Im Schritttempo zur Windenergie

von Redaktion

Spektakuläre Lieferung nach Feldkirchen-Westerham: Derzeit werden Teile der Windkraftanlage, die im Waldstück Riedholz entsteht, per Schwertransport von Aying nach Großhöhenrain gebracht. Bei den Dimensionen der Bauteile ist das oft Millimeterarbeit.

Feldkirchen-Westerham/Aying – Die Errichtung der ersten großen Windkraftanlage im Landkreis Rosenheim, die in der Nähe von Großhöhenrain bei Feldkirchen-Westerham entsteht, schreitet unaufhörlich voran. Derzeit allerdings im Schritttempo. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn per Schwertransporte werden aktuell neben Elementen für den Stahlturm der Anlage auch die drei Flügel an den Bestimmungsort im Waldstück Riedholz geliefert. Ein spektakulärer Transport, wie bereits die Lieferung des ersten Flügels am Montag zeigte.

Volle Aufmerksamkeit bei den Arbeitern

Auch wenn am Mittwoch kein Transport vorgesehen war – auf dem zum Lagerplatz für die Transportteile umfunktionierten Feld an der Staatsstraße 2078, kurz hinter dem Ortsausgang von Peiß bei Aying (Landkreis München) und dem Bahnübergang am S-Bahnhof Aying, herrscht auch an diesem Tag bereits gegen 8.30 Uhr reges Treiben. Denn das Verladen der Elemente auf die Transportfahrzeuge fordert die volle Aufmerksamkeit der Arbeiter, damit sich der Tross, wie derzeit geplant, am heutigen Donnerstag wieder mit einem Rotorblatt in Richtung Großhöhenrain in Bewegung setzen kann.

Was natürlich bei einer Flügellänge von fast 80 Metern kein leichtes Unterfangen ist, wie sich beim Premieren-Transport am Montag zeigte. Im Schritttempo, manchmal auch noch deutlich langsamer, führte die Tour von Peiß aus über Göggenhofen und Großhelfendorf in Richtung Kleinhelfendorf. Weiter ging‘s über Ober- und Unterlaus, an Elendskirchen vorbei und bis zur Abzweigung ins Waldstück Riedholz kurz vor Großhöhenrain, wo bereits der größte Teil des Windradturms, zusammengesetzt aus Betonteilen, in die Höhe ragt.

„Bislang liefen die Fahrten einwandfrei“, sagte Florian Lechner, einer der beiden Geschäftsführer der Bürgerwind Riedholz GmbH, die für die Windkraftanlage verantwortlich zeichnen, gegenüber dem OVB. Angaben, die auch die Polizei aus ihrer Sicht bestätigen konnte. „Uns sind derzeit keine Probleme aufgrund der Schwertransporte bekannt“, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Bad Aibling.

Per Funk bedienbare Transporter im Einsatz

Das ist aufgrund der Dimensionen der Transporte der Windanlagen-Teile keineswegs selbstverständlich. So werden beispielsweise die fast 80 Meter langen Windradblätter per sogenanntem Selbstfahrer – einem per Funk bedienbaren Transporter – im Schritttempo durch die engen Gassen, beispielsweise am Kreisverkehr in Unterlaus, manövriert. Ein Unterfangen, das zahlreiche Schaulustige an die Straßen lockte.

Das hat sicherlich auch mit dem immensen Gewicht zu tun, das auf der exakt 10,8 Kilometer langen Strecke zwischen dem Verladeplatz bei Peiß und dem Standort der Windkraftanlage im Waldstück Riedholz zusammenhängt. So bringen die Turmsegmente aus Stahl ein Gewicht von rund 80 Tonnen auf die Waage, die Flügel nochmals ein Gewicht von jeweils rund 25 Tonnen.

Auch riesiger Kran wird angeliefert

In den kommenden Tagen werden nun unter anderem die beiden verbliebenen Rotorblätter nach Großhöhenrain transportiert. Genaue Zeitangaben kann die Bürgerwind Riedholz GmbH nicht machen, da die Transporte in enger Absprache mit verschiedenen Behörden erfolgen. Mit einem Abschluss sei aber bis zum Wochenende, 2./3. November, zu rechnen. Bis dahin könnte es hin und wieder noch zu Behinderungen auf der Strecke für Verkehrsteilnehmer kommen.

Wenn dann alle Bauteile vor Ort sind, wartet das Bauteam auf die Anlieferung des riesigen Krans, der ebenfalls per Schwertransport nach Großhöhenrain bewegt wird. Dieser wird schließlich die Aufgabe haben, die Flügel an ihren Bestimmungsort an die Spitze des Turms zu hieven.

Lechner geht davon aus, dass der Kran bereits in der Woche nach Allerheiligen geliefert wird. Denn dass sein terminlicher Wunsch rund um die Windkraftanlage in Erfüllung gehen wird, daran glaubt der Bürgerwind-Geschäftsführer ganz fest: „Ich bin sehr optimistisch, dass sich das Windrad noch in diesem Jahr drehen wird“, sagt Lechner, verweist aber darauf, dass die Abnahme der Anlage erst im kommenden Jahr erfolgen werde.

Investitionssumme: knapp 9,5 Millionen

Ein Ziel hat das Unternehmen jedenfalls schon erreicht: „Wir haben das Geld, das wir benötigen, zusammen“, sagt Lechner in Hinblick auf die Investitionssumme von knapp 9,5 Millionen Euro. Wobei alleine die Anlage mit rund sieben Millionen Euro zu Buche schlägt. Eine Investition, an der um die 100 Bürger aus dem Umfeld des Anlagen-Standorts, die Anteile im Wert zwischen 5000 und 100000 Euro erwerben konnten, beteiligt sind. Laut von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geprüftem Verkaufsprospekt zur Windkraftanlage Riedholz wird für die Anleger ein durchschnittlicher Ausschüttungsgewinn von 4,92 Prozent pro Jahr bei einer kalkulierten Betriebsdauer von 20 Jahren prognostiziert.

Die Anwohner werden in den kommenden Tagen die weiteren Schwertransporte von Peiß nach Großhöhenrain aufmerksam verfolgen – vielleicht sogar als Zuschauer am Straßenrand. Und die Daumen drücken, dass die Anlage bald steht, der Rotor sich dreht und bald Strom ins Netz eingespeist werden kann. Denn auch wenn es derzeit nur im Schritttempo vorangeht. Der Moment, in dem sich die Windkraftanlage das erste Mal drehen wird, scheint in greifbarer Nähe zu sein.

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