Tuntenhausen – Es ist in Maxlrain mittlerweile feste Tradition, dass im Oktober am Bräustüberl Kraut gehobelt wird. Und die Menschen, die wieder selbst „krauten“ wollen, werden von Jahr zu Jahr mehr. Trotz kühler Herbsttemperaturen bildeten sich auch in diesem Jahr des Öfteren lange Schlangen, die geduldig warteten und teilweise mit leeren Eimern und Wägelchen zum Abtransport ausgerüstet waren.
Die Hauptarbeit aber verrichten die Landfrauen aus Beyharting, immer noch unterstützt von Bruckmühls Altbürgermeister und Ehrenbürger Franz Xaver Heinritzi. Er strahlt nach wie vor übers ganze Gesicht, wenn man ihn auf die Vergangenheit des Krauthobelns anspricht, die sein Vater vor fast 80 Jahren in der Region begründete und nun von der Schloßbrauerei und den Landfrauen fortgeführt wird. Heinritzi ist in Sachen Kraut auch Experte in historischen Fragen und erzählt den Besuchern gern aus der Historie: „Vor 500 Jahren lieferten die Ismaninger Bauern ihr Weißkraut an den Bischofshof“, erzählte er. Schon damals war die Ismaninger Köstlichkeit weit über die Region hinaus geschätzt.
Die damalige urkundliche Erwähnung geht auf Bischof Philipp von Freising zurück. „Dieser übergab den Ismaninger Bauern die Gemeindegründe als Eigentum, verpflichtete sie dafür aber, jährlich 2500 Krautköpfe an den Freisinger Bischofshof zu liefern“, erklärt der Altbürgermeister.
An die zwölf Tonnen Ismaninger Weißkraut wurde wieder herbeigeschafft. Kein leichtes Unterfangen, die schweren Krautköpfe von Ismaning bis nach Maxlrain zu bringen. Und Krautkopf für Krautkopf dann das gleiche Spiel: wiegen, portionieren und hobeln. Und das fünf Tage lang. „Das Krauteinmachen erlebte in den letzten Jahren eine wahre Renaissance“, so die Krauterer aus Maxlrain. Auch Andrea Rummelsberger, Ortsbäuerin von Beyharting, freut sich über den Aufschwung, auch wenn es alljährlich eine Menge Arbeit ist.
Aber der einzigartige Geschmack des Ismaninger Krautes rechtfertigt das Engagement der Frauen. Und es wird in der rustikalen Holzhütte im Biergarten der Brauerei nicht nur gehobelt, man kann auch Gärtöpfe erwerben oder Tipps erfragen. Aber sie haben auch Rezepte rund ums Kraut gesammelt und ein Kochbuch erstellt, das man kaufen kann: „Es wird jedes Jahr dicker“, erzählt die Ortsbäuerin freudestrahlend.
Viele der Besucher kommen regelmäßig, teilweise besteht schon eine langjährige Freundschaft. ws