Reparieren statt wegwerfen

von Redaktion

Interview Tobias Eichelberger über das Repair-Café, das Generationen verbindet

Bad Aibling Das Angebot ist noch relativ jung in der Stadt. Zweimal hat der Verein „Raum&Zeit“ bisher das Repair-Café ausgerichtet – das erste Mal noch unter Corona-Auflagen, das zweite Mal im Oktober des vergangenen Jahres. Das nächste Repair-Café findet am morgigen Samstag von 14 bis 18 Uhr im BRK-Jugendzentrum an der Westendstraße 8 statt. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, es gibt Kaffee und Kuchen.

Elektriker
gesucht

Dieses Angebot lädt Menschen dazu ein, ihre defekten Gegenstände von ehrenamtlichen Spezialisten reparieren zu lassen, statt sie wegzuwerfen. Tobias Eichelberger von „Raum&Zeit“ erklärt, dass das Café nicht nur die Umwelt schont, sondern auch Generationen verbindet. Trotz der positiven Resonanz sind mehr ehrenamtliche Helfer, insbesondere Elektriker, nötig, um die regelmäßige Durchführung zu sichern.

Herr Eichelberger, wie entstand das Projekt Repair-Café bei „Raum& Zeit“? Was waren Ihre Beweggründe?

Repair-Cafés sind Treffen, bei denen Spezialisten aller Art ehrenamtlich kaputte Dinge reparieren. Für uns als soziokulturellen Verein geht es zum einen um die Förderung der Wahrnehmung, dass man kaputte Dinge reparieren kann, statt sie wegzuwerfen und neu zu kaufen. Darüber hinaus ist das Repair-Café ein gut angenommenes Projekt für Jung und Alt. Es ist schön, gerade für ältere Menschen Dinge zu reparieren, die für sie auch oft einen ideellen Wert haben. Man kommt ins Gespräch, die Menschen freuen sich, man spricht miteinander. Genau das wollen wir mit „Raum&Zeit“ erreichen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem BRK- Jugendzentrum?

Wir haben einfach angefragt. Die Räumlichkeiten sind ideal für die Veranstaltung, in wärmeren Monaten können wir auch den Außenbereich nutzen. Außerdem half uns das BRK sehr freundlich und kompetent bei all unseren Anliegen.

Wie kommen Sie an die Ehrenamtlichen, sind das alles Vereinsmitglieder?

Das ist eine sehr gute Frage. Tatsächlich suchen wir gerade händeringend nach ehrenamtlichen Helfern, die uns unterstützen können – zurzeit auch ganz besonders Elektriker. Die Akquirierung erfolgte meist durch private Kontakte unserer Vereinsmitglieder. Grundsätzlich kann jede und jeder gern bei uns helfen und ist herzlich willkommen, eine Mitgliedschaft ist nicht notwendig. Durch die letzten Repair-Cafés wissen wir, dass unsere Besucher am meisten die Stationen Elektrik und Elektronik in Anspruch nehmen. Diese Arbeiten müssen abschließend von ausgebildeten Elektrikern mittels eines sogenannten VDE-Gerätes geprüft werden. Finden wir keine Elektriker, können wir diese Stationen nicht anbieten. Dies ist auch der Grund, warum längere Zeit kein Repair-Café stattfinden konnte.

Wie lief das letzte
Repair-Café ab? Wie war die Resonanz?

Wir waren überrascht, wie gut das letzte Repair-Café angenommen wurde. Auch die Resonanz war durchweg positiv. Es wurden circa 100 Gegenstände repariert. Die meisten im Bereich Elektrik und Elektronik: kaputte Lampen, kaputte Rasenmäher, Radios, Akkus und
Kaffeemaschinen – es gab sehr viel Unterschiedliches zu reparieren. Im Bereich Computer fragten meist ältere Menschen, wie man was wieder zum Laufen bringen könnte beziehungsweise wie etwas generell funktioniert. Ein älterer Herr zum Beispiel konnte ein über Jahre verfasstes Buch nach Wechsel eines Schreibprogramms nicht mehr öffnen, eine ältere Dame hing an einer kaputten Tiffany-Lampe. Die Fahrradstation und unsere Näherin hatten auch viel Besuch während des Nachmittags. Während der Reparatur kommt man ins Gespräch, hört Geschichten und tauscht sich aus. Es war für alle – Besucher wie Mitarbeiter – ein positives, gesellschaftliches Erlebnis. Man hat etwas repariert oder repariert bekommen und kam mit Menschen jedes Alters und aus allen Schichten ins Gespräch.

Wer kann alles
zu Ihnen kommen?

Wir freuen uns über jeden Besuch, bei uns sind alle herzlich willkommen. Auch wer nichts zu reparieren hat, kann gerne den Spezialisten über die Schulter schauen oder einfach einen Kaffee und selbst gemachten Kuchen genießen.

Ist es ratsam, vorher nachzufragen, wenn ich nicht ganz sicher bin, ob ich mit meinem Gerät oder Gegenstand im
Repair-Café richtig bin?

Da wir ehrenamtlich arbeiten, ist es uns leider nicht möglich, öffentlich Kontakt zu Fragen anzubieten. Die angebotenen Stationen finden sich auf den Flyern und Plakaten wieder. Dieses Mal bieten wir vorrangig Fahrräder, Elektrogeräte, Spielzeug, Textilien und Computer (Hard- & Software) an. Sollte sich ein Gegenstand nicht in der Liste finden, kann man trotzdem vorbeikommen, Werkzeug und der Wille, Dinge zu reparieren, sind vorhanden!

Sind noch weitere Termine für das Repair-Café geplant?

Wir sehen das Repair-Café als festen Bestandteil des Vereins „Raum&Zeit“. Es wird also sicher weitere Termine geben. Die Besucher fragen uns jedes Mal, wieso das Repair-Café nicht regelmäßig angeboten werden kann. Dies liegt zum größten Teil daran, dass wir gerade im Bereich Elektrik ehrenamtliche Mitarbeiter suchen, die uns unterstützen können. Für die Zukunft ist zumindest ein Café pro Quartal geplant. Interessenten können sich dazu auf unserer Webseite www.rundz.org informieren.

Kann man seinen Gegenstand auch da lassen und später abholen?

Nein, auch aus organisatorischen Gründen wäre das nicht möglich. Noch wichtiger ist jedoch, dass Besucher mit dabei sind bei der Reparatur und sich vielleicht später sogar auch mal selber helfen können. Es soll ein gemeinsames Erleben sein.

Interview: Eva Lagler

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