autos und nur einem Auto-Aufzug. „Autos wollen raus, Autos wollen rein, dazu der Lkw-Verkehr vom angrenzenden Gewerbegebiet, dann noch dazu Radfahrer. Wir müssen hier unbedingt ein ungewolltes Verkehrschaos verhindern“, votierte die CSU/PW-Rätin. Für sie war auch klar, dass aus naheliegenden Gründen nicht alle Autos immer in der Tiefgarage abgestellt werden. „Wo bleiben die dann bitte? Na klar, am Straßenrand.“ In dem Zusammenhang brachte sie auch noch das nicht zu unterschätzende Thema „Schulwegsicherheit“ zum benachbarten Schulgelände aufs Tablett.
Zu- und Abfahrt sei „sehr problematisch“
Für Fraktionskollege Harald Höschler gingen die Planungen „grundsätzlich in Ordnung“. Er stellte aber die Frage in den Raum: „Was ist, wenn der Auto-Aufzug ausfällt?“ Wolfgang Huber betrachtete das Projekt im Detail. Den Pkw-Aufzug bezeichnete er „als exotisch“. Bei einer Tiefgaragengröße in dieser Art sollten nach seiner baurechtlichen Recherche die Ein- und Ausfahrtsituationen getrennt sein, das heißt, „hier müsste es, wenn schon, dann eben zwei Pkw-Aufzüge geben“. Die Zu- und Abfahrtsituation zum Auto-Aufzug bewertete er aufgrund der notwendigen Wenderadien „als sehr problematisch“.
Stau befürchtet auf Pettenkoferstraße
Bei Rush-Hour-Zeiten rund um den Pkw-Aufzug prognostizierte er Stausituationen auf der Pettenkoferstraße. Auch bemängelte er das Fehlen von Kellerräumen für die Wohnungsinhaber sowie einen nachvollziehbaren und vor allem praktikablen zweiten Rettungsweg aus der Tiefgarage. Unverständlich war für den Grünen-Rat die Nichtexistenz eines Brandschutz- und Lüftungskonzeptes. „In der Gesamtbetrachtung geht das gar nicht, die Planungen sind nicht zu Ende gedacht“, lautete sein Fazit.
Für SPD/PU-Rat Josef Staudt war der Bauantrag schlichtweg überdimensioniert und am komplett falschen Platz. Die Meinung der Sitzungsteilnehmer brachte er abschließend auf den Punkt: „So hier nicht.“