Au – Ein Markenzeichen für die Gemeinde Bad Feilnbach sind ihre herrlichen Streuobstwiesen und Gärten, die von vielen Gästen und Besuchern immer wieder bewundert werden. Für die reizvollen Landschaftsbilder zu allen Jahreszeiten leisten die Mitglieder von Obst- und Gartenbauvereinen mit ihren sprichwörtlichen „Grünen Daumen“ einen unermesslichen Einsatz. Dazu zählt auch der Obst- und Gartenbauverein Au-Dettendorf, der am Sonntag, 29. September, auf 120 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken will.
Einladung geht
an alle Interessierten
Geplant hat der Vorsitzende Sepp Millauer mit seinem Ausschuss einen unterhaltsamen Abend im Gasthaus Weingast in Kematen. Beginn ist um 19.30 Uhr. Für beschwingte Takte sorgt die „Hoisn Musi“. Als Attraktion hat sich Vogelstimmen-Imitator Helmut Wolferstetter angekündigt. Geschichten aus dem Vereinsleben sowie eine Tombola runden das Programm ab. Eingeladen sind sowohl Mitglieder als auch die Bevölkerung.
Viele hundert Jahre vor der Vereinsgründung am 16. Juni 1904, wurde in der Heimat „Vorm Gepürg“ (Bezeichnung aus der Chronik) gewerbsmäßig Obst angebaut und verwertet. Ein Votivbild von 1690 zeigt eine gefährliche Essigverfrachtung den Inn aufwärts nach Tirol. Josef Stadler aus Thalham rief mit 26 Anwesenden im Gasthaus „Andrelang“ einen „Lokalverein für Obstbau für die Gemeinden Au, Dettendorf, Feilnbach, Litzldorf und Wiechs“ ins Leben und wurde daraufhin zum Vorsitzenden gewählt. Am 11. Februar 1906 lösten sich die Gemeinden Feilnbach, Wiechs und Litzldorf und gründeten einen eigenständigen Obst- und Gartenbauverein. Stadler leitete bis 1921 die Vereinsgeschicke.
Aktuell trägt Sepp Millauer in der mittlerweile fünften Amtsperiode als Vorsitzender Verantwortung für etwa 390 Mitglieder. Den Rücken für ein solides Vereinsleben stärken ihm engagierte Vorstandsmitglieder. Das Kassenbuch verzeichnete im Gründungsjahr 14 Mark. 1905 wurde der Jahresbeitrag in Höhe von 1 Mark noch persönlich einkassiert. Seit einigen Jahren wird der Jahresbeitrag von fünf Euro von den Mitgliedern automatisch eingezogen.
Gleichgeblieben sind jedoch die Themen der Vereinsarbeit mit den Schwerpunkten Obstanbau und Obstverwertung. So bestimmen seither Obstbaumpflanzung, Pflege, Düngung und Zuschnitt sowie Verwertung kostbarer Früchte die Jahresabläufe der Obstbauern.
Auch wurden Schnapsbrenner registriert. Brennereibesitzern wurden Brennrechte zugeteilt, mit einer anfänglichen Festsetzung auf 400 bis 500 Liter. Später wurde die Menge auf 300 Liter Weingeist reduziert. Stoffbesitzer ohne Brennrecht durften bis zu 50 Liter Weingeist brennen lassen.
Eine Selbstverständlichkeit war die Herstellung von Essig und Most, etwa in der Mosterei Wieland in Oberhofen bei Kematen. Aufgrund einer großen Obsternte wurde 1982 eine mobile Obstpresse aufgebaut, die im selben Jahr für 11000 Liter Apfelsaft sorgte.
Immer wieder den aktuellen Standards angepasst, lockt der Bad Feilnbacher Apfelmarkt zahlreiche Besucher zum Verkosten von Saft, Federweißen und Most – von der ersten bis zur 34. Ausgabe. Zur Verwertung des Obstes gehörten Anleitungen und Tipps zum Einkochen und Herstellung von Marmeladen oder Trockenfrüchten.
Von den Launen
der Natur abhängig
Obst- und Gartenbau bedeutete in allen Jahren, die Witterung und Launen der Natur als ständige Begleiter mit eigenen Regeln zu akzeptieren. Gemäß dem Leitspruch: „Die Ernte gehört erst dir, wenn sie im Korb liegt“, sorgten schwerer Hagel, Starkregen, Überflutungen, Fröste, aber auch Hitzeperioden und niederschlagsarme Jahreszeiten für Ernteeinbußen. 1956 sogar für Ausfälle infolge komplett zerstörter Obstgärten.
Die Naturfreunde beschäftigen sich aber nicht nur mit Obst, sondern auch mit dem Gemüseanbau oder der bunten Gestaltung von Balkonen und Gärten. Sichtbar vor allem an Erntedank, an dem die Mitglieder mit Aufbauten oder früher mit Samenkörnerbildern von Anni und Helmut Mayr Gott, dem Schöpfer, ihre Ehre erweisen.