Ein Leben voller Zufälle

von Redaktion

Hans Böhm feiert mit zahlreichen Gratulanten seinen 95. Geburtstag

Bad Aibling – Geistig fit feierte Hans Böhm vor Kurzem im Kreise der Familie seinen 95. Geburtstag. Neben den Söhnen Michael und Thomas und deren Familien, Enkeln und den beiden Urenkeln sowie Hund „Arkani“ gratulierten auch viele Freunde, Bekannte und Nachbarn. Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier nutzte die Gelegenheit, dem ehemaligen Amtsinspektor am Amtsgericht Bad Aibling persönlich die Gratulationswünsche im Namen der Kurstadt zu überbringen. Der innige Wunsch des rüstigen Jubilars ist es, die verbleibende Zeit im fortgeschrittenen hohen Alter gesund erleben zu dürfen.

Er erblickte am 7. September 1929 in Neustadt in Oberschlesien, dem heutigen Prudnik in Polen, als ältestes von acht Kindern das Licht der Welt. Prägend waren für die Familie die Zeit des Nationalsozialismus, die Kriegsjahre sowie der 17. März 1945, an dem sie aus der Heimat vertrieben wurden, die Hans Böhm bis heute im Herzen trägt. Die Flucht mit einer Zugfahrt ins Ungewisse endete drei Wochen später eingepfercht in einem Viehwaggon auf dem Bahnhof in Bad Aibling. Der Jubilar wertete den Halt als vorgezeichneten Zufall und Schicksal für einen Neuanfang in einer ungewissen Umgebung. Für viele seiner Landsleute waren Bahnhöfe wie Bruckmühl, Heufeld, Kolbermoor, Rosenheim, Großkarolinenfeld, Raubling oder andere in der Region die Endstation.

Hans Böhm blickte optimistisch in die Zukunft. Er suchte und fand Möglichkeiten, wie es in der neuen Heimat weitergehen solle. In der ehemaligen Gärtnerei Lutzenberger in Bad Aibling lernte er den Beruf des Gärtners und unterstützte damit auch seine Mutter. Er erwarb sich Wissen in Stenografie und Schreibmaschinenschreiben, unter anderem durch eine halbjährige Ausbildung in München.

Der Weg des Zufalls führte ihn zurück in die
Kurstadt, die für ihn zum Glücksfall wurde. Arbeitgeber für den späteren Beamten im mittleren Dienst war der Hofberg, genauer das dortige Amtsgericht. Außer dem Grundbuchamt durchwanderte er dort sämtliche Abteilungen. Nach über 30 Jahren gewissenhaften Wirkens unter drei federführenden Amtsrichtern wurde er im Alter von 62 Jahren in den Ruhestand versetzt.

In seiner Freizeit betätigte er sich als Jugendtrainer der Sparte Fußball beim TuS Bad Aibling und feierte manche Erfolge der ersten und zweiten Mannschaft, mit denen er ein sehr gutes Verhältnis hatte. Neben Fußball zählten Modelflugzeugbau, Bowling und Akkordeon zu seinen Hobbys. Den Rücken frei, sowohl im Beruf als auch bei seinen Freizeitaktivitäten, hielt ihm zeit seines Lebens seine Ehefrau Rita, die er als 25-Jähriger heiratete und der er bis zu ihrem Tod 2012 die Treue hielt. 1983 entstand das Haus in der Marienbader Straße.

Wie Hans Böhm resümierte, waren viele Stationen seines Lebensweges nicht geplant, sondern basierten eher auf Zufällen und Schicksalen. Angesichts einschneidender Erlebnisse in der Jugend, die geprägt war von Diktatur, Krieg und Vertreibung, habe er kein Verständnis für Menschen, die mit Demokratie nichts anfangen könnten. pes

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