Mangfalltal unter „tiefdunklen Wolken“

von Redaktion

Das Mangfalltal darf nicht zur Schlafstätte vor Metropolregion München werden, warnt der scheidende Vorsitzende des Wirtschafts-Forums Mangfalltal, Roland Bräger. Die Entwicklung und die Probleme der heimischen Wirtschaft bereiten nicht nur ihm Sorgen. Doch es gibt auch Positives.

Bad Aibling – Das Mangfalltal darf nicht zur Schlafstätte vor Metropolregion München werden, warnt der scheidende Vorsitzende des Wirtschafts-Forums Mangfalltal, Roland Bräger. Die Entwicklung und die Probleme der heimischen Wirtschaft bereiten ihm Sorgen. Doch es gibt auch Positives. Bräger war für drei Jahre angetreten, ist fast sechs Jahre im Amt geblieben: Gestern Abend gab Roland Bräger schließlich den Vorsitz des Wirtschafts-Forums Mangfalltal ab. Im OVB-Gespräch blickt der Brauereidirektor aus Maxlrain auf die nicht einfachen Jahre zurück und gibt seiner Sorge angesichts tiefdunkler Wolken über der Automobilbranche Ausdruck.

Nach fast sieben Jahren treten Sie nicht mehr zur Wahl als Vorsitzender des Wirtschafts-Forums an. Warum?

Meine Zeit in der Vorstandschaft des Wirtschafts-Forum Mangfalltal war grundsätzlich auf eine Wahlperiode angelegt. In diese Zeit fiel dann 2020 der Lockdown. Wie das gesamte öffentliche Leben lagen auch die Aktivitäten des WiFo brach. Nach 2021 gab es etliches abzuarbeiten und es ging darum, das WiFo nach 2021 wiederzubeleben. Aus diesen Gründen stellte ich mich für eine zweite Wahlperiode zur Verfügung. Jetzt ist es allerdings Zeit, das Amt als Vorsitzender des WiFo in neue Hände zu geben. Neue Personen haben neue Ideen und das braucht das WiFo auch, um unseren Mitgliedern gerecht zu werden.

Welche Schwerpunkte Ihrer Arbeit würden Sie herausheben?

Es gibt nicht die eine Tätigkeit, die ich herausheben möchte. Es war die Summe der Aufgaben. Grundsätzlich sind es die Begegnungen mit Unternehmern im Mangfalltal und die Kontakte zu allen Mangfalltal-Kommunen, die mir sehr viel Freude bereitet haben. Wir sind stets willkommene Anlaufstelle für verschiedene Belange, die die wirtschaftlichen Interessen in unserer lebenswerten Region Mangfalltal betreffen. Beispielhaft fanden mit dem damaligen Bürgermeister der Gemeinde Bad Feilnbach, Herrn Hans Hofer, Gespräche statt, wie die Eulenau zu einem Gewerbegebiet entwickeln kann. Hier gab es hohe Hürden seitens unserer Staatsregierung, die kaum erfüllbar schienen. Aus diesem Grunde ist leider bisher auch nichts daraus geworden. Das WiFo hat aktiv an der Leitbildentwicklung der AIB-Kur mitgewirkt. Mit meinem verstorbenen Stellvertreter, Max Regensburger, haben wir im Aufsichtsrat maßgeblich darauf eingewirkt, dass ein Beschluss zu Gunsten eines Moorbadehauses im Aufsichtsrat der AIB-Kur und in der Folge im Stadtrat von Bad Aibling gefasst wurde, um auch zukünftig die Anforderungen zum Erhalt des Prädikates „Bad“ erhalten zu können. Bürgermeister Schlier und Kurdirektor Jahn arbeiten immer noch sehr intensiv an einer Lösung und ich bin zuversichtlich, dass es mittelfristig dazu auch ein entsprechendes Projekt geben wird.

Was waren die größten Herausforderungen?

Grundsätzlich ist die größte Herausforderung für jeden Vorstand, den Mitgliedern des WiFo für ihren finanziellen Jahresbeitrag einen Mehrwert geben zu können. Ich muss zugeben, hier ist in meiner Zeit als Vorsitzender Luft nach oben gewesen.

Und was waren die schönsten Erfolge?

Das WiFo ist 1992 als Wirtschafts-Forum Bad Aibling gegründet worden, um in Kultur, Wirtschaft und öffentlicher Wahrnehmung den Gewerbetreibenden eine Stimme zur Mitbestimmung zu geben. In der Folge wurde aus dem WiFo „Bad Aibling“ das WirtschaftsForum Mangfalltal unter meinem äußerst engagierten Vor-Vorgänger Emil Haubner. Diese Transformation war zu Beginn meiner Zeit im WiFo noch nicht abgeschlossen. Es ist uns gelungen, die Gemeinde Tuntenhausen, unter Bürgermeister Georg Weigl, als Mitglied zu gewinnen. In der Folge ist dann auch zeitnahe die Firma EDER als einer der größten Arbeitgeber im westlichen Landkreis Rosenheim dazugestoßen und deren Geschäftsführer, Herr Gregor Ries, wurde mein Stellvertreter, mit dem ich nun drei Jahre vertrauensvoll zusammenarbeitete. Für mich ein wirklich bemerkenswerter Erfolg.

Was waren die gravierendsten Folgen der Pandemie für die Wirtschaft im Mangfalltal, wo sind diese noch zu spüren?

Die Corona-Pandemie hat uns alle gelähmt. In der Folge der Pandemie waren in vielen Brachen Mitarbeiter Mangelware. Um die Betriebe erfolgreich führen zu können, braucht es stets mutige Unternehmerinnen und Unternehmer, aber es braucht auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die teilweise nicht mehr zu finden waren. Es gab eine unglaubliche Verschiebung von der einen Branche in andere Branchen und dieser Herausforderung sehen sich die Unternehmen bis heute ausgesetzt.

Und wo spürt man die Auswirkungen des Ukraine-Krieges unmittelbar vor Ort in unserer heimischen Wirtschaft?

Gestiegene Kosten in allen Bereichen, die gar nicht oder nur teilweise durch entsprechende Preisanpassungen kompensiert werden konnten, gefährden den Wirtschaftsstandort Deutschland. Verunsicherung macht sich bei den Verbrauchern breit. Das betrifft auch die Unternehmen und die Menschen im Mangfalltal und in der Folge spüren dies auch unsere Kommunen. Wir müssen alle daran arbeiten, den Wohlstand, den die letzten drei Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut haben, zu erhalten. Mit den derzeitigen Rahmenbedingungen sind unsere Unternehmen nicht wettbewerbsfähig. Hier braucht es aus der Politik entsprechende Maßnahmen und Signale.

Worin liegen die größten Herausforderungen der aktuellen Zeit?

Neben den seit Jahren bekannten Problemen aus Sicht der Unternehmen, wie erdrückende Bürokratie, hohe Kosten für Energie, sind es zum Teil nicht vorhandene Entwicklungsmöglichkeiten für unsere ansässigen Unternehmen und Betriebe im Mangfalltal.

Wie groß ist im Wirtschafts-Forum die Sorge um weiteren Arbeitsplatzabbau und Firmenschließungen?

Wirtschaft findet heute im globalisierten Raum statt. Wer glaubt, dass die Krise in der Automobilbranche unsere Region nicht betrifft, irrt gewaltig. Ich möchte nicht schwarzmalen, aber die Wolken über uns sind tiefdunkel.

Was sind die wichtigsten Stellschrauben, an denen gedreht werden müsste, dass es dem Mittelstand wieder besser geht?

Energiekostensenkung für das produzierende Gewerbe und rascher Bürokratieabbau. Vernetzung der Kommunen in der Region Rosenheim zur weiteren Entwicklung unseres Wirtschaftsstandortes in der Region Rosenheim. Wir dürfen nicht zur Schlafstätte von Mitarbeitern der Metropolregion München werden. Das wird uns nicht helfen.

Das Thema Infrastruktur hat Sie von Anfang an als Vorsitzender bewegt. Was hat sich aus Ihrer Sicht in den vergangenen sieben Jahren hier getan – vor allem im ÖPNV?

Mit unserem Vorstandsmitglied, Frau Claudia Hollinger, haben wir die Expertise direkt am Tisch sitzen. Der Beitritt zum MVV im letzten Jahr mag kurzfristig für die Verbraucher attraktiv sein. Langfristig habe ich meine Zweifel, dass ein neu geschaffener Moloch bedarfsgerecht in jeder Ecke unseres Freistaates, vor allem im ländlichen Raum, die Entwicklung des ÖPNV optimal entwickelt. Die in unserer Region für den ÖPNV tätigen Unternehmen ächzen unter dem Diktat aus München ganz erheblich.

Konnten im Kampf gegen den Leerstand Erfolge erzielt werden (und wenn ja, welche und wo?) oder hat das Ausmaß noch zugenommen?

In Zusammenarbeit mit der Stadt Kolbermoor haben wir im letzten Jahr als Träger die Leerstandskonferenz organisiert. Das Symposium war sehr gut besucht. Wir können in dieser Frage nur eine beratende Funktion übernehmen. Die Herausforderungen in Sachen Leerstand, vor allem im Einzelhandel sind groß und eine Universalantwort gibt es darauf nicht.

Werden Sie dem Wirtschafts-Forum noch weiter erhalten bleiben, auch wenn Sie nicht mehr Vorsitzender sind?

Im Herzen immer und nachdem die Schlossbrauerei Maxlrain, für die ich tätig bin, Gründungsmitglied des WiFo ist, wird die Verbindung nicht abbrechen.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger oder ihrer Nachfolgerin? Gibt es einen guten Rat, den Sie ihm oder ihr geben können oder wollen? Und wenn ja, welchen?

Mir liegt es fern, meinen Nachfolgern Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Wir leben in sich schnell verändernden Zeiten. Neue Personen bedeuten auch neue Ideen. Daran mangelt es dem zukünftigen Vorstand ganz sicher nicht. Vielmehr möchte ich mich bei meiner Vorstandskollegin und meinen Vorstandskollegen sowie allen Beiräten für die vertrauensvolle und harmonische Zusammenarbeit bedanken. Für mich waren es erfüllende und lehrreiche Jahre im Vorstand des WiFo. Der zukünftigen Vorstandschaft wünsche ich vor allem Freude und Durchsetzungswillen sowie Erfolg für seine Projekte.

Interview: Eva Lagler

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