Bad Aibling – „Der Vorhang fällt.“ Worte, die Kurt Lausmann einst zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand selbst wählte, könnten nun treffender kaum sein. Der langjährige Schulleiter des Gymnasiums Bad Aibling, der weit über die Stadtgrenzen einen hervorragenden Ruf genoss, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Nach schwerer Krankheit hinterlässt er seine Ehefrau Brigitte, zwei Söhne und eine Tochter sowie drei Enkelkinder. Wie langjährige Wegbegleiter berichten, hat sich die Nachricht seines Todes „wie ein Lauffeuer verbreitet“.
Kurt Lausmann wurde 1942 in Brünn geboren und verlor schon im Alter von wenigen Monaten in der Tragödie von Stalingrad den Vater. Durch die Ausweisung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lausmann aus der Heimat vertrieben und gelangte schließlich mit seiner Mutter nach Coburg in Oberfranken. Dort besuchte der Bub die Volksschule, dann das Gymnasium, wo er 1961 das Abitur ablegte. „Aus dem Lausbub war ein Lausmann geworden“, hieß es dazu in einem Bericht des Gymnasiums Bad Aibling über dessen Werdegang.
Coburg, Würzburg,
Bad Aibling
Nach der Schulzeit folgte für Lausmann der Grundwehrdienst, danach das Studium an der Friedrich-Alexander-Universität, wo er die Fächer Deutsch und Sport für das Lehramt an Gymnasien belegte. Das Referendariat führte ihn ans Röntgen-Gymnasium in Würzburg und an die alte Wirkungsstätte in Coburg, wo er wieder auf seine alten Lehrer traf. Am dortigen Gymnasium Ernestinum trat er auch seine erste Planstelle als Studienrat an und blieb bis 1975.
Es folgte der Ruf nach München ins Kultusministerium, wo er im Referat für Schul- und Vereinssport tätig war. Nachdem er anschließend mehrere Jahre in der Landesstelle für Schulsport gearbeitet hatte, wurde er schließlich zurück an die „pädagogische Front“ versetzt und in die Kurstadt beordert, wo er ab dem Jahre 1988 das Gymnasium Bad Aibling leiten und auf Kurs bringen sollte. 18 Jahre lang, bis 2006, war Lausmann dort Schulleiter. Eine Zeit, in der seine Tätigkeit von großer Liebe zur Schule und den Menschen, die er dort begleitete, geprägt war, wie das Gymnasium in einer Traueranzeige schreibt.
Lausmann, den ein Vater dreier ehemaliger Aiblinger Abiturienten kürzlich als „feinen Menschen“ bezeichnete, war allseits beliebt. Er galt als kommunikativ, lösungsorientiert, begeisterungsfähig, innovativ und kompromissbereit. Das Wohl der Schüler kam für ihn stets an erster Stelle. In Schulkreisen trug der langjährige Direktor gar die Namen „Papa Lausmann“, „Vater für alle“ oder „Seele der Schule“. Und so sorgt der Tod des charismatischen Pädagogen, der nicht zuletzt beim Schultheater engagiert war und selbst immer wieder mit auf der Bühne stand, für große Trauer und Bestürzung unter seinen Familienangehörigen und langjährigen Weggefährten.
Zu ihnen gehört auch Dr.Marianne Weber-Keller, die als langjährige Vorsitzende des Elternbeirates eng mit Lausmann zusammenarbeitete und die zu ihm und seiner Familie eine innige Freundschaft pflegte. Sichtlich ergriffen berichtet sie gegenüber dem OVB, dass Lausmann zwar eine natürliche Autorität verkörperte, „ihn haben aber alle Menschen geliebt und geschätzt“. Im ganzen Landkreis habe man ihn gekannt, zu jeder Veranstaltung sei er persönlich erschienen.
Neue Jahrgänge
ein neuer Schritt
„Als er in Pension ging, hat er mir einmal erzählt, dass ihm vor allem die jährlich nachkommenden Schulklassen fehlen“, erinnert sich Weber-Keller. Denn die neuen Jahrgänge seien jedes Jahr ein „neuer Schritt in Richtung Zukunft“ gewesen. Neben seiner Schulleiter-Tätigkeit war Lausmann, auch als gelernter Sportlehrer, ein leidenschaftlicher Sportler, der gerne etwa Handball spielte. Auch die Philosophie und die Literatur waren wichtige Bestandteile seines Lebens. „Was passiert mal mit meinen ganzen Büchern?“, habe er sich eines Tages gefragt, erzählt Weber-Keller. Angesichts seiner Verdienste für den Schulstandort Bad Aibling bedauert Weber-Keller sehr, dass Lausmann den von ihr vorgeschlagenen Bundesverdienstorden nie erhalten habe. „Denn den hätte er zweifelsohne verdient.“
Für sie und viele weitere Wegbegleiter war Kurt Lausmann der „richtige Mann an der richtigen Stelle“, der von teils 1700 Schülern nahezu alle gekannt habe. Der „absolute Teamplayer“ hatte privat zudem eine große Leidenschaft für das Urlaubsland Griechenland, weshalb er beispielsweise Besprechungen mit dem Elternbeirat oftmals beim Griechen in Bad Aibling organisierte.
Auf zahlreiche Jahre der guten Zusammenarbeit mit Kurt Lausmann blickt auch Wolfgang Fehle, Mitarbeiter der Schulleitung am Gymnasium Bad Aibling, zurück. Demnach sei Lausmanns Zeit als Schulleiter gekennzeichnet gewesen von einem enormen Anstieg der Schülerzahlen von rund 1000 auf 1700, erklärt Fehle gegenüber dem OVB. „Ihm ist es sicher mitzuverdanken, dass darunter die Atmosphäre nicht oder fast nicht gelitten hat. Sie blieb immer entspannt und allzeit menschlich.“ Zwischenzeitlich avancierte die Aiblinger Schule zu Bayerns größtem Gymnasium.
Der wohl treffendste Satz stehe jedoch in einem Artikel der Festschrift zum 50-jährigen Schuljubiläum, in dem der langjährige „Chef“ gewürdigt wurde. Studienrat Anton Heimrath und der spätere und mittlerweile kürzlich in den Ruhestand verabschiedete Schulleiter Michael Beer schreiben darin: „Herr Lausmann schuf eine Atmosphäre des wohlwollenden Miteinanders, der entspannten Produktivität. Kernsatz seiner Tätigkeit war und ist: ‚Wir lieben unsere Schüler‘. Es war für ihn selbstverständlich, omnipräsent am gesamten Schulleben teilzunehmen.“
Preise und
Parlamente
Beispiele für seine Omnipräsenz im Schulleben, so Fehle, seien etwa die Beteiligung an der Volleyballlehrermannschaft, bei Musical-Aufführungen der Schule oder den Sportshows der Fachschaft Sport. Er habe die Literaturtage gefördert, die nicht zuletzt mit seiner Unterstützung ein fester Bestandteil der Aiblinger Kulturszene wurden. Auch die Leseförderung lag ihm so sehr am Herzen, dass er auch nach seiner Pensionierung noch mit Schülern bei Lesenächten in der Schule saß. Zudem ließ er mit großem Grundvertrauen in Fähigkeiten und Kreativität gerade dem Lehrerkollegium immer genügend Raum zur eigenen Entfaltung.
Innovationspreis
erhalten
Zu den Höhepunkten seiner beruflichen Tätigkeit am Gymnasium Bad Aibling gehörten die Verleihung der „i.s.i.“ (Innere Schulentwicklung Innovationspreis)-Auszeichnung der Stiftung Bildungspakt Bayern sowie die Einführung von Bayerns erstem Schulparlament in seinem letzten Dienstjahr. Nun ist der Vorhang gefallen. Und die letzten Worte, die er selbst zum Abschied seines beruflichen Wirkens im Jahresbericht 2005/2006 des Gymnasiums Bad Aibling gewählt hatte, könnten in der Stunde der Trauer nicht besser passen: „Servus, Adieu und auf Wiedersehen.“