Bad Feilnbach – Über 64 Prozent der benötigten Wärme in Bad Feilnbach werden bereits aus erneuerbaren Energien erzeugt. Mit diesem Wert liegt die Gemeinde deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 15,8 Prozent. Dennoch gibt es noch einiges zu tun, denn ein „kommunaler Wärmeplan“ muss bis Mitte 2028 erarbeitet werden. Um die Bürger in diesen Prozess aktiv einzubinden, fand jüngst eine Bürgerbeteiligung statt. Doch das Interesse war eher gering: Nur zehn Bad Feilnbacher Bürger nahmen an der Veranstaltung teil, darunter auch vier Mitglieder des Gemeinderats.
Ziel ist die
Dekarbonisierung
Trotz der überschaubaren Beteiligung entwickelte sich nach einem informativen Teil eine angeregte Diskussion, in der Herausforderungen und Chancen einer nachhaltigen Wärmeplanung thematisiert wurden. Eingangs stellte Julien Steinbach vom Institut für Nachhaltige Energieversorgung (INEV GmbH) aus Rosenheim die Ziele eines Wärmeplans vor und berichtete über die durchgeführte Bestandsanalyse für Bad Feilnbach. „Das Ziel eines kommunalen Wärmeplans ist die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung“, erläuterte Steinbach das Ziel der Reduzierung von CO2-Emissionen, um langfristig keine Treibhausgasemissionen mehr auszustoßen.
Als Ergebnis eines Wärmeplans solle ein individueller Maßnahmenkatalog erstellt und eine Einteilung der Gemeinde in Wärmeversorgungsgebiete vorgenommen werden. „Ein Wärmeplan identifiziert mögliche Handlungsfelder für die Kommune, Eignungsgebiete und spezifische Maßnahmen und dient der frühzeitigen Information und Einbindung von Stakeholdern und Bürgern“, so der Experte. Dabei betonte er, dass die kommunale Wärmeplanung keine rechtliche Außenwirkung oder einklagbare Rechte und Pflichten begründe, sie sei keine gebäudegenaue Planung oder Detailstudie. Die Planung wird alle fünf Jahre überprüft und bei Bedarf überarbeitet.
Mit einer Bilanz mit Zahlen aus 2021 stellte Steinbach den Status quo vor. Der Energiebedarf wurde zu 23 Prozent durch Biomasse, 21 Prozent durch Strom und 17 Prozent durch Diesel gedeckt. Heizöl machte 16 Prozent aus. Weitere Energiequellen wie Benzin, Umweltwärme und Solarthermie spielten eine geringere Rolle.
Private Haushalte benötigen mit 46 Prozent den größten Anteil der Energie, gefolgt vom Verkehr mit 29 Prozent; Gewerbe, Handel und Dienstleistungen brauchen 23 Prozent der Energie. Bei der Wärmeerzeugung spielt Biomasse mit 46 Prozent die Hauptrolle, während Heizöl noch 34 Prozent ausmacht. Umweltwärme (13 Prozent) und Solarthermie (5 Prozent) haben ebenfalls Anteil an der Wärmeversorgung. Nah- und Fernwärme decken jeweils nur ein Prozent des Energiebedarfs. Allerdings wurde das kürzlich ausgebaute Nahwärmenetz noch nicht berücksichtigt.
Die anschließende Diskussion verdeutlichte, welche Hindernisse es bei der Umstellung auf erneuerbare Energien gibt. So berichtete ein Eigentümer eines Mehrparteienhauses von bürokratischen Hürden beim Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. Er müsste sich als Energieversorger registrieren lassen und zahlreiche Vorschriften erfüllen. Steinbach schlug vor, einen Informationsabend zu diesem Thema zu organisieren, wies aber auch darauf hin, dass die Gemeinde auf bundespolitische Entscheidungen keinen Einfluss habe.
Ein weiterer Besucher schilderte, dass die Fernwärmeleitung zwar wenige Meter an seinem Grundstück vorbeigehe, er sich aber aufgrund der derzeit noch hohen Kosten noch nicht daran anschließen möchte. Zudem wollte er mit dem Anschluss das Heizöl als Energieträger ablösen, jedoch sei beim geplanten Heizhaus am Friedrich-Dittes-Weg eine Ölheizung als Redundanz für Spitzenlasten und Wartungsausfälle geplant. Hier entgegnete Julien Steinbach, dass die Ölheizung momentan die einzig adäquate Möglichkeit sei, kurzfristig die benötigte Wärmeenergie zu liefern.
Aufruf zur
Ideensammlung
Bezüglich der höheren Kosten lautete eine Wortmeldung, dass man den Mut haben müsse, aus der Individualität in etwas Gemeinsames überzugehen. Es herrschte Einigkeit darüber, dass auch höhere Heizkosten dafür in Kauf genommen werden würden, jedoch „stimme die Balance noch nicht“, so ein weiterer Beitrag. Als Ideen kamen während der Diskussion Infoveranstaltungen, Maßnahmen der Gemeinde mit Vorbildfunktion, finanzielle Förderungen durch die Gemeinde und Kontakte und Erfahrungen aus anderen Gemeinden zutage.
Steinbach verteilte zudem einen kurzen Fragebogen und rief dazu auf, sich mit Ideen einzubringen. Für alle Interessierten steht der Fragebogen auch auf der gemeindlichen Homepage unter www.bad-feilnbach.de nebst der Präsentation zur Verfügung.