Bad Feilnbach – Am morgigen Sonntag feiern die Christen Erntedank. Die feierlichen Festgottesdienste beginnen in der Pfarrkirchen St. Martin in Kematen um 8.30 Uhr und in Au um 10 Uhr. In der Pfarrkirche St. Michael in Litzldorf sind die Gläubigen um 9.30 Uhr und in der Pfarrkirche Herz Jesu in Bad Feilnbach in Verbindung mit einem Familiengottesdienst um 10 Uhr eingeladen.
Die Besonderheit an diesem Festtag sind die liebevollen Aufbauten mit Früchten von den Obstbäumen und Gärten. Dazu passend runden Brot und Wein sowie kunstvolle Erntekronen die Szenen vor den Altären ab. All dies pflegen im Glauben und der Tradition verbundene Gläubige und bekunden damit ein von Herzen kommendes Dankeschön gegenüber dem Schöpfer. Dazu gehören auch die Miadadirndl vom Trachtenverein GTEV „D´Jenbachtaler“ Bad Feilnbach, die nach gutem Brauch der mächtigen Erntekrone ein ehrvolles Aussehen verleihen. Ihnen durfte Peter Strim vom Mangfallboten während ihrer Bastel- und Montagearbeiten kurzzeitig über die Schulter schauen. Treffpunkt war die Garage des Zuhauses beim Anwesen beim „Beck“ der Familie Grad in Bad Feilnbach. Eine beachtliche Schar an Miadadirndln zwickte Getreideähren, Thujenmischungen, Physalis- oder auch Lampionblumen genannt, Hagebuttenzweige und anderes passendes Grün zurecht. Maiskolben, frisch von den Äckern geerntet, ergänzten den Schmuck.
Viele der Teile hatten die jungen Damen aus ihren heimischen Gärten mitgebracht. Den feinen Bindedraht spendete ein Baustoffhandel aus Au. Der Rohling hat in seiner Grundform mit seinen fünf Holmen aus Eisen und mit Stroh umwickelt einige Jahrzehnte Lebensdauer. Ebenso das Kreuz an der Spitze, wie Sophie Grad als eine der Binderinnen auf Anfrage erklärte. Der Schmuck aus Ernteprodukten ändere sich jedes Jahr und hänge davon ab, was Garten und Felder übers Jahr zu bieten hätten. In den vergangenen Jahren wurden auch Buchszweige eingebunden. Aufgrund des Schadens durch gefräßige Zünslerraupen wurde heuer auf diese Pflanze verzichtet.
An der Kunst der Ausschmückung der Erntekrone beteiligen sich in Bad Feilnbach ausschließlich „Miadadirndln“, und das Handwerk wird von einer Generation an jüngere weitergegeben. Miadadirndl ist bei den Jenbachtalern ein Mädchen bis zu ihrer Heirat beziehungsweise bis zum Ende jenen Jahres, in dem sie ihrem Partner das „Ja-Wort“ gab. Nach gutem Brauch tragen am Erntedanksonntag ebenso Miadadirndl in ihrem guten Festtagsgwand ihr gelungenes Werk, in das sie etwa drei Stunden Freizeit investierten, in einer Prozession zum Altar.
Die Krone bleibt mehrere Tage erhalten und ziert am Bad Feilnbacher Apfelmarkt vom 10. bis 13. Oktober die Spitze der mächtigen Apfel- und Obstpyramide. Den Abbau und die Einlagerung des Rohlings übernehmen Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Feilnbach-Wiechs-Litzldorf. pes