Bruckmühl – Den vierten Teil der von den Juroren kuratierten Ausstellungsserie im Jubiläumsjahr der „Galerie Markt Bruckmühl“ bildet die Ausstellung „Farbe ohne Titel – Doris Hahlweg mit Ingrid Floss, Jon Groom, Marcia Haff, Phil Sims und Uli Zwerenz“. Kulturreferent Stefan Mager eröffnete die gut besuchte Vernissage.
„Doris Hahlweg, eine Meisterin der Farbe, hat sich als eine herausragende Vertreterin der zeitgenössischen Malerei etabliert. Ihre Kunst zeichnet sich durch eine einzigartige Herangehensweise an Farbe und Form aus“, betonte er.
Die Zusammenstellung der Ausstellung ermögliche es, ihre Kunst in einem breiteren Kontext zu betrachten und spannende Dialoge zwischen den verschiedenen künstlerischen Positionen zu entdecken.
Die Einführungsrede hielt der Theologe, Kunsthistoriker und Kirchenmaler Dr. Ulrich Schäfert, der eingangs auf die Pigmente als Grundbestandteil von Farbe hinwies und auch eine Sammlung davon als „Anschauungsmaterial“ mitgebracht hatte. „Die kleinen Farbkörper haben mikroskopisch facettenreiche Oberflächen und brechen das Licht vielfältig und lebendig.“ Dazu zitierte er eine Aussage von Vincent van Gogh: „In den Farben sind verborgene Dinge von Harmonie oder Kontrast, Dinge, die durch sich selber wirken und die man durch kein anderes Medium ausdrücken kann.“
Anschließend beschrieb er die Laufbahnen der Künstlerinnen und Künstler und ging auf ihre Arbeitsweisen ein. „Ihre Malerei entwickelt Doris Hahlweg auf Aluminium-Wellenverbundplatten, ein harter Untergrund, auf dem die Farben sehr unmittelbar wirken. Aktuell baut sie die Reflexion des Untergrundes zum Teil mit ein, wobei der schimmernde und reflektierende Bildgrund mit in die Erscheinung der Malerei einbezogen wird.“
Jon Groom variiere in seinen Bildern meditativ ausschließlich die Form des Rechtecks. Diese würden streng geometrisch ineinander geschachtelt. Doch trotz dieser formalen Strenge vibrieren seine Bilder, die in der Tradition von Farbfeldmalerei, Minimalismus und Spiritualität stehen, als Farbkörper. Groom arbeitet direkt auf der Wand, in Öl auf Leinwand und in Aquarell.
„Bei Uli Zwerenz merkt man, dass er auch von der Zeichnung kommt, Linien und Strukturen fügen sich in die Malerei ein. Bei diesem Vorgang führt die menschliche Psychologie auch zu gegenständlichen Assoziationen. Diese Assoziationen gibt es beim Betrachter und beim Künstler. Sobald Uli Zwerenz solche Assoziationen in seinem Bild entdeckt, wird diese Partie wieder übermalt. Das Bild soll offenbleiben, das ‚Dazwischen‘ soll ausgelotet werden.“
Ebenso wie die Bilder ihrer Kollegen tragen auch die ausgestellten Werke von Ingrid Floss keine Titel. „Ihr Zugang zur Malerei ereignet sich auf einer oft offenporigen hellen Grundierung, die bereits als erste Malschicht fungiert. Ihre Arbeiten sind im Kreis der ausgestellten Werke wohl am ehesten auch als ‚gestisch‘ zu bezeichnen. Zuallererst aber ist es ein Ausponderieren von leuchtenden Farbflecken in komplementären Kontrasten und lebensvoll geformten Pinselbahnen“, so der Kunstexperte.
Ergänzt werden die genannten Positionen von Werken der amerikanischen Künstler Marcia Hafif und Phil Sims. Sie sind Vertreter der amerikanischen „radical painting group“. „Das Sehen, das gründliche und genaue Hinschauen wird durch ihre Kunst in besonderer Weise herausgefordert“, schilderte der Redner abschließend.
Die Ausstellung mit ihren 61 Exponaten ist in der „Galerie Markt Bruckmühl“ noch bis zum 13. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: sind Mittwoch 14 bis 18 Uhr und Samstag/Sonntag von 11 bis 18 Uhr. bjn