Bad Feilnbach – Die Leonhardi-Wallfahrt in Lippertskirchen zählt zur ältesten ihrer Art im oberbayerischen Voralpenland. Zumindest berichtete von ihr erstmals 1745 Felix Martin Josef Högg, der von 1722 bis 1751 als Pfarrer von Au wirkte.
Am Sonntag, 10. November, ist es wieder soweit: Dann wollen Fuhrleute, Rosserer, Reiter und Landwirte mit ihren Pferden die Tradition fortsetzen. Der Festgottesdienst am Feldaltar auf der Köglwiese in Lippertskirchen beginnt um 10 Uhr. Im Anschluss folgt eine zweimalige Umfahrt. Den Segen erteilt Pfarrer Ernst Kögler an der Wallfahrtskirche Maria Morgenstern.
Im Mittelpunkt stehen neben zahlreichen Einzelreitern, Zweier-, Vierer- und Sechsergespannen mit Kutschen, geschmückten Fest- oder kunstvoll bemalten Truhenwagen. Ziehen dürfen sie sauber herausgeputzte Pferde, etwa der Rasse Haflinger, Edelbluthaflinger oder Süddeutsches Kaltblut.
Mehrere Kaltblüter, kräftige und treue Begleiter auf vier Hufen, nennt zum Beispiel die Familie von Josef Braun vom Braunhof in Bad Feilnbach ihr Eigen. Für Vater und Sohn, die beide Josef heißen, gehört die Wallfahrt in Lippertskirchen und die Wallfahrt am Vortag in Hundham, 9. November, (Beginn 9.15 Uhr), zu Ehren des heiligen Leonhards zum unverzichtbaren Bestandteil der christlichen Feste im Jahreskreis. Sie finden, dass dieser Brauch, Gottes Segen und Fürsprache im Namen des legendären Abts und Diakons aus Noblat, nahe der französischen Stadt Limoges, zu erbitten, immer noch zeitgemäß ist.
Der Einstieg in die Leonhardi-Tradition begann für Sepp Braun senior, als er 1983, das erste Kaltblutfohlen „Fanni“ im Wert von 2000 D-Mark ersteigerte. Der quicklebendige Neuzugang für den Hof stammte aus Brannenburg. Mithilfe von Johann Kirchberger aus Aich am Auerberg (Gemeinde Fischbachau) wurde die junge Stute 1984 als Zugtier trainiert. Das funktionierte sehr gut.
Im Winter 1985 wurde „Fanni“ erstmals eingespannt. Ihr Talent gab Anlass, sie zunächst auf das Einspännerfahren an Leonhardi vorzubereiten. 1986 wurde sie dann mit einem Kaltblutpferd der Landwirtsfamilie Rechenauer vom „Schorl-Anwesen“ zusammengespannt. Die beiden Pferde zogen an Leonhardi in diesem Jahr den geschmückten Wagen mit den Miederdirndln aus Litzldorf.
In den darauffolgenden Jahren bereicherte „Fanni“ die Gespanne von Georg Vogt vom Aich-Anwesen in Lippertskirchen. Auf dem angespannten Wagen saßen die ledigen „Aktiven Trachtler“ des Trachtenvereins Edelweiß Dettendorf-Kematen.
Die Verbindung dieser Leonhardi-Gemeinschaft als Vierer-Gespann sollte 25 Jahre andauern. Vor gut zwölf Jahren folgte mit der Freundschaft zwischen Sepp Braun junior und Andreas Kriechbaumer, aktuell Vorsitzender vom eigenständigen „Leonhardiverein Lippertskirchen“, ein Wechsel in der Ausrückformation mit insgesamt vier vorgespannten kraftvollen Kaltblutpferden.
Diese vier Pferde dürfen seither die Schalkfrauen vom Trachtenverein D’ Jenbachtaler Bad Feilnbach auf Prozessionswegen die Wallfahrtskirchen in Hundham und im heimischen Lippertskirchen umrunden.
Vorreiter des inzwischen traditionsreichen Gespanns war in früheren Jahren der „Daveicht-Sepp“, Josef Litzlfelder aus Bad Feilnbach. Seit ein paar Jahren reiten die Töchter Andreas Kriechbaumers, Bernadette und Franziska, dem Gespann voraus. Als Bremser fungiert Bernhard Bocksberger.
Besonders Stolz ist der „Braun Seppi“, der als verheirateter Familienvater mit zwei Kindern 2022 den Braunhof übernahm, auf das Pferdegeschirr, das 2010 erworben wurde. Es ist eines der letzten Kunstwerke, die Sattlermeister Johann Moosegger aus Brannenburg in feinster Handarbeit anfertigte.