Bad Aibling – Im Rahmen einer Gesprächsrunde lud Pfarrer Markus Merz unter dem Motto „Auf das Leben schauen“ zu einem „Austausch zum Erntedank“ ein. Der Veranstaltungsort war das Stüberl der Feuerwehr Willing im Gmoahof, wo der Vorsitzende Michael Krimplstötter die Gäste willkommen hieß. Zu den Anwesenden zählten Bürgermeister Stephan Schlier, der Dritte Bürgermeister Markus Stigloher und der Ehrenkommandant der Willinger Feuerwehr, Sepp Schmid.
Pfarrer Merz machte zu Beginn deutlich, dass das Thema „Erntedank“ nicht nur den landwirtschaftlichen Aspekt der Ernte betraf. „Lasst uns heute über das Thema ‚Dankbarkeit‘ sprechen“, erklärte er und fügte hinzu: „Auch eine kleine Geste oder ein netter Augenaufschlag können Dankbarkeit ausdrücken.“ Er betonte, dass Dankbarkeit manchmal auch als Strategie genutzt werde, um Demut zu signalisieren. Es gehe nicht um gute Manieren, sondern darum, was einem Menschen guttut. Geben und Nehmen sollten im Gleichgewicht stehen, als Beitrag zu einem gesunden Leben. Im Anschluss initiierte er eine „bilaterale Gesprächsaktion“, bei der sich zwei Besucher gegenseitig erzählten, was sie in den letzten 24 Stunden „der Welt oder anderen an Gutem zugefügt haben“. Im weiteren Verlauf berichteten Teilnehmer auch von fehlender Dankbarkeit, mit der sie konfrontiert wurden. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Aiblinger Tafel schilderte, dass es neben der überwiegenden Mehrheit der dankbaren Kunden auch Menschen gibt, die sehr forsch und fordernd auftreten. Auch seitens der Feuerwehr kamen Berichte über unangemessene Forderungen von Menschen, bei denen man gerade den Keller ausgepumpt hatte. Ebenfalls angesprochen wurde, dass Rettungskräfte bei ihren Einsätzen beschimpft werden.
Pfarrer Merz wies auf verschiedene Ausgangsaspekte hin: Manche Menschen leben nach der Devise „Ich gebe nichts und ich brauche nichts“ oder „Ich habe alles alleine geschafft“. Dies müsse nicht unbedingt ein Zeichen von Stärke sein, sondern könne auch Scham vor der Blöße bedeuten. Eine Verhaltensweise sei auch „eine Hand wäscht die andere“. Diese laufe auf ein „Nullsummen-Spiel“ hinaus, es könne dabei aber auch Berechnung dahinterstecken. „Ich gebe etwas, aber ich bekomme nicht unmittelbar etwas zurück“ sei eine weitere Konstellation. Hier käme die Dankbarkeit oft von anderen. „Dankbarkeit sollte eingebunden sein in ein Großes und Ganzes, wo sich Geben und Nehmen auflöst“, stellte der Impulsgeber abschließend fest.
Michael Krimplstötter betonte in seinem Schlusswort: „Wir haben gern unser Stüberl für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt, sie war eine runde Sache.“ Am Ende verteilte Pfarrer Merz eine „Dankbarkeits-Checkliste“ mit Fragen, wie „Wie genau geht das: dankbar sein?“, „Für welche Menschen bin ich in meinem Leben dankbar?“ Verabschiedet wurden die Gesprächsteilnehmer mit „Gott segne eure Dankbarkeit. Gott segne euch, dass ihr auf das Gute schaut, dass ihr miteinander lacht und Schweres miteinander tragt.“
Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Lorenz Herzog und Andreas Stadler von der „Willinger Musi“. bjn