Musik und Schicksal einer Familie: „Meine Kindheit war selig“

von Redaktion

Josef Brustmann liest aus seinem neu erschienenen Buch

Bad Aibling – Josef Huber, der Großvater mütterlicherseits, war bekannt für seine außergewöhnlich schöne Singstimme und sein Talent, verschiedene Instrumente wie Geige und Klarinette zu spielen. In der Kirche oder bei Dorffesten erregte er mit seinem Gesang Ehrfurcht. Doch trotz seiner musikalischen Begabung verfiel er der Trunksucht und erfror eines Nachts auf einer kalten Bank. Seine Leidenschaft für Musik lebt jedoch in der mittlerweile großen Familie weiter.

In ärmlichen
Verhältnissen

Eine Generation später heiratete eine Tochter von Josef Huber Alois Brustmann. Alois musste früh das Erbe als Bauer antreten, nachdem sein Vater, der Kürschner-Bauer, den Freitod gewählt hatte. Der Krieg prägte Alois‘ Leben, währenddessen seine Frau, die Schwiegermutter und drei kleine Kinder aus Tschechien nach Oberbayern ausgewiesen wurden. Nach zehn Jahren in ärmlichen Verhältnissen erhielt die Familie einen Lastenausgleich. Mit diesem und eisernem Sparen konnten sie ein Reihenhaus in Wolfratshausen erwerben.

Arbeit und bittere Armut bestimmten das Leben der Familie, die auf neun Kinder anwuchs, von denen zwei früh starben. In der Familie wurde stets gesungen, oft mehr als gesprochen. „Wenn man singt, hat man keine Zeit zum Streiten“, lautete die Devise.

All diese Erlebnisse und mehr schildert Josef Brustmann in seinem Buch „Jeder ist wer“. Er berichtet von Tapferkeit, Fleiß und Zusammenhalt. „Meine Kindheit war armselig, aber selig“, sagte der Autor gegen Ende seiner Lesung. Er erinnerte sich an das Spielen an der Isar und das abendliche Heimkommen. Auch das Gebet war Teil des Alltags, die Mutter schnitt kleine Kreuze in das frisch gebackene Brot.

Der große Sitzungssaal des Rathauses war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Zuhörer lauschten gebannt, sodass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Brustmann trug seine Erzählungen ruhig und unaufgeregt, aber mit innerer Beteiligung vor und begleitete die Lesung gelegentlich mit Zitherspiel. Der Applaus wollte kein Ende nehmen. Ute Bößwetter

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