Bad Aibling – Glockenreine Stimmen, besinnliche Klänge und Texte: Das traditionelle Bad Aiblinger Adventssingen war wieder einmal ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Stadt. Eine stattliche Schar Mitwirkender zauberte unter der Gesamtleitung von Bärbel Merk vorweihnachtliche Stimmung in den voll besetzten Kurhaussaal.
„Ein Abend, um Stress und Hektik einen Moment hinter sich zu lassen.“ Dieser Eigenschaft, die Bürgermeister Stephan Schlier in seinem Grußwort der Veranstaltung attestierte, entsprach sie wieder einmal ohne jede Einschränkung. Knapp zwei Stunden „Advent pur“ bot das Programm, dessen Bogen sich vom „Menuett der Freundschaft“, mit dem die Auerschmied Musi die Besucher einstimmte, bis zum „Ziachklarett Landler“ erstreckte, mit dem die Kellerer Klarinettenmusik den Schlusspunkt setzte.
Ein Versprechen
zum Beginn
Bärbel Merk hatte den Zuhörern zu Beginn ein Versprechen gegeben, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Programm zog. „Jeder der Mitwirkenden bereichert die Veranstaltung auf seine eigene Weise.“ Wie treffend diese Aussage war, dafür lieferten die einzelnen Gruppen, Sprecher Toni Keller und auch die vielen Kinder und Jugendlichen des Trachtenvereins Edelweiß aus Bad Aibling den Beweis. Sie stellten Szenen des biblischen Geschehens anlässlich von Christi Geburt vor über 2000 Jahren im Stall zu Bethlehem dar.
Ja, man hätte die berühmte Stecknadel bei den gesanglichen und musikalischen Darbietungen immer wieder aufs Neue fallen hören können, so sehr zogen die Sängerinnen und Sänger sowie die Musikantinnen und Musikanten das Publikum bei den einzelnen Auftritten in ihren Bann. Neben der Auerschmied- und der Klarinettenmusik standen noch der Landfrauenchor Rosenheim unter der Leitung von Heidi Hauser, das Sunnaschein Harfenduo und die Reichersdorfer Sänger aus dem Miesbacher Oberland auf der Bühne.
Mucksmäuserlstad war das Publikum bei den Darbietungen nach Noten und den besinnlichen Texten von Toni Keller, der unter anderem an die Uraufführung des berühmten Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach erinnerte, die am 25. Dezember 1734 in der Leipziger Nikolaikirche stattfand.
Vor allem ein paar durchaus pfiffige Zitate bei den Auftritten des Trachtennachwuchses machten klar, dass die Regie des Abends hier bewusst etwas Freiraum für das ein oder andere Gelächter im Saal ließ. Beispielsweise, als es um die Volkszählung ging, die Kaiser Augustus zur Ermittlung der Steuerpflichtigen laut Lukas-Evangelium im Heiligen Land anordnete. Auch Maria und Josef hatten sich damals auf den Weg gemacht.
Nicht zuletzt aufgrund ihrer Armut stieß der Befehl, dass sich jedermann zur Registrierung in seine Geburtsstadt begeben müsse, bei den Hirten im Land auf wenig Verständnis. „Dafür, dass es uns eigentlich nicht gibt, tun mir die Füße ganz schön weh“, zweifelte ein Viehhüter aus der Wandergruppe den Sinn der Maßnahme auf seine ihm eigene Weise an.
Bereichernde
Ergänzung
Das Mitwirken der Jugend unter der Betreuung von Hedwig Halbig war eine herzerfrischende und zugleich auch nachdenklich machende Ergänzung der Darbietungen nach Noten. Sehr gelungen verkörperten Rosalie Merk und Jakob Hinterholzer ihre Rollen als Maria und Josef. Mit Texten, die einen durchaus gesellschaftskritischen Hintergrund hatten – und bei ihren Gesangseinlagen mit einem beeindruckenden Stimmvolumen.
Minutenlanger Applaus war der Lohn für alle Mitwirkenden, die sich am Schluss des Abends zusammen mit der sichtlich erleichterten Gesamtleiterin Bärbel Merk auf der Bühne nochmals gemeinsam dem begeisterten Publikum präsentierten. Ein Abschluss, der das unter dem Motto „Selig seid ihr“ stehende Adventssingen krönte.
Was die Stimmung der Besucher auf dem Nachhauseweg betrifft, beschreibt sie wohl eine kleine Erweiterung dieses Mottos am besten. „Glückselig seid ihr.“