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Die Welt der Villenbesitzer

von Redaktion

Interview Christian Poitsch über die Spuren der „Goldenen Jahre“ in Bad Aibling

Bad Aibling – In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Bad Aibling zu einem bekannten Kurort und wurde 1895 zum Bad erhoben. Damit begannen endgültig die „Goldenen Jahre“ des Kurortes. Diese bilden den Themenschwerpunkt der Führung mit Christian Poitsch, die die Volkshochschulen Bad Aibling und Kolbermoor als Kooperationsveranstaltung anbieten.

Poitsch nimmt die Teilnehmer mit in die Zeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, in der zahlreiche Kurhotels und Kureinrichtungen, Arzt- und Pensionsvillen und Bürgerhäuser in Bad Aibling entstanden. Ein großer Teil der Gebäude, vor allem der Villen, ist auch heute noch original erhaltenen, oftmals in jüngster Zeit auch sehr aufwendig renoviert. Die Teilnehmer erfahren dabei Fakten zur Geschichte des Moorbads und zu den imposanten Gebäuden aus dieser Zeit, kombiniert mit Hinweisen zu typischen Beispielen für die um die Jahrhundertwende modernen Architekturstile.

Herr Poitsch, seit wann gibt es die Führung „Die Goldenen Jahre des Moorbads Aibling“ ?

Und wie ist die Idee zu dieser Veranstaltung
entstanden?

Die Idee entstand im Vorfeld zum Aiblinger Jubiläum „175 Jahre Kur – 125 Jahre Bad“ im Jahr 2020. Die Führung war als kleine Hommage und als „Geschenk“ von VHS und Stadtmarketing der Stadt Kolbermoor für das Aiblinger Jubiläum gedacht. Das fiel dann alles zwei Jahre lang ins Wasser wegen Corona und konnte erst mit dieser Verzögerung stattfinden. Da die Nachfrage sehr groß war und ist, machen wir die Führung ein- bis zweimal im Jahr. Mittlerweile als Kooperationsveranstaltung der beiden Volkshochschulen Bad Aibling und Kolbermoor.

Wie lange ist man bei der Führung ungefähr unterwegs?

Zwei Stunden, Start ist am Bahnhof.

Gibt es spezielle Fragen der Teilnehmer, die besonders häufig gestellt werden?

Die Fragen sind je nach Gruppe sehr unterschiedlich.

Wie ist in der Regel die Mischung aus Einheimischen und Auswärtigen/Gästen?

Ganz wenige Aiblinger. Leider. Mehr aus der näheren Region. Gäste nur sporadisch.

Wie viele für die Führung relevante Villen gibt es denn in etwa in Bad Aibling?

Villen und Bürgerhäuser, die zum Thema passen, gäbe es sicher weit über 50, bei der Führung werden wir etwa an 25 vorbeigehen.

Welche dieser Häuser sind die geschichtsträchtigsten?

Alte Gebäude haben alle ihre Geschichte, die aber oft gar nicht öffentlich bekannt ist. Für Bad Aibling interessant sind Häuser, in denen Künstler wohnten, wie die Villa Mina (heute Hotel Bihler), wo von 1914 bis zu seinem Tod 1950 der Maler Brynolf Wennerberg wohnte. Natürlich sind die Hotels auch voller Geschichten, Schuhbräu, Johannisbad, nicht mehr existent Deutscher Hof/Wilhelmsbad, Ludwigsbad oder Duschl Post.

Welches ist das
älteste Gebäude in
Bad Aibling?

Das älteste Gebäude bei der Führung ist wohl das ehemalige Hotel Schuhbräu von 1835 und das Leprosenhaus in der Rosenheimer Straße aus dem 17. Jahrhundert, das aber nicht zum eigentlichen Thema gehört.

Welches ist für Sie persönlich das interessanteste Gebäude? Und welches finden Sie am schönsten?

Besonders interessant ist das Haus Merkur an der Ecke Meggendorfer/Lindenstraße. Jede Villa, jedes Bürgerhaus aus der Zeit hat seinen Charme, sehr schön finde ich persönlich die Villa Katharina in der Rosenheimer Straße, die schon ein paar Jahrzehnte früher gebaut wurde als die typischen Villen in Aibling.

Können Sie ein paar Worte zu den Architekturstilen sagen?

Die Villen um die Jahrhundertwende sind meist eine Mischung aus verschiedenen Strömungen der damaligen Zeit: Jugendstil, Historismus, Reformarchitektur und vor allem auch Heimatstil. Es wurden damals stark Bauformen früherer Jahrhunderte aufgenommen wie Barock (was dann als Neobarock bezeichnet wird), Renaissance (was dann als Neo-Renaissance bezeichnet wird), aber auch Anklänge an mittelalterliche Bauformen oder auch die Verwendung von Schein- oder Zierfachwerk ist an einigen Gebäuden, die wir uns anschauen, gut zu sehen.

Gibt es eine besondere Anekdote, die Sie unseren Lesern verraten?

Wir standen einmal in der Gartenstraße vor einem Haus und während ich die Besonderheit erklärte, ging ein Fenster im ersten Stock auf, weil die Eigentümerin Geburtstag hatte und dachte, eine Gruppe von Freunden wäre gekommen, um ihr ein kleines Geburtstagsständchen zu singen, was wir dann natürlich spontan auch getan haben – zu ihrer großen Freude.

Was sind weitere interessante Aspekte ?

Diese Führung hat für mich zwei besonders schöne Aspekte: Zum einen sind es die Gebäude selbst, die ja alle wirkliche Schmuckstücke sind. Zum anderen repräsentieren sie auch ein Stück Zeitgeschichte zwischen 1890 und 1914, die ganz besonders spannend war – in der Welt, aber auch in Bad Aibling, das damals wirklich seine „Goldenen Jahre“ erleben durfte.

Nächster Termin ist am Sonntag

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