Bad Aibling – In der Christuskirche findet am Samstag, 12. Oktober, um 19 Uhr ein Cello-Recital statt. Der Eintritt ist frei. Unter dem Motto „System.Wechsel“ vereinen sich im Programmablauf sehr verschiedene Werke für Cello solo.
Christoph Steiner-Heinlein, der sowohl auf dem Violoncello als auch auf dem Violoncello piccolo spielt, wird Werke von Bach, Prokofjew, Gubaidulina und Windhagauer präsentieren und erläutern.
Im Gegensatz zu einem Systemwechsel scheint die Musik der Barockzeit voll von Prinzipien zu sein: Johann Sebastian Bach hält sich in seinen Cellosuiten zwar streng an die typische Folge der Suitensätze. Dennoch bricht er diese Strenge in der sechsten Cellosuite damit, dass er die fröhlichen Tanzsätze der strahlenden Tonart D-Dur nicht für ein typischerweise viersaitiges Cello, sondern für ein fünfsaitiges Violoncello piccolo vorsieht. Hierdurch erhält das Werk einen für eine Cellokomposition ungewöhnlich hellen Charakter. Oft hört man Bachs Cellosuite in D-Dur zwar auch auf dem viersaitigen Cello. Christoph Steiner-Heinlein wechselt in dem Konzert jedoch, wie vom Komponisten vorgesehen, auf das barocke Violoncello piccolo.
Mit den Sätzen dieses vielgestaltigen Werks werden die moderneren Stücke des Konzertprogramms, die auf dem modernen viersaitigen Cello erklingen, eingerahmt: Beinahe flehend und teils in sehr emotionaler Tonsprache reklamiert Sergei Prokofjew in seiner unvollendeten Cellosonate den Wunsch nach Veränderung. Das Erleben größerer – auch künstlerischer – Freiheit ist dem russischen Komponisten nicht mehr vergönnt, da er am selben Tag wie der Diktator Stalin verstirbt. Sofia Gubaidulina hingegen porträtiert in jedem ihrer Präludien für Solocello abwechselnd zwei Spieltechniken.
Große musikalische Veränderungen stehen auch in Horst Rudolf Windhagauers im Jahr 2021 entstandener Fantasia auf dem Programm. Hier wird das Cello mit einer sehr ungewöhnlichen Stimmung und einer sehr expressiven Klangfarbe ausgestattet.
Christoph Steiner-Heinlein erhielt seine musikalische Ausbildung bei Annemarie Dengler-Speermann an der Hochschule für Musik Würzburg. Weitere Impulse gaben Meisterkurse bei Cellisten wie Bernard Greenhouse oder Pieter Wispelwey. In seinen Konzerten widmet er sich vorwiegend selten gespielter Literatur für Violoncello solo und erläutert diese auch.