Leonhardiritt in Biberg

von Redaktion

Segnung von 30 Reitern und Pferden, zwei Ponys sowie fünf Kutschen

Biberg – Der Festtag des Heiligen Leonhard wurde in Biberg auch in diesem Jahr wieder mit großer Hingabe gefeiert. Das herrliche Herbstwetter trug zur besonderen Atmosphäre des Tages bei. Die Feierlichkeiten begannen am vergangenen Mittwoch um 9.30 Uhr mit dem Rosenkranz, gefolgt vom Patroziniumsamt, das der Kirchenchor feierlich mitgestaltete. Pfarrer Richard Basta erinnerte daran, dass der heilige Leonhard ein großes Herz für die Menschen hatte und auf Reichtum verzichtete. In den Fürbitten gedachte man der Wallfahrer, der Heimat und der Menschenwürde.

Tradition 1988 wiederbelebt

Leonhard, geboren in Limousin im heutigen Zentralfrankreich, war ein begnadeter Prediger, der das Kloster Noblac gründete. Nach seinem Tod wurde er zum Schutzpatron der Pferde, und im Jahr 1109 wurde ihm zu Ehren die erste Kirche geweiht. Seit dem 15. Jahrhundert ist er ein bedeutender Volksheiliger, besonders in Süddeutschland. In Biberg werden seit Langem der Leonhardiritt und die Pferdesegnung abgehalten. Bereits zur Zeit des Beyhartinger Klosters soll der Ritt stattgefunden haben. Bis 1966 wurde die Tradition gepflegt, dann jedoch wegen Pferdemangels eingestellt. Seit der Wiederbelebung 1988, unterstützt durch den damaligen Pfarrer Pater Josef Ilias und Kirchenpfleger Sepp Heller, wird die Tradition, mit einer Pause in den Corona-Jahren, fortgeführt.

Ein Zeitungsbericht des OVB aus dem Jahr 1927 bezeugt die Tradition: Nach dem Gottesdienst bestieg der Pfarrherr von Schönau, H. H. Pauliel, einen schneidigen Rappen, und der Zug setzte sich in Bewegung. Voran fuhr ein Zweispänner mit der Schönauer Musik, gefolgt von weiteren sechs geschmückten Fuhrwerken. Dazwischen trabten über 40 Reiter. Fast wie in diesem Jahr: 30 Reiter, zwei Ponys und fünf Kutschen nahmen am Biberger Fest teil.

In der Biberger Kirche zeugen einige Bilder des Heiligen an der Emporenbrüstung aus dem 17. Jahrhundert von den Stationen seines Wirkens. Während in vielen anderen Orten das Leonhardi-Fest am Wochenende gefeiert wird, findet es in Biberg immer am Namensfest, am 6. November, statt.

Im Anschluss an den Gottesdienst fand der dreifache Leonhardiumritt statt. Pfarrer Basta und Diakon Josef Hilger segneten die vorbeifahrenden Pferde, Reiter und Kutschen. Der Segen soll auf Mensch und Tier übergehen und das tägliche Leben erleichtern. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Biberger fertigten Standarte selbst an

Die mitgeführte Standarte des heiligen Leonhard dient als Orientierungshilfe auf dem Lebensweg und führt den Umritt an. Die Standarte wurde 2005 in Eigenleistung angeschafft. Hans Weigl erinnert sich: „Meine Frau und meine Schwägerin stickten und nähten sie.“ Darauf sind sie in Biberg noch heute stolz, denn dadurch sparten sie viel Geld. „Und eine Standarte wollten wir schon lange“, ergänzte Weigl. Man behalf sich damals mit einer Standarte aus den Nachbarorten. Die Fahnenstickereien waren von der Initiative der Biberger jedoch nicht begeistert, schilderte ein schmunzelnder Hans Weigl.

Viele Zuschauer säumten an diesem Herbsttag die Straßen von Biberg und beklatschten die geschmückten Rösser und die gut vertretenen Truhenwägen. Nach dem Umritt kam das Weltliche in den Vordergrund. Die Biberger verkauften beim Schmiedmeister Weißwürste und Wiener sowie selbst gebackene Kuchen. Dazu gab es Glühwein und Punsch.

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