Feldkirchen-Westerham – 11,4 Prozent mehr für Schokolade, 11,7 Prozent für Gurken, gar 20,5 Prozent mehr für Orangensaft: So sieht nach Angaben der Verbraucherzentrale der Preisanstieg für diverse Lebensmittel im Zeitraum zwischen Juni 2023 und Juni 2024 aus. Eine Preissteigerung, die Teile der Feldkirchen-Westerhamer Bevölkerung fast schon als lachhaft empfinden dürften. Müssen die Feldkirchner doch bereits seit 1. November 2024 fast 60 Prozent mehr für ihr Wasser bezahlen.
Enorme
Mehrkosten
„Dieses Thema ist mir wirklich unangenehm“, sagte Feldkirchen-Westerhams Bürgermeister Johannes Zistl jetzt bei der Bürgerversammlung, zu der rund 100 Feldkirchen-Westerhamer erschienen waren. „Es ist eines der unangenehmsten Themen, die wir in den letzten eineinhalb Jahren gehabt haben.“ Der Rathauschef bezog sich dabei auf die Wasserversorgung für Feldkirchen, dessen Versorgungsgebiet sich unter anderem auf die Gemeindeteile Feldkirchen, Altenburg, Aschbach, Reit, Unterlaus, Oberlaus, Walpersdorf, Aschhofen und Wertach erstreckt. Andere Gemeindeteile wie beispielsweise Vagen oder Feldolling sind nicht betroffen, da sie ihr Wasser von einem anderen Verband beziehen. Die betroffenen Bürger aus Feldkirchen und Co. müssen seit dem 1. November eine, laut Zistl „extreme Teuerung“ schlucken. So sind die Verbrauchsgebühren pro Kubikmeter Wasser, was 1000 Litern entspricht, zum 1. November von 1,83 auf 2,92 Euro brutto gestiegen. Hinzu kommt eine neue Zählergebühr in Höhe von 120 Euro für den Standardzähler. Vor dem 1. November lag diese Gebühr noch bei 60 Euro. Für einen durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt, der geschätzt rund 90 Kubikmeter Wasser im Jahr verbraucht, bedeutet das nach Angaben der Gemeinde Mehrkosten alleine beim Verbrauch von über 90 Euro.
Hinzu kommen zusätzliche 60 Euro für die Erhöhung der Zählergebühr. „Mir tut es wahnsinnig leid für die Großabnehmer, die nicht nur Industrielle, sondern vor allem Landwirte sind“, sagte Zistl, der aber betonte: „Uns bleibt Stand jetzt nichts anderes übrig“. Auch wenn „da Einzelfälle dabei sind, die es richtig hart trifft“. Als Grund für die massive Preissteigerung führt die Gemeinde die „unerwartet hohen Baukosten“ des neuen Hochbehälters Aschbach, der heuer fertiggestellt worden ist und rund 2,8 Millionen Euro gekostet hat, sowie steigende Kosten für Unterhalt, Personal und Strom ins Feld. Dadurch habe sich nach Angaben der Kommune „ein hohes Defizit ergeben, welches verpflichtend in den nächsten vier Jahren auszugleichen ist“.
Nach Angaben von Bürgermeister Zistl hätte es zwar noch eine andere Möglichkeit gegeben, das Defizit auszugleichen. Von dieser Möglichkeit habe die Gemeinde aber bewusst Abstand genommen.
Einmalzahlungen
der Anschlussnehmer
Denn in Hinblick auf den Bau des Hochbehälters hätte von den Verbrauchern sogenannte Verbesserungsbeiträge erhoben werden können, also Einmalzahlungen aller Anschlussnehmer. „Man hat sich damals dagegen entschieden“, stellte Zistl klar, „denn es wäre genau zum Zeitpunkt von Corona gewesen, wo viele unsicher waren, wie es mit der Arbeit und sonstigen Ausgaben weitergeht“.
Wassernetz
wird überprüft
Wichtig sei nun in den Augen des Rathauschefs „was wir mit dieser Information anfangen“. Und da haben Zistl und sein Gemeinderat bereits einen Plan. „Wir schauen uns jetzt dieses Wassernetz komplett an“, verspricht der Bürgermeister, der beispielsweise die Feldkirchener Versorgung mit Nachbarwasserverbänden vergleichen will und dabei auf Einsparpotenziale hofft. Zistl: „Ich habe eine Machbarkeitsstudie im Sinn, wo man jetzt einfach mal Synergien mit anderen Wasserversorgern besprechen kann.“
Verbrauchskosten
könnten sinken
Zudem machte der Rathauschef den Verbrauchern zumindest für den kommenden Kalkulationszeitraum von 2028 bis 2032 Hoffnung auf niedrigere Verbrauchskosten. „Da wird der Wasserpreis vermutlich wieder runtergehen“, glaubt Johannes Zistl, „weil dann die Verluste aus dem letzten Kalkulationszeitraum wieder aufgezehrt sind.“ Wobei er aber auch deutlich machte: „Versprechen kann ich es natürlich nicht.“