Irschenberg – Mit 17 Jahren fing Lissi Hochreiter an, als Kinderpflegerin im Caritas- Kinderdorf in Irschenberg zu arbeiten. Damals plante sie, dort zwei Jahre zu bleiben. Dass daraus ein halbes Jahrhundert geworden ist, erklärt sie heute auch damit, dass ihr die Kinder so viel geben und sie sich in der familiären Atmosphäre im Kinderdorf wohlfühlt. Nun konnte Hochreiter ihr 50-jähriges Dienstjubiläum feiern.
An ihre ersten Tage im Kinderdorf 1974 erinnert sie sich noch gut. Damals wurde sie gleich ins kalte Wasser geworfen. Die Hausmutter begrüßte sie mit einem „Jetzt habe ich gedacht, du kommst gestern schon.“ Warum sie das sagte, weiß Hochreiter noch gut: „Die wollte mich gerne noch einen Tag mehr einarbeiten, bevor sie in Kur ging.“ So blieben nur zwei Tage zur Einarbeitung. Ab ihrem dritten Arbeitstag war die Berufsanfängerin allein für die Familiengruppe verantwortlich, die aus fünf Jugendlichen bestand. Der Älteste von ihnen war 16 und damit nur wenig jünger als sie selbst. „Gott sei Dank, waren das so liebenswerte Jugendliche, die mir alles erklärt haben. Die hätten mich auch voll auflaufen lassen können“, erinnert sie sich. Damals leiteten die „Schwestern der Heiligen Familie“ das Kinderdorf, das in dieser Zeit eine Errungenschaft für die Jugendhilfelandschaft war. Insgesamt arbeitete sie 19 Jahre mit den Schwestern zusammen, danach war über 30 Jahre lang Dorfleiter Wolfgang Hodbod ihr Chef.
Die Nähe und starke Verbindung zu einer Bezugsperson, die für die Kinder so wichtig sind – das ist es, was ihr an ihrem Beruf bis heute gefällt. Insgesamt leitete Hochreiter 14 Jahre lang als Hausmutter verschiedene Wohngruppen und hat Generationen von Mädchen und Buben auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Zu einigen ihrer Schützlinge hat sie bis heute Kontakt. Deshalb mag Lissi Hochreiter das Ehemaligenfest so gerne, das alle fünf Jahre stattfindet. „Da umarmt dich einer nach Jahrzehnten und sagt ‚Grüß dich, Lissi, wie geht’s dir?‘ Das ist doch schön!“
Noch heute arbeitet sie in Teilzeit in einer Kinderdorffamilie. „Und solange die Kinder und die Kollegen sich freuen, dass ich komme, gehe ich gerne in die Arbeit“, sagt Hochreiter. Die heutige Dorfleiterin Pia Klapos ehrte die Jubilarin bei einer Überraschungsfeier, in der sie Hochreiter als großes Vorbild für die Dorfgemeinschaft bezeichnete und betonte: „50 Jahre in unserem Kinderdorf, da kann man nur den Hut davor ziehen. Ich kann mich nur für so viel Einsatz und Engagement bedanken.“