Raus aus der „Angstblase“

von Redaktion

Exklusiv Interview Bruno Jonas über die Trump-Wahl und das Ampel-Aus

Feldkirchen-Westerham – Mit seinen Kabarett-Programmen tourt er seit Jahrzehnten durch ganz Deutschland, hat in der Rolle als Bruder Barnabas mehrere Jahre auf dem Münchner Nockherberg Politgrößen die Leviten gelesen.

Am kommenden Samstag, 23. November, ist Bruno Jonas (71) mit seinem aktuellen Programm „Meine Rede“ beim Kulturherbst Feldkirchen-Westerham zu Gast. Ob die derzeitige politische Weltlage für Kabarettisten ein Schlaraffenland ist, wieso er vor der Angstblase warnt und warum er derzeit Schadenserweiterung statt Schadensbegrenzung wahrnimmt, hat der gebürtige Passauer im Interview mit dem Mangfall-Boten verraten.

Von der Wahl des US-Präsidenten bis zum Ampel-Aus in Deutschland: Als Kabarettist greifen Sie für Ihr Programm oftmals aktuelle Entwicklungen in Deutschland und in der Welt auf. Ist die aktuelle Weltlage für Sie und Ihre Arbeit also ein Schlaraffenland?

Es ist erst mal ein Stoffangebot. Ich würde das jetzt nicht gleich bewerten. Schlaraffenland heißt, man muss da nur reingehen in die Thematik und schon hat man die Pointen. So sehe ich das nicht. Der satirische, kabarettistische Zugriff auf den Stoff muss schon erarbeitet werden. Manches, was ich jetzt in den Medien gelesen und auch zum Teil im Fernsehen gesehen habe – sowohl in Hinblick auf die Vereinigten Staaten als auch bei uns hier in der Bundesrepublik – ist natürlich kabarettistisch gut verwertbar. Aber man muss dann schon eine eigene satirische Perspektive dazu entwerfen. Wobei es schwierig ist, die Fakenews von Donald Trump noch zu übertreiben.

Geraten Sie da manchmal in einen Zwiespalt, wenn Sie sich auf der einen Seite als Kabarettist über manche Entwicklungen freuen, diese Ihnen aber als Privatperson auch Angst machen können?

Als Kabarettist sehe ich das erst mal als Angebot, daraus Funken zu schlagen, daraus Pointen zu produzieren. Als betroffener Bürger hab ich natürlich auch Befürchtungen. Auch, weil wir durch die Medien permanent mit Ängsten versorgt werden. Schon vor der Wahl in den Vereinigten Staaten hab ich durch die Berichterstattung das Gefühl vermittelt bekommen, dass ich selbst Harris oder Trump wählen kann. Ich hab mir gedacht: „Leute, ich kann weder die Frau Harris noch den Herrn Trump wählen. Sondern ich muss, wir müssen mit dem Ausgang der Wahlen in den USA leben. Egal, wie die Amerikaner gewählt haben.“

Sie sehen das also
eher pragmatisch?

Ja, natürlich. Ich war bislang ein einziges Mal in den USA, für eine Woche in New York. Ich traue mir kein fundiertes Urteil über die politischen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten zu. Ich nehme nur wahr, was in den Zeitungen steht, was über die Medien, Fernsehen, Internet und so weiter mir zugespielt wird. Mir ein fundiertes Urteil zu bilden, fällt mir schwer. Ich habe auch mit Amerikanern gesprochen. Die sehen es schon ein bisschen differenzierter. Daher lasse ich mich ungern in eine Angstblase versetzen bei diesem Thema. Jetzt müssen wir mal schauen, was dieser Herr Trump alles macht. Es tut mir leid, aber er ist demokratisch gewählt. Es ist Demokratie, was wir hier beobachten.

Zurück nach Deutschland. Wie bewerten Sie das Aus der Ampel-Koalition?

Dass wir jetzt zuschauen, wer da wem die Schuld zuschiebt, ist ein gängiges Verfahren in der Politik. Das ist üblich, es gilt das Prinzip der Schadenserweiterung. Das hat man die vergangenen Tage gut beobachten können. Da schiebt einer dem anderen die Schuld zu. Als die Ampelkoalitionäre noch im Streit vereint waren, da haben sie ja immer die Schuld bei Frau Merkel gesucht.

Was erwarten Sie denn in den kommenden Wochen für eine Stimmungslage in Deutschland in Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl?

Ich bin kein Journalist, der etwas erwartet. Ich nehme, was kommt. Was nützt es uns, wenn wir jetzt darüber nachdenken, was uns erwartet, und dann kommt es ganz anders. Manchmal denkt man, da kommt nichts und dann kommt etwas, und man denkt: „Hätt‘ ich nicht gedacht.“ Wir müssen mit dem leben, was passiert.

Wie würden Sie den Begriff Kabarett definieren?

Jahrelang trat das sogenannte linke Kabarett als Fortsetzung der SPD mit satirischen Mitteln auf. Diese Auffassung hat sich in meinen Augen komplett gewandelt. Ich sage immer: Kabarett ist, wenn man trotzdem denkt. Links? Rechts? Konservativ? Oder fortschrittlich? Solche Einordnungen helfen nicht weiter. Ich plädiere dafür, politische Entscheidungen im Lichte von richtig oder falsch, sinnvoll, weniger sinnvoll oder sinnlos zu beurteilen. Als Kabarettist beobachte ich das politische Geschehen. Was da an Stoff geboten wird, den ich bearbeiten darf, das ist mein Beruf. Ich habe den Eindruck, dass viel Sinnloses in Berlin produziert wird. Egal ob das von links oder rechts kommt. Was ist denn beispielsweise an der sogenannten Friedenspolitik der CDU, was ist denn daran explizit rechts? Die ist ja identisch mit der von Scholz und Pistorius, mit der der SPD. Da sind sich ja alle einig.

Sie sind am Samstag,
23. November, mit Ihrem Programm „Meine Rede“ in Feldkirchen-Westerham zu Gast. Was können die Besucher
erwarten?

Was ich bereits mit der Überschrift „Kabarett ist, wenn man trotzdem denkt“ angedeutet habe. Ich kommentiere die Ereignisse nicht unter dem Aspekt von links und rechts, von fortschrittlich oder konservativ. Diese Zuschreibungen interessieren mich gar nicht. Den Zuschauer erwartet somit eine Lust am Denken – so würde ich das sagen. Ich eröffne den Abend mit mehreren Zitaten, die es eigentlich gut auf den Punkt bringen. Das erste Zitat ist von Goucho Marx: „Ich bin dagegen, also egal, was es ist.“ Das Zweite ist von Karl Lagerfeld und lautet: „Ich bin nur noch an meiner eigenen Meinung interessiert.“ Und das Dritte, das Wichtigste, ist: „Kabarett ist, wenn man trotzdem denkt.“ Diese drei Leitgedanken ziehen sich durch den ganzen Abend.

Sie präsentieren sich beim Programm „Meine Rede“ ganz im Stile eines Politikers an einem Rednerpult. Gibt es denn irgendeinen Politiker, mit dem Sie sich ein bisschen vergleichen können?

(lacht) Nein, nein, überhaupt nicht. Das muss ich gleich verneinen. Wer mich mit Politikern vergleicht, macht einen Fehler.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie im Raum Rosenheim auftreten. Gibt es etwas, das Ihnen am Mangfalltal oder an der Region Rosenheim besonders gefällt?

Es ist einfach eine tolle Gegend, es ist einfach schön da bei Euch. Das ist ein schöner Landstrich, eine wunderbare Landschaft. Da kann man sich gut aufhalten. Ich bin, glaube ich, schon 50 Jahre unterwegs. Dann kommt man natürlich in viele Regionen. Das ganze Gebiet rund um den Chiemsee gehört absolut zu den schönsten. Das merkt man ja auch, weil so viele aus anderen Regionen dieser Welt dorthin reisen.

Interview: Mathias Weinzierl

Bruno Jonas trittmit „Meine Rede“im Kultur- und Sportzentrum auf

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