Feldkirchen-Westerham – Wenn es im Innenhof zu heiß ist, könnte da nicht die Anlage eines kleinen Teiches eine prima Idee sein? Auf den ersten Blick schon, wenn da nicht die Mücken wären, die ein Teich mit sich bringt. Die Krankheiten, die sie übertragen können, sind gerade für ältere Menschen nicht ungefährlich. Die Diskussion im Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt in Feldkirchen-Westerham zeigte es: Auch beim Versuch einer Anpassung an den Klimawandel steckt der Teufel oft im Detail. Und Maßnahmen, die ein Problem zu beseitigen scheinen, machen nicht selten an anderer Stelle ein neues Fass voller Schwierigkeiten auf.
Seniorenheim auf
dem Klimaprüfstand
Anlass für den Workshop war das Bemühen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Oberbayern, ihre Seniorenheime „klimawandeltauglich“ zu machen. Dazu nützt man ein Programm des Bundesumweltministeriums zur „Klimaanpassung sozialer Einrichtungen“, mit dessen Hilfe man in Feldkirchen-Westerham das Problem von Grund auf angehen will. Also es nicht nur beim Kauf einiger zusätzlicher Sonnenschirme und Jalousien zu belassen, sondern einmal das gesamte Gelände – Haus wie Freiflächen – genauestens auf den Prüfstand zu stellen. Die Seniorenanlage in Feldkirchen-Westerham wird damit zu einer Art Leuchtturmeinrichtung – ein Modellprojekt nicht nur für die Heime der Arbeiterwohlfahrt in Bayern, sondern durchaus auch für andere ähnliche Einrichtungen im gesamten „heimischen“ Landkreis.
Erster Schritt im Projekt ist die Erstellung eins Klimaanpassungskonzeptes. Dabei geht es zunächst um die Frage, wo Verbesserungsbedarf zu erkennen ist, um in der Folge dann entsprechende Maßnahmen ausarbeiten zu können. Das Besondere dabei: Die Suche nach Schwachstellen erfolgt nicht „von außen“, also nicht etwa von einem Ingenieurbüro, das die Anlage in Augenschein nimmt und dann den Bewohnern wie auch dem Personal der Einrichtung mitteilt, wo ihre Probleme liegen. Sondern die Veränderungswünsche sollen vor allem von „innen“ kommen, also von denen, die tagtäglich mit den konkreten Klimafolgen vor Ort konfrontiert sind.
Allerdings ist Enver Krivaca, der Leiter der Einrichtung, von einem überzeugt: Es ist wichtig, diese Innensicht in einen breiteren Rahmen einzubetten. Deshalb lud er zu dem ersten Workshop nicht nur Vertreter von Personal und Bewohnern ein, sondern auch jene, die sich in der Gemeinde wie im Landkreis und auch darüber hinaus professionell mit der Klimaanpassung auseinandersetzen.
Und der Verlauf des Workshops gab ihm recht. Nicht nur die Idee mit dem Teich und dem darauffolgenden Einwand von Dr. Julia Schoierer vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltministerium der Münchner Universität zeigten es. Es gab vielmehr viele solcher Aha-Erlebnisse, bei denen klar wurde, wie wichtig ein „Gesamtblick“ ist. Etwa bei der Idee einer Fassadenbegrünung, vor der Kreisbrandrat Richard Schrank nur warnen konnte, wenn sie durchgehend von unten nach oben ausgeführt werde: Dadurch werde einem Feuer, das etwa im Erdgeschoss ausbräche, eine Art Autobahn über die gesamte Gebäudehöhe hinweg eröffnet.
Es war aber durchaus nicht so, dass man mit den Ideen des Workshops immer nur in Einbahnstraßen gelandet wäre. Es zeigten sich vielmehr in der Diskussion oft auch Auswege. Etwa für die Fassadenbegrünung nur solche Pflanzen zu nehmen, die zwingend auf eine Rankhilfe angewiesen seien. Damit könnte eine Begrünung erreicht werden, ohne damit die komplette Fassade von unten bis oben bedecken zu müssen. Auch beim von Mücken bevölkerten Teich zeigte sich eine Möglichkeit: Fische im Teich, eventuell auch Frösche, könnten helfen, das Problem reduzieren.
Kurz: Der Workshop war ein voller Erfolg. Er zeigte nicht nur die Punkte auf, die Bewohnern wie Personal am Herzen liegen, sondern wies darüber hinaus auch erste Lösungsmöglichkeiten auf. Möglichkeiten die nicht beim weiteren Nachdenken sofort an einem „Ja, aber“ scheitern werden, eben weil sie schon bei ihrer Entwicklung auf dem Prüfstand der zehn Diskussionsteilnehmer standen.
Erste Vorschläge sind
fürs Frühjahr geplant
Daniel Willeke jedenfalls, der mit seinem Team den Weg der Klimaanpassung über ein Jahr hinweg begleiten wird, konnte aus dem Workshop eine ganze Fülle von Punkten mitnehmen, bei denen Verbesserung erwünscht wird. Die „Top-Zehn“ daraus werden im Detail auf Lösungsmöglichkeiten hin untersucht werden, entsprechende Vorschläge sind für den Frühsommer nächsten Jahres zu erwarten. Spätestens dann wird die Einrichtung in Feldkirchen-Westerham als Beispielanlage für den gesamten Landkreis und darüber hinaus dienen können.