„Ein eigenes Dach ist ein Privileg“

von Redaktion

Hans Urban kommt am Donnerstag für einem Vortrag über PV-Anlagen nach Aibling

Bad Aibling – Wie sinnvoll ist es heutzutage eigentlich, eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren? Oder welchen Beitrag kann jeder auch im Kleinen für den Klimaschutz leisten? Fragen, mit denen sich Hans Urban seit langer Zeit beschäftigt. Der studierte Elektrotechniker sammelte viele Jahre Berufserfahrung im Bereich Photovoltaik, E-Mobilität und erneuerbare Energien im Allgemeinen.

Als Fachmann und als langjähriger Gemeinderat und Umweltreferent in Haag reiste er bereits in viele Städte und Gemeinden und teilte bei Vorträgen seine Expertise. Nun hat ihn auch die Stadt Bad Aibling zu einem kostenlosen Vortrag am Donnerstagabend, 14. November, ins Aiblinger Rathaus eingeladen. Vorab hat der 60-Jährige mit dem OVB über die Chancen von PV-Anlagen gesprochen und verraten, was Hausbesitzer beachten sollten.

Herr Urban, welche Stimmung beobachten Sie aktuell in der Gesellschaft, wie groß ist das Interesse derzeit an erneuerbaren Energien überhaupt?

Grundsätzlich ist das Interesse schon gegeben. Allerdings hatten wir während der großen Energie-Krise vor ein paar Jahren einen deutlich stärkeren Boom, was damals natürlich mit den enorm steigenden Preisen zusammenhing. Deshalb war das Interesse an erneuerbaren Energien schon mal größer als jetzt. Hauptaugenmerk liegt für viele Menschen natürlich auf den Kosten, da man sich mit einer PV-Anlage auf dem Dach Geld sparen möchte. Der Klimagedanke steht meist an zweiter Stelle.

Warum wollen Sie Menschen unbedingt dazu ermutigen, sich gerade mit PV-Anlagen zu beschäftigen?

Weil es Hausbesitzern eine relativ einfache Möglichkeit bietet, damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Die Klimakrise ist ein Riesenproblem, das uns längst umgibt. Wir müssen weg von den fossilen Brennstoffen. Natürlich sind Photovoltaikanlagen nicht die Lösung aller Probleme, aber jeder kann dadurch etwas tun. Und jeder Einzelne kann zudem dadurch Geld sparen.

Mit welchen Kosten muss man als Privatperson für die Installation rechnen?

Natürlich gibt es hier eine große Spanne. Jedoch sind die Anlagen, die früher sehr teuer waren, heute keine Riesenanschaffung mehr. Eine PV-Anlage für das Dach eines Einfamilienhauses bekommt man schon unter 10000 Euro. Zudem wurden die steuerlichen Bedingungen hierfür extrem vereinfacht. Wer also die Chance hat, sollte diese möglichst ergreifen, denn auch finanziell lohnt sich eine PV-Anlage auf nahezu jedem Dach. Und auch der Aufwand hält sich in Grenzen, die Installation kann in ein bis zwei Tagen abgeschlossen sein.

Was sollten Hausbesitzer noch über die finanziellen Faktoren einer PV-Anlage wissen?

Früher hat man sich oft eine Photovoltaikanlage auf das Dach gebaut, um etwas ins Netz einzuspeisen und damit Geld zu verdienen. Darum geht es heute nicht mehr. Mittlerweile hat man eine PV-Anlage auf dem Dach, um sich Energiekosten zu sparen. Das gilt für Privathaushalte genauso wie für Firmeninhaber. Entscheidend ist, erhöhte Kosten beim Energiebedarf zu vermeiden. Früher sprach man oft von einer „Anschaffung für Reiche“, was sich heute fast vollständig umgekehrt hat. Wer ein eigenes Dach hat, genießt ein Privileg. Wer die leere Fläche nicht für eine PV-Anlage nutzt, hat es unter Umständen auch nicht nötig.

Wie aufwendig ist der Betrieb oder die Wartung einer PV-Anlage?

Natürlich gibt es für solche Geräte, wie im Übrigen auch für jeden beliebigen Küchenmixer, offizielle Prüfungsvorgaben. Normalerweise kann man aber vereinfacht sagen, dass eine PV-Anlage praktisch wartungsfrei ist und keinen Aufwand für die Hausbesitzer mit sich bringt. Zudem sind die Anlagen langlebig. Anlagen, die vor 20 Jahren auf Dächern installiert wurden, funktionieren heute immer noch. Klar ist: Es kommt auf die Leute schon etwas zu, die sich für PV-Anlagen entscheiden.

Inwiefern?

Im rein positiven Sinne. Die Erfahrung zeigt, dass die Menschen, die sich mit dem Thema befassen, Freude damit haben. Sie merken, dass ordentlich etwas runterkommt, auch wenn die Sonne nicht besonders toll scheint. Sie merken, dass es Spaß macht, Teil der Energiewende zu sein. Bei meinen Vorträgen frage ich immer, wer schon Berührungspunkte mit PV-Anlagen hat. Dabei gehen dann die gleichen Hände hoch, wie bei der anschließenden Frage, wer es noch mal tun würde.

Welche Rolle spielt die Dachneigung?

Die Dachausrichtung oder die Neigung spielt eigentlich fast keine Rolle mehr. Bedeutet, dass die Installation fast auf jedem Dach sinnvoll und ökologisch wäre. Und wer nicht die Möglichkeit hat und beispielsweise zur Miete wohnt, der könnte alternativ über eine PV-Anlage auf dem Balkon nachdenken.

Wie profitieren Sie privat von Photovoltaik auf dem Dach?

Die benötigte Leistung der PV-Anlagen ist natürlich sehr vom Nutzerprofil der Hauseigentümer abhängig. Beispielhaft kann ich meine Familie nennen, in der es mittlerweile drei E-Autos gibt. Sie alle werden neun Monate im Jahr komplett vom Strom der PV-Anlagen aufgeladen. Ohne Benzin, ohne CO2-Abdruck.

Interview: Nicolas Bettinger

Vortrag am14. Novemberim RathausBad Aibling