Bad Feilnbach – Ein Notfall in den Bergen oder in schwer zugänglichem Gelände – nach einem Notruf bei der 112 rückt die Rettung schnell aus. In Bayern sorgen dafür mehr als 3500 ehrenamtliche Bergretterinnen und Bergretter in 108 Bereitschaften, darunter auch die Bergwacht Bad Feilnbach. Wie viel Zeit diese Freiwilligen investieren, wie sich ihre Arbeit verändert hat und was sie dazu antreibt, anderen ehrenamtlich zu helfen, erläuterte Bereitschaftsleiter Matthias Eggersberger im Gespräch mit dem Mangfall-Boten.
35 bis 40
Einsätze pro Jahr
Zu Beginn lobt Eggersberger das Verhalten der Wanderer und Bergfreunde im Gebiet der Bad Feilnbacher Bergwacht. Einsätze, die aufgrund von Leichtsinn, ungeeignetem Schuhwerk oder gefährlichen Selfies notwendig werden, seien selten. „Im Großen und Ganzen sind die Wanderer, die bei uns unterwegs sind, recht vernünftig“, berichtet der 42-Jährige. Auch die Anzahl der Einsätze bleibe konstant, eine starke Veränderung nach oben oder unten konnte er nicht feststellen: „Im Jahr werden wir zu etwa 35 bis 40 Einsätzen gerufen“, erklärt er.
Dennoch habe sich die Art der Einsätze über die Jahre gewandelt. Neben klassischen Bergrettungen kommen die Ehrenamtlichen immer öfter in sogenannten „Mischgebieten“ zum Einsatz, in denen die Landrettung, also per Rettungswagen erschwert ist. Dazu zählen Unfälle bei Forstarbeiten, Reitunfälle oder auch Suchaktionen nach vermissten Personen.
Besonders im Gedächtnis geblieben sei das Hochwasser im Juni dieses Jahres. „Wir waren stark gefordert, als Bad Feilnbach zeitweise nicht mehr von außen erreichbar war“, berichtet Eggersberger. Die Bergwacht übernahm in dieser Zeit die Aufgaben des Rettungsdienstes und wurde in zweieinhalb Stunden zu sechs Einsätzen gerufen, zudem leistete sie den Feuerwehren wertvolle Unterstützung. Um für die unterschiedlichsten Situationen gewappnet zu sein, brauchen die Ehrenamtlichen eine umfassende Ausbildung. „Die Grundausbildung dauert drei bis fünf Jahre und endet mit der Bergwachtprüfung“, erklärt Eggersberger. Neben Sommer- und Wintereignungstests müssen die Freiwilligen auch eine Grundausbildung in der Winter- und Sommerrettung jeweils mit einer Prüfung abschließen. Darüber hinaus müsse auch eine Grundausbildung in der Notfallmedizin, in der Luftrettung und im Naturschutz absolviert und mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Um ihr Wissen zu erweitern und zu vertiefen, gibt es zahlreiche Zusatz- und Spezialausbildungen, wie etwa für die Einsatzleitung in verschiedenen Szenarien, Höhlenrettung oder Lawinenhundeführer.
24-Stunden-Schicht einmal im Monat
Jeweils freitags werden bei den Übungen verschiedenste Themen und Szenarien in Theorie und Praxis geübt. „Jedes unserer Mitglieder hat etwa einmal im Monat eine 24-Stunden-Bereitschaft“, erläutert Eggersberger. Dass die „Feilnbegga Bergwachtler“ ihr Ehrenamt mit viel Herzblut betreiben, wird spätestens dann deutlich, wenn ihr Bereitschaftsleiter von den Umbauarbeiten im Bergwachthaus erzählt. Dort wird aktuell renoviert, Elektro- und Wasserleitungen werden neu verlegt – alles in Eigenleistung der Mitglieder, denn Zuschüsse von staatlichen Stellen gibt es so gut wie keine. „Ohne die Spender und unsere Förderer wäre das alles nicht möglich“, so Eggersberger.
Sorgen um den Nachwuchs müsse man sich nicht machen. Aktuell würden auch keine neuen Jugendlichen mehr aufgenommen. „Ja, wir haben im Moment einen Aufnahmestopp“, bestätigt Eggersberger. Denn eine fundierte Ausbildung sei nur mit einer überschaubaren Anzahl an Jugendlichen gewährleistet.
Auf die Frage, was ihn und seine Kameraden trotz der hohen Zeitinvestition für die Bergwacht brennen lasse, nennt der eingefleischte Bergwachtler gleich einige Gründe: „Es ist die Freude am Helfen, die gute Kameradschaft und die Nähe zur Natur und den Bergen. Außerdem haben wir das Privileg, dass wir in einem so guten Umfeld leben dürfen und selbst so gut im Leben stehen, dass wir auch anderen Leuten helfen können“, so Eggersberger.