Feldkirchen-Westerham – Wie kann Vagen künftig besser vor Hochwasser-Gefahren geschützt werden? Immerhin reichen bauliche Schutz-Maßnahmen, die ohnehin meist einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen, längst nicht mehr aus. Bereits im Februar dieses Jahres beriet der Feldkirchen-Westerhamer Gemeinderat deshalb über die Bedeutung der „nicht-technischen“ Maßnahmen, die entscheidende Bausteine des Sturzflut-Risikomanagements darstellen sollen.
Durch Vorsorge Schäden minimieren
Wie die Verwaltung nun während einer Gemeinderatssitzung mitteilte, sei es ohnehin nicht möglich, durch bauliche Maßnahmen einen hundertprozentigen Schutz vor allen denkbaren Niederschlagsereignissen zu erreichen. Allerdings könnten durch Vorsorge potenzielle Schäden vermieden werden. Doch wie kann diese Vorsorge, eine eben „nicht-technische“ Maßnahme, aussehen?
Was soll der „Kümmerer“ leisten?
Laut Angaben der Gemeinde empfiehlt das beauftragte Planungsbüro Dr. Pfleger hierfür einen „Kümmerer“. Dieser sollte möglichst aus der Gemeindeverwaltung oder dem Gemeinderat kommen. Er könnte als Ansprechpartner eine Schnittstelle zwischen Bürgern und Verwaltung darstellen, so die Theorie. Dabei soll er etwa über Gefahren, Verhalten und Objektschutz informieren, bei Einsatzchecklisten für die Feuerwehr mitwirken, den Überblick über geplante Maßnahmen behalten und etwa bei Entscheidungen der Siedlungsentwicklung, der öffentlichen Kommunikation oder bei der Organisation von Bürgersprechstunden mit eingebunden sein. Im Gemeinderat war man von diesem Vorschlag grundsätzlich angetan. Aus Sicht von Zweiter Bürgermeisterin Christiane Noisternig (CSU) etwa sei ein Kümmerer eine „unstrittig gute Maßnahme“.
Dem widersprach auch Bernhard Neumaier (CSU) nicht, wenngleich er einen Kümmerer aus Reihen der Verwaltung bevorzugen würde. „Ich glaube, dass diese Aufgaben ein Ehrenamt eigentlich übersteigen.“ Sollte sich jedoch jemand aus dem Gemeinderat für diese Position finden, sei er damit auch einverstanden. Und genau jener ließ sich schnell finden. So erklärte sich Gemeinderat Georg Meixner (OLV) noch in der anschließenden nicht öffentlichen Sitzung dazu bereit, die Rolle des Kümmerers für Vagen zu übernehmen. Dies bestätigte er dem Mangfall-Boten auf Anfrage im Nachgang und erklärte, dass es eine „Herzensangelegenheit“ für ihn sei. Allerdings übernehme er entsprechende Aufgaben prinzipiell bereits seit einigen Jahren, nun aber eben in offizieller Rolle, wie er erklärt. Welchen genauen Mehraufwand die Rolle ab sofort für ihn mitbringen wird, sei noch nicht absehbar.
Über die feste Einrichtung des Kümmerers hinaus wurde der Gemeinde empfohlen, sogenannte „Hochwassersprechstunden“ einzuführen. Die Beratung von Bauvorsorgemaßnahmen sollte hierbei durch Experten erfolgen. Vorgeschlagen wurde deshalb, für betroffene Eigentümer besagte Sprechstunden anzubieten, in denen eine Beratung durch Fachleute für die jeweils individuelle Situation erfolgt. Diese Bauberatung würde Maßnahmen im Sinne einer hochwasserangepassten Bauweise beinhalten. Sie diene dazu, die Schäden am Gebäude im Falle eines Hochwassers oder einer Sturzflut zu mindern oder gar zu vermeiden, so die Gemeindeverwaltung. Die Maßnahmen zur Bauvorsorge sollten jedoch nicht nur im Bereich von Neubauten, sondern auch für den Schutz von Bestandsbauten genutzt werden können.
„Solche Experten sind nach den Niederschlagsjahren sehr gefragt“, erklärte Bürgermeister Johannes Zistl (OLV), weswegen man als Gemeinde nicht lange zögern sollte. Zur Durchführung der „Hochwassersprechstunden“ habe man sich die erforderlichen Stundensätze bei der Fachfirma „Prax“ einholen lassen. Diese bietet bereits in Bruckmühl entsprechende Beratungen an, weshalb man sich hier Synergien erhofft. Etwa, weil man hierdurch womöglich Kosten für die Anfahrten der Experten reduzieren könnte. Wie der Gemeinderat beschloss, müssten interessierte Gemeindebürger (nicht nur aus Vagen) pro Sprechstunde mit einem Eigenanteil von 300 Euro rechnen, den Rest der Kosten übernimmt die Gemeinde.
„300 Euro
gut investiert“
„Für den, der weiß, dass er ohnehin etwas machen muss, sind 300 Euro gut investiert“, versicherte Zistl. Auch Gemeinderat Michael Günzl (Grüne) empfand es als eine „super Sache, Bürger mit Experten zusammenzubringen.“
Für das Sturzflut-Risiko-Management Vagen beschloss der Gemeinderat letztlich einstimmig (22:0) den Einsatz eines Kümmerers sowie das Angebot einer Hochwassersprechstunde für die Bürger.
Geplante Schutzmaßnahmen
Zusätzlich ist als technische Maßnahme des Hochwasserschutzes bereits der Bau einer Überleitung des Teufelsgrabens und des Leitengrabens (westlich von Vagen) in den vorhandenen Entwässerungsgraben westlich der Rohre beschlossene Sache. An der Umsetzung wird bereits gearbeitet. Das Bauwerk soll nach Fertigstellung eine sofortige Entlastung für den Kotbach bringen, da ein Teil des Hangwassers in die Stauweiher abgeleitet werden kann und nicht mehr durch die Ortschaft fließt.