Mehr Wertschätzung fürs Handwerk

von Redaktion

Experten diskutieren an Staatlicher Berufsschule über Stellenwert und Zukunft

Bad Aibling – Den Auftakt zum „Tag des Handwerks“ bildete an der Staatlichen Berufsschule neben dem Besuch von Ministerpräsident Dr. Markus Söder eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion.

Vor rund 200 geladenen Gästen, darunter mehrere Landtagsabgeordnete, der oberbayerische Regierungspräsident Dr. Wolfgang Schober, einige Bürgermeister sowie hochrangige Vertreter aus dem Schulbereich und der Wirtschaft, sprachen Professorin Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung, Landrat Otto Lederer, Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, und Ministerialdirigent Dr. Robert Geiger vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus über Themen wie das Image des Handwerks.

Guter Zugang
ins Leben

„Wir wollen, dass das Handwerk an allen Schulen einen Stellenwert bekommt – weg von dem Klischee ‚schwer, schmutzig und nur für Jungs‘“, konstatierte Peteranderl.

Professorin Münch sah als Problem, dass die Akademisierung über viele Jahre für „der Weisheit letzter Schluss“ gehalten wurde. Dabei biete das Handwerk einen guten Zugang ins Leben, den man in akademischen Berufen oft nicht habe. Dr. Geiger pries die erfolgreiche duale Ausbildung als ideale Verbindung von Theorie und Praxis an. „Von 332 bundesweit angebotenen Ausbildungsberufen werden 250 an bayerischen Berufsschulen unterrichtet, sie genießen die besondere Unterstützung des Kultusministeriums.“ Landrat Otto Lederer zitierte einen Ausspruch von John F. Kennedy: „Bildung ist teuer, noch teurer ist keine Bildung.“ Der Landkreis investiere in die Zukunft der jungen Leute unter anderem mit der guten Ausstattung der Berufsschulen, doch dies sei nur die Hülle: „Der Erfolg kommt durch das Zusammenwirken von Schule, Ausbildungsbetrieben und Innungen.“ Hinsichtlich des Fachkräftemangels bedauerte Peteranderl, dass derzeit 2,9 Millionen junge Menschen ohne Ausbildung seien. „Sie fehlen auch im Handwerk und wir bräuchten längst nicht so viele Arbeitskräfte von außerhalb, wenn wir diese Leute in eine Ausbildung bringen würden.“ Professorin Münch sah dabei ein strukturelles Problem, unter anderem durch ungenügende Deutschkenntnisse oder fehlende Unterstützung durch das Elternhaus. Es stelle sich die Frage: „Wie kann man Migranten, die Geld heimschicken, beibringen, eine dreijährige Ausbildung zu machen, damit sie später noch mehr Geld heimschicken könnten als momentan als Pizzabote?“

Zum Thema „Digitalisierung“ erklärte Peteranderl, dass diese in den Betrieben unterschiedlich fortgeschritten sei. „Wir sind im Handwerk aber nicht viel weiter weg als in der Industrie.“ Auf die abschließende Frage des Moderators Nicolas Foltin, was passieren müsse, damit es dem Handwerk in einem Jahr besser gehe, wünschte sich Peteranderl eine noch positivere Darstellung des Handwerks und seitens der Politik die Schaffung von Rahmenbedingungen, „die länger als nur eine Legislaturperiode gelten, damit Planungssicherheit geschaffen wird“.

Dr. Geiger stellte fest: „Trotz der 430 Berufsschulen in Bayern hat die duale Ausbildung vergleichsweise einen geringen Stellenwert. Es würde mich freuen, wenn sich in den nächsten zwölf Monaten noch mehr Burschen und Mädchen für das Handwerk begeistern würden.“

Berufliche Bildung gibt Orientierung

Otto Lederers Wunsch lautete: „Wo wir gut sind, möchten wir gut bleiben, und wo es noch fehlt, soll es besser werden.“ Professorin Münch hob abschließend hervor: „Die berufliche Bildung gibt vielen Menschen die Orientierung. Das brauchen wir in unserer Gesellschaft und Demokratie.“

Am Ende der Diskussionsrunde bedankten sich Berufsschulleiter Jürgen Ersing und Kreishandwerksmeister Rudolf Schiller sowohl bei den Experten als auch den Gästen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Riederinger Musi mit flotten alpenländischen Klängen.

Zum Schluss der Veranstaltung kündigte Dr. Tobias Schüttler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt eine „DLR Space Week“ an. Sie wird in der Zeit vom 16. bis 20. Dezember 2024 unter dem Motto „Ein Landkreis hebt ab“ mit Vorträgen und einer Ausstellung stattfinden.

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