Friedhof-Kritik stößt Stadt sauer auf

von Redaktion

Dass ein großer Teil des Aiblinger Friedhofs sehr gepflegt und würdevoll aussieht, darin ist man sich in der Öffentlichkeit einig, darauf sind Stadt und Bauhof stolz. Richtig sauer stößt den Verantwortlichen die Kritik am östlichen Bereich auf. Das führte letztlich doch zu einem zunächst vergebens angefragten Ortstermin.

Bad Aibling – Auf Lob im Stadtrat folgte Kritik aus der Bevölkerung – und daraufhin Ärger im Rathaus und Bauhof. Es geht um den Bad Aiblinger Friedhof. Dessen gepflegten und ordentlichen Zustand sowie die unermüdlichen Bemühungen der Friedhofsgärtner hatte ÜWG-Stadtrat Rudi Gebhart im Zuge der Beratung über die Anpassung der Friedhofsgebühren lobend hervorgehoben. Dies sei ihm ein Anliegen, nachdem in der Vergangenheit aus Teilen der Bevölkerung immer wieder einmal wucherndes Unkraut und Weg-Unebenheiten in einigen Bereichen moniert worden waren.

Kritik am
östlichen Bereich

Was den „vorderen Teil“ angeht, stimmten ihm Leser, die sich in der Redaktion des Mangfall-Boten meldeten, auch zu. Zeigten sich aber unabhängig voneinander empört, teils „entsetzt“ über Bereiche im hinteren Teil und machten ihrem Unmut kräftig Luft. Hier ging es unter anderem um Gräberfelder im östlichen Bereich, in denen das Gras zum Teil bis zu einem Meter hoch wucherte. Ein Mann aus Berlin, der dort die Gräber seiner Eltern besuchte, zeigte sich „regelrecht schockiert“ und schrieb: „Es sieht zum Heulen aus. Es ist eine sehr peinliche Situation“ und es sei ein „mieses Gefühl, meine Eltern in derart würdelosem Milieu in ihrer letzten Ruhe zu wissen.“ Ein weiterer Bürger hatte es „schon in gewisser Weise als würdelos“ bezeichnet, „wie es im hinteren Teil aussieht“. Wobei er ausdrücklich erwähnte, dass „die Friedhofswärter/-pfleger ihr Möglichstes machen, aber offensichtlich nicht genug Unterstützung von der Stadt erhalten.“ Auch sprach er von dem Eindruck, dass es auf dem Friedhof eine Zweiklassengesellschaft gebe. Schließlich sei der vordere Teil des Friedhofs durchaus gepflegt.

Auf Nachfrage des Mangfall-Boten erklärte die Stadtverwaltung damals im Juni, dass die Pflege der beanstandeten Sektionen aufgrund des Ablebens des langjährig damit Beauftragten längerfristig ausgeblieben sei, dieser Zustand jedoch in Kürze behoben werde. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass die Pflege des Friedhofs sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und von den Mitarbeitern unerschöpflich vorgenommen werde. Auftretende Missstände und Unwohlsein von Bürgern bezüglich des Friedhofs bedauere man zutiefst und man versichere, „stets an Optimierungsmöglichkeiten zu feilen.“

Einige Fragen
blieben offen

Weitere Nachfragen bezüglich der Herausforderungen des Personals durch die Unkrautproblematik seit des Glyphosatverbots und der personellen Ausstattung, genauere Informationen über die Zuständigkeit für die betreffenden Gräbersektionen sowie die Bitte um einen Vor-Ort-Termin mit den zuständigen Mitarbeitern der Stadt, um auch deren Sicht zu schildern, blieben leider bis zur Veröffentlichung des Beitrags Anfang Juli unbeantwortet.

Diese Antworten gab es erst später – bei einem gemeinsamen Termin mit Bürgermeister Stephan Schlier, den Leitern des Bauhofs Josef Feuersinger und Andreas Arnold, Annette Thielmann von der Friedhofsverwaltung, Lisa Vogl (Öffentlichkeitsarbeit) und Stadtrat Rudi Gebhart, die sich allesamt gegen die Darstellung der Situation verwehrten.

Wie Schlier betont, hätten die Stadtverwaltung und der Bauhof den „Zustand des Friedhofs bereits in den letzten Wochen intensiv überprüft und notwendige Arbeiten zur Instandsetzung und Pflege wurden durchgeführt.“ Vor allem wurde – erst bei dieser Gelegenheit – mitgeteilt, dass die Pflege der beanstandeten Gräberfelder gar nicht in der Zuständigkeit der Stadt Bad Aibling liege, sondern bei einer örtlichen Einrichtung, deren Verstorbenen dort bestattet werden. Diese Organisation habe man auf den Missstand hingewiesen und aufgefordert, diesen zu beheben. Das sei vor einiger Zeit nun geschehen.

Was das Entfernen des Unkrauts angehe, so sei hier nun eine Fremdfirma mit dessen Bekämpfung beauftragt. Zwei von vier Gängen seien mittlerweile durchgeführt. Zudem habe man sich auch mit anderen Kommunen ausgetauscht – „schließlich ist diese Thematik kein alleiniges Aiblinger Problem“ – und werde nun einen Versuch mit einem Gerät unternehmen, das beispielsweise in Kolbermoor schon erfolgreich eingesetzt werde.

In der jüngst verabschiedeten Friedhofssatzung ist ferner festgehalten, dass „Nutzungsberechtigte“ der Gräber auch für die Pflege der Fläche von 30 Zentimeter rund um das Grab herum verantwortlich sind und demzufolge dort auch Unkraut und Wildwuchs entfernen müssen.

Schrittweise
Veränderungen

Schlier deutet auch auf die Grünflächen in der Anlage. Diese würden umfassend gemäht und gepflegt. Man habe aber auch darüber beraten, wie man den Friedhof verändern könnte, damit Unterhalt und Pflege weniger intensiv seien. So würden beispielsweise im hinteren Bereich des Friedhofs generell keine Grabstellen mehr vergeben und so im Laufe der Zeit weitere Grünflächen geschaffen. Im Gegenzug werden die freigewordenen Plätze im vorderen Bereich neu zur Verfügung gestellt. Aber: „Solche Veränderungen brauchen auch Zeit. Sie erfolgen abschnittsweise.“

„Stolz auf Arbeit
und Leistung“

Bauhofleiter Josef Feuersinger stellt sich hinter seine Mannschaft und betont: „Die Pflege und Instandhaltung des Friedhofs haben für uns höchste Priorität. Wir haben in den letzten Wochen intensiv gearbeitet, um die Anlagen in einem würdigen und gepflegten Zustand zu halten.“ Mit Blick auf die vergangenen Wochen erklärt er: „Die jüngsten Maßnahmen sind abgeschlossen und ich bin stolz auf die geleistete Arbeit meines Teams.“

Auch Bürgermeister Schlier stellt sich stellvertretend für die Verwaltung ebenfalls „hinter den engagierten Einsatz unseres Bauhofs“ und verspricht, man werde „weiterhin für einen würdevollen Friedhof sorgen.“

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