Den Eltern-Taxis den Kampf angesagt

von Redaktion

Auch für kurze Strecken wird vielerorts das Auto genutzt. Mit der jährlichen Aktion „Mit ohne Auto“ wollen der Kindergarten und die Grundschule Vagen jedoch ein Zeichen setzen und Familien zu mehr Nachhaltigkeit animieren. Wie es heuer läuft und was die Betroffenen davon halten.

Feldkirchen-Westerham – Noch bis zum Freitag heißt es im Ortsteil Vagen, „Fit ohne Sprit, Spaß ohne Gas“. Bereits zum 14. Mal führt der Pfarrkindergarten die Aktion „Mit ohne Auto“ zum Kindergarten durch. Wie schon in den Vorjahren, stößt diese Maßnahme auch in seiner 13. Neuauflage wieder auf große und positive Resonanz. Zudem hat dieses engagierte Vorzeige-Projekt in den zurückliegenden Jahren über den Gemeindebereich hinaus bereits einige erfolgreiche Nachahmer gefunden. Auch gibt es schon seit dem Startschuss eine enge Zusammenarbeit mit der Grundschule Vagen. Diese wurde heuer noch auf die Grundschule Feldkirchen-Westerham erweitert.

„Fit ohne Sprit,
Spaß ohne Gas“

Wenn es nach den besonders fürsorglichen Müttern und Vätern gehen würde, wäre ein „Drive-In-Schalter“ die ideale Location, um die Kinder an den Kitas oder Grundschulen abzugeben und wieder abzuholen. Statistische Erhebungen zeigen, dass es sich bei den sogenannten „Eltern-Taxis“ mit „Tür-zu-Tür-Service“ um ein bundesweites „Phänomen“ handelt. So wurden in einigen Kommunen des Altlandkreises Bad Aibling schon sogenannte „Bussi Pfüadi Zonen“ eingerichtet, um teils prekäre Verkehrssituationen zu entflechten.

Obwohl die Vagener von solchen Szenarien noch weit entfernt sind, haben die Leitung und das Team des Pfarrkindergartens in enger Zusammenarbeit mit dem Vagener Ortsbeirat nach dem Motto „Währet den Anfängen“ 2011 die Aktion „Fit ohne Sprit, Spaß ohne Gas“ ins Leben gerufen. Nach Darstellung von Andrea Steiner haben die Organisatoren zum ersten Mal Ende 2010 von dem Projekt „Mit ohne Auto“ von der Gemeinde Warngau, Landkreis Miesbach, Kenntnis erhalten.

Beitrag zur Verkehrssicherheit

„Dies hat sich für uns und den Ortsbeirat sofort sehr interessant angehört. Wir waren von der Idee begeistert und starteten schon wenige Monate später unsere eigene Aktion unter dem gleichen Motto“, erzählt die stellvertretende Kindergartenleiterin und Naturpädagogin.

Das Pilotprojekt war dann so erfolgreich, dass es seitdem alljährlich über drei Wochen jeweils vor Pfingsten und Allerheiligen mit großem Engagement durchgeführt wird. „Mit einer guten und gesunden Portion Idealismus konnten wir dann auch die anfänglichen Skeptiker überzeugen“, blickt Steiner auf die Anfangszeit zurück.

Ziel ist es, dass die Mädchen und Jungen mit ihren Eltern in den 15 autofreien Tagen den Weg zum Pfarrkindergarten mit dem Fahrrad, Scooter oder auch zu Fuß zurücklegen. „Wenn dies aus den unterschiedlichsten Gründen nicht machbar sein sollte, möchten wir mit der Aktion auch die Eltern anregen, über die Bildung von nachbarschaftlichen Fahrgemeinschaften nachzudenken“, erklärt dazu Naturpädagogin Steiner.

Dadurch soll nach ihrer Aussage nicht nur das Bewusstsein für die Themen Gesundheit und Umweltschutz sensibilisiert und gestärkt, sondern auch ein Beitrag zur örtlichen Verkehrssicherheit geleistet werden. Dazu kommt noch, dass nach Erfahrungen der Vagener Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen die Mädchen und Buben viel entspannter in ihren Kindergarten-Alltag starten, wenn sie vorher eine gesunde Portion Morgenluft „geschnuppert“ haben. „Draußen kann die Seele einfach atmen“, bringt Erzieherin Johanna Triemer die Philosophie auf den Punkt. Als Motivationsschub für die Kinder und Eltern ist ein großer Plexiglasbehälter im Eingangsbereich des Pfarrkindergartens aufgestellt. Für jede autofreie Fahrt kann dort „als Belohnung“ eine kleine Holzscheibe in die 1,18 Meter hohe Kunststoff-Säule geworfen werden. „Am Ende der drei Wochen sollte die Röhre schon randvoll sein“, beschreibt Steiner die Zielvorgabe. Dazu ergänzt Kollegin Triemer mit einem Lächeln, „bis jetzt haben wir das aber immer mit großem Teamspirit geschafft.“

Identifikation mit
der Aktion ist groß

Nach einer netten Anekdote gefragt, antwortet Naturpädagogin Andrea Steiner spontan mit einem Lächeln: „Die Identifikation mit unserer Mit-ohne-Auto-Aktion ist so groß, dass Eltern, die ihre Kinder mal mit dem Auto zu uns bringen müssen, sogar einige Straßenecken vorher parken und dann die letzten hundert Meter zu Fuß gehen, damit wieder ein Holz-Plättchen in die Plexiglas-Röhre geworfen werden kann.“

Nach aktuellem Stand fehlen nur noch ganz wenige Holz-Plättchen, um die vorgegebene rot markierte Ziellinie zu erreichen. „Jetzt heißt es, nur nicht auf den letzten Metern lockerlassen“, mahnt die stellvertretende Kindergartenleiterin mit zwei nach oben zeigenden Daumen und einem Lächeln.

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