Bruckmühl feiert Markterhebung

von Redaktion

60 Jahre wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt – Festakt in der Kulturmühle

Bruckmühl – Als Bürgermeister Johann Scheibmeier 1964 die Festversammlung anlässlich der Markterhebung begrüßte, hatte Bruckmühl 7329 Einwohner, bestand aus 14 Ortschaften, umfasste eine Fläche von rund 2650 Hektar und entrichtetet eine Kreisumlage in Höhe von 320000 D-Mark. Mittlerweile leistet der Wirtschaftsstandort eine Kreisumlage von knapp 13 Millionen. Heute besteht die Kommune aus 45 Orten/Ortsteilen mit mehr als 18000 Einwohner.

Halt und Zuverlässigkeit

„Jetzt sind wir 60 Jahre alt als Markt. In einer, an Dynamik übersteigernden Zeit, mit Nachrichten im Sekundentakt, deren Haltbarkeitswert kaum noch messbar ist, muten die 60 Jahre Bestand bereits wie eine halbe Ewigkeit an. Gleichzeitig gibt diese Beständigkeit, welche die Kommunen, ihre Vereine und Organisationen über Jahrzehnte bieten, ein beruhigendes Gefühl von Zuverlässigkeit, Halt und Orientierung“, so Bürgermeister Richard Richter.

Der Titel Markt, der am 29. September 1964 der Gemeinde Bruckmühl verliehen wurde, war ein Ausdruck einer gestiegenen Bedeutung in der Region westlicher Landkreis Rosenheim, damals Landkreis Bad Aibling, und für die Bevölkerung. Wenn man so will, ein Qualitätsmerkmal, dass man sich erarbeitet und errungen hatte.

Heute ist Bruckmühl eine moderne Marktgemeinde und mit dem 2023 eröffneten Bürger- und Kulturhaus „Kulturmühle“ ein kultureller Hotspot.

In Bruckmühl zeigt sich beispielhaft ein Stück deutscher Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Der landwirtschaftlich strukturierte Kulturraum wandelte sich schon Ende des 19. Jahrhunderts in ein Industriegebiet. Alteingesessene Bauernfamilien begegneten arbeitssuchenden Menschen aus Württemberg, Niederbayern, Österreich und dem Bayerischen Wald.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg trafen verschiedenste Menschengruppen hier im Mangfalltal zusammen und wurden bald zu wichtigen Partnern beim Aufbau in der Nachkriegszeit. Das Jahr 1857 brachte die große Wende. Mit der Eröffnung der Maximiliansbahn München – Holzkirchen – Bruckmühl – Rosenheim – Kufstein/Salzburg hielt die Neuzeit Einzug ins Mangfalltal.

Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung war neben der Bahn auch die Wasserkraft durch den Triftbach. Die erste Fabrik, die in der Gegend gebaut wurde, war die Chemische Fabrik in Heufeld im Jahr 1858, die heutige Firma Clariant (Deutschland) GmbH. Nicht nur in Bruckmühl, sondern auch in Heufeld gab es einen Müller. 1898 wurde die Mühle an die Loden- und Wolldeckenfabrik Pasing verkauft. 1904 erwarb die Bayerische Wolldeckenfabrik Weiler, Bauer und Co. das Werk, ab 1913 hieß es Bayerische Wolldeckenfabrik Bruckmühl. Sie wurde zum größten Industriebetrieb in der Gemeinde; über 800 Menschen fanden nach dem Zweiten Weltkrieg dort Arbeit. Die gute Entwicklung der Fabrik trug entscheidend zum Wachstum Bruckmühls bei. 1983 musste das Werk geschlossen werden.

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Fabrikgelände ein moderner Gewerbepark mit attraktiven kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Bei der Mühle zu Bruck wurde 1868 ein Sägewerk gebaut, das nach fast 100 Jahren im Jahre 1967 an die Firma Salus-Haus veräußert wurde. Schon um 1900 war Bruckmühl also ein aufsteigender Industrieort. Durch großzügige Siedlungsbauten der Industrieunternehmen wurden viele Arbeiter mit ihren Familien sesshaft gemacht. Es entstanden neue Wohnsiedlungen, zum Beispiel in Waldheim ab 1925. Man erbaute Gaststätten, Bahnhof, Postamt, Schulen und ein Krankenhaus. Am 1. Oktober 1938 wurde der Ortsteil Bruckmühls, der rechts der Mangfall lag und zur Gemeinde Götting gehörte, der Gemeinde Kirchdorf eingegliedert. Der Zweite Weltkrieg brachte große Veränderungen in der Gemeinde. Fast 2000 Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Ausgebombte kamen in den Nachkriegsjahren. Sie mussten untergebracht und wirtschaftlich eingegliedert werden. Das waren große Probleme für die Verantwortlichen. Vor allem der Wohnraum fehlte.

Neue Siedlungen
in kurzer Zeit

Durch den Fleiß der Vertriebenen und Einheimischen entstanden in kurzer Zeit neue Siedlungen in der Vagener Au, in der Madau und in Hinrichssegen. Um 1950 wurden in Hinrichssegen eine Tuchfabrik und eine Arbeitersiedlung errichtet. Später übernahm die Firma Fritzmeier die Fabrikgebäude; sie stellt dort heute Kunststofferzeugnisse her.

Die Bedeutung der wachsenden Gemeinde als wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt wurde vom
Bayerischen Staatsministerium des Innern dadurch gewürdigt, dass man der Gemeinde am 29. September 1964 die Bezeichnung „Markt“ verlieh.

Am 1. Januar 1975 schloss sich die Gemeinde Holzham freiwillig dem Markt Bruckmühl an. Die Gemeinde Götting wurde am 1. Mai 1978 im Zuge der Gebietsreform eingegliedert. re

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